Es ist eine für österreichische Verhältnisse spektakuläre Übernahme. NXP, niederländischer Halbleiterriese mit gewichtigem Entwicklungszentrum im steirischen Gratkorn, will das österreichische Jungunternehmen TTTech Auto übernehmen. Dieses beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter, 80 Prozent davon Ingenieurinnen und Ingenieure. NXP gibt jetzt eine verbindliche Vereinbarung ab, 100 Prozent der Aktien von TTTech Auto zu kaufen. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung und zu einer Bewertung von rund 625 Millionen US-Dollar.
Sechs bis neun Monate soll es laut NXP schließlich dauern, bis die „Firmen offiziell zusammen sind“. Dann wird TTTech Auto nicht mehr so heißen und innerhalb der Automotive-Sektion der Niederländer eingebettet sein. Aus der langjährigen Zusammenarbeit wird ein Verschmelzen.
Das Update-Auto
NXP, das zurzeit die Hälfte seines Umsatzes im Automobil-Bereich macht, unterstreicht mit der Transaktion den unternehmerischen Glauben an die Transformation im Automobilgeschäft. Den Glauben an das sogenannte „Software-defined vehicle“. Bei diesem Fahrzeug soll der Wert über die Lebensdauer hochgehalten werden, indem ständig Updates angeboten werden können. Software wird in dieser Denkweise naturgemäß wichtiger. Zugleich wachsen die Sicherheitsanforderungen an die steigende Zahl an Systemen im Auto stark an. Genau an diesem Schnittpunkt treffen sich die Kompetenzen von NXP und TTTech Auto.
Gratkorn ist nahezu Symbol für diese Anknüpfung. „Wir sind in Österreich sehr stark im Bereich des sicheren Automobil-Zutritts“, sagt NXP-Österreich-Chef Markus Stäblein. Darüber hinaus entwickelt NXP in der Steiermark prinzipiell den Großteil jener Technologien, die unter „Crypto & Security“ gebündelt sind. TTTech Auto wiederum ist spezialisiert auf sichere und zuverlässige Netzwerk- und Steuerungslösungen.
Volkswagen als „Leitkunde“
2018 von der Mutter TTTech ausgegründet, wurde TTTech Auto im Februar 2022 nach einer 250 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde gar noch als „Unicorn“, Einhorn, bezeichnet. Also als eines der raren und besonders vielversprechenden Jungunternehmen, deren Bewertung bei mehr als einer Milliarde liegen soll. Zu den Investoren zählten über die Jahre nicht nur Gründungspartner Audi – von der Volkswagen-Gruppe als „Leitkunde“ spricht TTTech-Gründer Georg Kopetz am Dienstag –, sondern auch andere weltweit agierende Unternehmen wie Samsung, Infineon oder Aptiv. Kernaktionär blieb TTTech – ein einstiges Spin-off der TU Wien – stets selbst.
In der nunmehrigen Integration sieht Kopetz einen „echten Mehrwert“. Selbst wolle man die Erlöse aus der anstehenden Transaktion in die Entwicklung sicherer Produkte für Märkte intelligenter, autonomer Maschinen in der Industrie oder der Luft- und Raumfahrt investieren.