Schon als Kind stand für Ariane Obertautsch fest: „Ich übernehme einmal den Familienbetrieb.“ Im Jahr 2000 war es nach dem Abschluss von Wirtschaftskolleg und im Anschluss einer Marketingausbildung in Innsbruck schließlich so weit. Die heute 46-Jährige stieg in das 1927 von ihrem Urgroßvater gegründete Unternehmen Elky in St. Michael ob Bleiburg ein. In vierter Generation leitet sie – von klein auf durch Fachwissen der Großeltern und Mutter gerüstet – die Geschicke des Matratzenherstellers.
Harte Preisverhandlungen
In Spitzenzeiten wurden in der Firma 30.000 Matratzen pro Jahr hergestellt, wobei etliche Arbeitsschritte in Handarbeit erfolgten. Verantwortlich für die großen Mengen war auch die mittlerweile insolvente Möbelhauskette Kika, die Elky 62 Jahre lang beliefert hat. In den vergangenen Jahren allerdings mit sinkender Begeisterung, wie die Firmenchefin berichtet. „Ursprünglich war Kika ein Familienunternehmen mit Werten, die zu uns gepasst haben. Kunden und Lieferanten standen im Vordergrund. Aber seit der Übernahme 2013 gab es einen drastischen Wandel in der Unternehmenskultur“, erzählt Obertautsch. Preise seien vorgegeben worden und es seien den Kunden unrealistisch, hohe Preise vorgegaukelt worden, um dann mit hohen Rabatten zu locken. Gegenüber Elky habe die Möbelkette in harten Verhandlungen Preise durchgesetzt, die kaum kostendeckend waren. Einmal sei ihr sogar gesagt worden: „Elky braucht Kika, aber Kika braucht Elky nicht.“
Zurück zu den Wurzeln
„Doch wir haben nicht den Mut gehabt, zu kündigen“, sagt die Unternehmerin. Allerdings habe sie begonnen, Alternativen für die Firma auszuloten. „Wir sind zurück zu unserem Ursprung – Naturfasern und Handarbeit, haben unser Sortiment weiterentwickelt und uns ein Händlernetzwerk aufgebaut“, berichtet Obertautsch. Neben Matratzen aus 100 Prozent Naturfasern, werden unter anderem auch Bettdecken mit Hanffasern oder Schafwolle, Polster und Bettwäsche hergestellt. Mitte 2024 zog sie bei neuerlichen Verhandlungen in St. Pölten schließlich den Schlussstrich und kündigte den Vertrag. „Zum Glück“, sagt sie heute. Im Oktober belieferte Elky die Möbelhauskette Kika zum letzten Mal, die Mitte November Insolvenz anmelden musste und am 29. Jänner die verbliebenen 17 Filialen in Österreich endgültig zusperren wird.
Die Elky-Chefin blickt hingegen positiv in die Zukunft. Österreich, Deutschland und die Schweiz entwickeln sich dank der Zusammenarbeit mit Fachhändlern für die Firma, die zehn Mitarbeiter beschäftigt gut. Neben dem Reha-Zentrum Althofen zählen zunehmend auch Luxushotels wie ein Fünf-Sterne-Hotel Arosa in der Schweiz zu den Kunden. Obertautsch sieht in diesem Bereich auch noch Wachstumspotenzial, denn sie ist überzeugt: „Vor allem für Menschen in Großstädten wird Schlaftourismus an Bedeutung gewinnen, damit sie in der Natur wieder Erholung und guten Schlaf finden.“