2025 könnte als jenes Jahr in die Wirtschaftsgeschichte eingehen, in dem die Kärntner Arbeitslosenquote übers Jahr betrachtet nicht mehr über der österreichischen liegt. Noch 2016 lag Kärntens Arbeitslosenquote 1,8 Prozent über dem Bundesschnitt, 2024 waren es noch 0,3 Prozent. „Der Arbeitsmarkt in Kärnten entwickelt sich trotz Rezession in eine positive Richtung“, sagt der Chef des Kärntner Arbeitsmarktservice, Peter Wedenig, „und damit sind die Aussichten auch besser als die anderer Bundesländer.“
„Drehtüreffekt“ bei manchen Jugendlichen
Das gilt freilich nicht für alle Branchen bzw. Gruppen: „Verlierer“ in Sachen Beschäftigung waren 2024 die Branchen Leiharbeiter, Handel und Instandhaltung sowie Warenherstellung. Die Arbeitslosigkeit stieg besonders spürbar in den Bereichen Büro, Metall/Elektro und Handel. Auch bei den Jugendlichen entwickelte sich der Jobmarkt 2024 negativ: Junge Männer mit Pflichtschulabschluss sind besonders gefährdet, arbeitslos zu werden. Bessere (Aus-)Bildung hilft allerdings gegen den „Drehtüreffekt“.
Wo Kärnten besser abschneidet
Entgegen dem Österreich-Trend sinkt die Zahl Langzeitarbeitsloser in Kärnten. Klar überproportional gefährdete Gruppen sind auch in Kärnten Männer (62 Prozent Anteil), Ältere über 50 (63 Prozent Anteil) sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen (69 Prozent Anteil). Zu den „Gewinnern“ in Sachen Beschäftigung, die 2024 in Kärnten in Summe stabil bei mehr als 222.000 Personen blieb, gehören das Gesundheits- und Sozialwesen, die öffentliche Verwaltung sowie Dienstleistungen.
„Matching“ als Erfolgskriterium
Überraschend positiv entwickelte sich die Baubranche: Dieser Jobmarkt schnitt in Kärnten sogar besser als im Jahr zuvor bzw. auch bundesweit ab. Wedenig sieht die angesichts der konjunkturellen Lage bemerkenswerte Entwicklung am Jobmarkt nicht allein der Demografie und dem hohen Anteil Teilzeitbeschäftigten geschuldet, sondern auch der „Performance“ des AMS Kärnten. Mit Matching-Methoden – Wedenig zog den Vergleich mit „Tinder“ – gelinge es, die Trefferquoten zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitsgebern zu verbessern. Aus klassischen Vermittlern seien Berater geworden. Dazu kämen spezielle Förderungsprogramme, etwa für Frauen.
Regierungsprogramm-Folgen sind offen
2025 werden die Rahmenbedingungen aber nicht einfacher – weder wirtschaftlich noch budgetär. Dem AMS Kärnten stehen um acht Millionen Euro weniger für aktive Maßnahmen am Arbeitsmarkt zur Verfügung als 2024. Völlig offen seien noch die Folgen eines neuen Regierungsprogrammes.
Die geplante Abschaffung der Bildungskarenz habe bereits zu einem erhöhten Interesse an der Weiterbildungs-Auszeit geführt: 1593 Kärntner nahmen diese allein bis September 2024 in Anspruch, 1453 waren es im ganzen Jahr zuvor. Und auch im Jänner war die Nachfrage groß, so Wedenig. Die Grundidee der Bildungskarenz hält er weiterhin für „gut“. Das Ende geringfügiger Tätigkeit neben dem Bezug der „Arbeitslosen“ sieht er ebenfalls zwiespältig. Er plädierte für eine Begrenzung auf maximal drei Monate. Eine Einschränkung bei der Vermittlung habe es durch geringfügige Jobs ohnehin nicht gegeben.
„Der Arbeitsmarkt vergrößert sich“
Positiv werde sich ab Dezember die Koralmbahn auswirken, ist der Kärntner AMS-Chef überzeugt:. Im März vernetze man sich mit dem steirischen AMS erstmals auf regionaler Ebene zu einem „AMS Süd“. Denn „der Arbeitsmarkt vergrößert sich“, sagt Wedenig. Mit den neuen Möglichkeiten der Mobilität würde sich auch die Zumutbarkeit für Arbeitssuchende ändern, Wolfsberg–Graz sei „keine Distanz mehr“.