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Soziologe Paul Kellermann"Die Würde der Menschen sollte gewahrt werden"

Amanda Gormans Gedicht hat ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt - nachfolgend entbrannte eine Debatte über die "richtige" Übersetzung. Der Soziologe Paul Kellermann plädiert für ein Übersetzungs-Seminar und nimmt Stellung zu Fragen der "Political Correctness" sowie Über-Korrektheit.

Soziologe Paul Kellermann sagt, dass alle "ihr eigenes Verständnis" des Gorman-Gedichtes haben
Soziologe Paul Kellermann sagt, dass alle "ihr eigenes Verständnis" des Gorman-Gedichtes haben © Markus Traussnig
 

Amanda Gormans Gedicht hat am Tag der Inauguration von Joe Biden als US-Präsident ein Zeichen gesetzt: Gegen Rassismus und für eine diverse Gesellschaft. Sehen Sie Tendenzen, dass unsere Gesellschaft weniger rassistisch wird oder diverser, oder ist das nur ein publizistisches Ereignis?
PAUL KELLERMANN: Ein publizistisches Ereignis war es jedenfalls. Die Frage ist, ob das Gedicht etwas verändert. Ich möchte dreifach antworten: Es gibt diejenigen, die eh schon überzeugt waren, dass die Menschen alle gleiche Rechte haben und deswegen gegen Rassismus eingestellt sind. Die wird das Ereignis bestärken („Biden-Typ“). Die Gegenseite wird sich bestimmt nicht ändern („Trump-Typ“). In der Mitte stehen Leute, die noch nicht besonders über das Problem nachgedacht haben, aber dann nachzudenken begonnen haben. Wobei allerdings generell anzumerken ist, dass die Tabuierung des Begriffs „Rasse“ erst durch negativ diskriminierende Kennzeichnung bestimmter Menschengruppen entstanden ist. Viele andere Begriffe, auch der der Diskriminierung, haben erst später eine einseitige Bedeutung bekommen. „Diskriminieren“, aus dem Lateinischen, heißt ursprünglich „unterscheiden“. Jetzt aber hat der Begriff lediglich negative Bedeutung.

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