So schnell ein Hype wie die Kryptowährung „$TRUMP“ von US-Präsident Donald Trump gekommen ist, kann auch ein rasanter Abstieg folgen. „Wer in solche Memecoins ‚investiert‘, spekuliert mit dem Geld, was offenbar für das alltägliche Leben nicht gebraucht wird. Gefährlich wird es, wenn nicht reiche Spekulanten, sondern weniger Vermögende meinen, in diesem Spiel mitmachen zu müssen“, schildert Paul Kellermann. Wie bekannt wurde, haben zigtausende Kleinanleger dabei Geld verloren.

Der Soziologe an der Universität Klagenfurt beobachtet neben diesen aktuellen Trends einen Wandel, der durch die Gesellschaft geht und beschreibt diesen in seinem neuen Buch „Moneyismus – der naive Glaube an Geld“. „Ich meine damit die Geldgläubigkeit, den Glauben, mit Geld schon alles erreichen zu können. Das halte ich für eine Art Alltagsreligion“, so Kellermann.

Grundvoraussetzung für das Funktionieren von Geld sei das kollektive Vertrauen, mit der jeweiligen Währung eine Gegenleistung kaufen zu können. Dass immer mehr mit Karte oder Handy bezahlt wird, lasse Menschen immer weniger über Geld nachdenken. Das, „was Geld wert sein lässt“, gerate aus dem Blickfeld. Am Beispiel René Benko und Signa zeige sich, dass in der Privatwirtschaft das Vertrauen und die Grenzen der Geldverfügbarkeit sehr fragil sein können.

„Geld wurde vom Mittel zum Zweck“

Die Nachkriegsgenerationen hätten kaum die Erfahrung machen müssen, dass man für Geld einmal fast nichts bekommen kann. „Nach wie vor kommt es in erster Linie darauf an, was real zur Verfügung steht, um unsere Lebensführung zu sichern oder zu verbessern.“ Geld werde aber heute anscheinend nicht primär als Bezahlmittel, sondern als Zweck der Anstrengungen und unserer Arbeitszeit verstanden.

Den Wenigsten sei bewusst, dass das Geld - ausgegeben von den jeweiligen Zentralbanken - eine Verpflichtung darstelle, dafür auch etwas bekommen zu können. „Die Ware muss vor dem Geld da sein, bevor man sie kaufen kann“, gibt der emeritierte Professor zu bedenken.

Sparpläne sollten bedarfsgerecht erfolgen

Die Ankündigung von Trump, Bitcoin als staatliche Reserve nutzen zu wollen, kritisiert Kellermann scharf: „Steuergeld dafür zu verwenden halte ich für nicht verantwortungsvoll. In Kryptogeld zu investieren, ist für Banken illegitime Spekulation.“ Hierzulande zeige sich anhand der Koalitionsverhandlungen gerade, dass beabsichtigtes „Sparen“ nicht problem- oder bedarfsgerecht erfolgt, sondern in erster Linie an Verringerung von Schulden orientiert ist. „Dabei müsste man von den stärksten Nöten ausgehen, wie beispielsweise Lehrkräfte- und Pflegekräftemangel, um dann die Mittel zuzuteilen. Es wird einfach gestrichen, um eine Schuldenquote zu verkleinern“, so Kellermann. „Die Schulden werden ja nicht absolut gemessen, sondern gemäß den Maastricht-Kriterien als Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wenn weniger Geld in Umlauf kommt, wird weniger bezahlt, was das in Geld gemessene BIP sinken lässt.“

Vernünftiger wäre, zuerst die Prioritäten zu setzen, dabei zwischen kurzfristigem Konsum und längerfristiger Investition bzw. Erhaltung von Infrastruktur zu unterscheiden, um dann das verfügbare Budget entsprechend aufzuteilen. Als Denkanstoß nennt der Soziologe das Klimaticket: „Was hilft eine subventionierte Fahrkarte, wenn nicht genügend in eine funktionierende Bahninfrastruktur investiert wird?“