Kürzelkunde als Grundlage: Um die Genese des weststeirischen Start-ups NetCero zu verstehen, sollte man zunächst die Begriffe CSRD und ESRS verorten. Beginnen wir mit den ersten Buchstaben. Sie stehen als Abkürzung für „Corporate Sustainability Reporting Directive“ und meinen jene EU-Richtlinie, anhand derer europäische Unternehmen verpflichtet werden, einen Nachhaltigkeitsbericht abzuliefern. ESRS wiederum steht für „European Sustainability Reporting Standards“, also gewissermaßen für die Berichtsstandards, die die Anforderungen der Richtlinie konkretisieren.
2025 ist für die Kürzel ein entscheidendes Jahr. Weil die Richtlinie nach dem Wirkungsbeginn im Vorjahr ab sofort hierzulande bereits Unternehmen mit 250 Beschäftigten, 50 Millionen Euro Umsatz oder einer Bilanzsumme von 25 Millionen Euro – zwei von drei Kriterien müssen erfüllt sein – erfasst. Sie sind also gesetzlich verpflichtet, entsprechende Nachweise zu vollbringen. Bis 2028 soll die Vorschrift dann überhaupt für alle, mit Ausnahme von Kleinstunternehmen, gelten. Berichtet werden muss über CO₂-Emissionen ebenso wie über Energie- und Wasserverbrauch oder Materialeinsatz.
All das bringt uns ins beschauliche St. Martin im Sulmtal in der südlichen Weststeiermark. Dort sitzt mit NetCero nämlich ein wahrer Spezialist für CSRD, ESRS & Co und damit gewissermaßen ein zertifizierter Reiseführer durch den Kürzeldschungel. Denn NetCero bietet eine Software an, die Unternehmen helfen soll, die CSRD-Berichterstattung umzusetzen. „Praxisnah, pragmatisch, prüfsicher“, bewirbt Gründer Lukas Windisch die Funktionsweise der hauseigenen Lösung. Diese soll beim Erstellen der Nachhaltigkeitsberichte außerdem „bis zu 42 Prozent Zeitersparnis bringen“.
Bis zu 1200 Datenpunkte
Zugleich sieht sich NetCero nicht nur als Softwareanbieter. Vielmehr wolle man eine Form von „Wissensaufbau für die Beschäftigten im Unternehmen“ anbieten. Denn um Daten korrekt anzuführen, müssen sie zunächst einmal erhoben werden. Oftmals keine Kleinigkeit.
„Je nach Größe sind in Unternehmen bis zu 1200 Datenpunkte für den Nachhaltigkeitsbericht relevant“, sagt Windisch. Bereits mehr als 30 Kunden konnte das Start-up an Land ziehen, darunter bekannte Namen wie die Bühnen Graz, Kastner & Öhler, XAL oder Ennstal Milch.
Lukas Windisch selbst, der NetCero gemeinsam mit Michael Jauk und Julia Fessler führt, blickt mit gerade einmal 22 Jahren übrigens auf eine bemerkenswerte Historie als Jungunternehmer zurück, ist NetCero doch schon die zweite Firma, die der Absolvent der HTL Kaindorf ausgründet.
Rose, Kainz, Frizberg, Gerstenmayer
Als wichtiger Gesellschafter ist mit DigESG GmbH das Unternehmen hinter Susform, einem ausgewiesenen Spezialisten für Nachhaltigkeitsmanagement, an Bord. Darüber hinaus kommt auf Investorenseite dieser Tage weiteres, großes Know-how dazu. Immerhin beteiligt sich ein in steirischen Industriekreisen gut bekanntes Quartett am Start-up aus Sankt Martin. Bestehend aus Ex-AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer, dem Energie-Steiermark-Aufsichtsratsboss Karl Rose, TCM-Gründer Manfred Kainz und dem Energieexperten Gilbert Frizberg.
Unterstützen soll die Investorenschar das angestrebte Wachstum. Sind bei NetCero zurzeit zwölf Köpfe beschäftigt, sollen es laut Windisch noch in diesem Jahr „über 30 Leute werden“. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden quer über viele Geschäftsbereiche gesucht, von der Softwareentwicklung bis hin zum Vertrieb.