Bereits am Donnerstagvormittag, kurz nach Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktdaten, hat Johannes Kopf ein wenig erfreuliches Bild zur Lage gezeichnet. Der Vorstandschef des Arbeitsmarktservice (AMS) in Österreich führte zunächst rückblickend aus: Das Jahr 2024 habe auch am Arbeitsmarkt „viel Unerfreuliches“ gezeigt.
Auch der Umstand, dass die Beschäftigtenzahlen trotz aller Widrigkeiten gestiegen sind, erfährt durch Kopf eine relativierende Einordnung: „Der Rückgang an Personenproduktivität lässt sich mit Arbeitszeitverkürzung erklären. Kurz gefasst: Mehr Beschäftigte leisten in weniger Stunden weniger. Es ist dies für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und auch seine Sozialversicherungssysteme keine gute Entwicklung, den Arbeitslosenzahlen nützt dies jedoch.“
Denn letztlich sei der Anstieg der beim AMS als arbeitslos oder in Schulung registrierten Personen mit einem Plus von rund 32.000 Menschen (plus 9,4 Prozent) „für eine solche Rezession noch relativ moderat“ ausgefallen. Und auch die Arbeitslosenquote liege mit 7,0 Prozent noch unter der Arbeitslosigkeit des Jahres 2019. Kopf betont aber: „Mit viel Hoffnung starten wir jedoch nicht in dieses neue Jahr, die Arbeitslosigkeit ist 2024 in allen Branchen, allen Bundesländern und allen Personengruppen gestiegen und auch die Aussichten sind alles andere als rosig.“
„Für Wettbewerbsfähigkeit keine gute Nachricht“
In der ZiB2 unterstrich er am Donnerstagabend, dass es eine einfache Antwort auf die vermeintlich verwunderliche Entwicklung – steigende Beschäftigung bei gleichzeitiger Rezession – gebe: „Die Menschen arbeiten weniger Stunden.“ Was für die Arbeitslosenzahlen gut sei, sei für die Wettbewerbsfähigkeit keine gute Nachricht, das schwäche die Produktivität, so Kopf.
Sein Ausblick auf die Arbeitsmarktentwicklung 2025 fällt daher durchwachsen aus: „Insgesamt gibt es noch keinen Grund für Optimismus.“ Er gehe davon aus, dass die Arbeitslosigkeit auch heuer steige, wenn auch nicht mehr ganz so kräftig. Treten die Wachstumsprognosen ein, könnte man eine in etwa halb so starke Steigerung wie 2024 erwarten, das wären im Jahresverlauf dann um rund 15.000 Arbeitslose mehr.
„Situation schwieriger denn je“
Gleichzeitig müsse man bedenken, dass derzeit auch Regierungsverhandlungen laufen. Kopf ist hier auch Teil einer Steuerungsgruppe. In den vergangenen 20 Jahren sei er immer wieder bei Regierungsverhandlungen dabei gewesen, diesmal sei die Situation aber „schwieriger denn je“. Denn zum einen gebe es hohen Spardruck, andererseits eine „absolute Wachstumsschwäche, in der man eigentlich investieren müsste“, so Kopf. Das sei „eine riesige Herausforderung“, es gelte, „kluge Kompromisse zu finden“. Investitionen in Arbeitsmarktmaßnahmen sowie Forschung und Entwicklung seien jedoch sehr wichtig. Insgesamt erlebe er „verantwortungsvolle Verhandler, die die Problematik erkennen und das auch ernst nehmen“, so Kopf.
Ob das viel diskutierte verpflichtende Integrationsjahr eingeführt werde, könne er noch nicht sagen, „ich weiß nicht was bei der Regierungsbildung herauskommt, weil die Budgetgruppe noch tagt“. Inhaltlich wäre es „sehr sinnvoll, mehr in Integration zu investieren“. Das AMS habe eine solche Maßnahme auch vorgeschlagen.
Änderungen bei der Bildungskarenz
Einmal mehr spricht sich Kopf auch für Änderungen bei der Bildungskarenz aus. Es sei nicht intendiert gewesen, dass beispielsweise über dieses Instrument eine Rechtsanwaltsprüfung gefördert oder die Babykarenz damit verlängert werde. Hier müsse es in Zukunft zu Einschränkungen kommen, zudem sollte es das Ziel sein, auch mehr Niedrigqualifizierte in die Bildungskarenz zu bekommen. „Es gibt hier sicher Reformbedarf“, so Kopf.
Befürworten würde er auch die Einführung eines degressiven Modells bei der Arbeitslosenversicherung – eine entsprechende Reform ist ja in der türkis-grünen Regierungszeit gescheitert. Am Anfang mehr Arbeitslosengeld zu erhalten, dann aber eine Stufe einzuführen, ab der das Arbeitslosengeld sinkt, davon halte er viel, so Kopf. Oftmals sei damit eine Frist, die man sich als Betroffener selbst setzt, verbunden, wenn man die optimale Stelle noch nicht finde. Ein degressives Modell könnte aus seiner Sicht die Bereitschaft steigern, „dann doch etwas weiter zum neuen Job zu pendeln oder etwas ungünstigere Arbeitszeiten“ in Kauf zu nehmen. Ob eine neue Bundesregierung ein solches Modell umsetzen wird, könne er aber noch nicht antizipieren, so Kopf.