Die genauen Zahlen gibt‘s erst heute im Laufe des Vormittags. Dennoch steht bereits fest, dass die Arbeitslosigkeit in Österreich im Jahresvergleich auch im Dezember zugelegt hat. Damit zeigt der Pfeil bereits seit 21 Monaten durchgehend nach oben, seit es im April 2023, damals zum ersten Mal seit gut zwei Jahren, zur Trendwende gekommen ist.

Dass sich die Entwicklung im ersten Halbjahr des noch jungen Jahres ändern könnte, wird von Arbeitsmarktexperten nicht erwartet. Signifikant zurückgegangen sind zuletzt Monat für Monat die offenen Stellen. Ende November waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) bundesweit 82.855 sofort verfügbare offene Stellen gemeldet – um 12.175 weniger als noch im Vorjahresmonat.

Eine zarte Trendwende am Markt für Stelleinserate ortete dieser Tage Georg Konjovic, Chef des Portals karriere.at. Zwar seien die Jobinserate seit Herbst 2023 rückläufig, im vierten Quartal habe sich der Rückgang aber abgeschwächt. Im Handel, im Tourismus und im Gesundheitsbereich werde wieder ein Anstieg verzeichnet. In der Industrie, in der Bauwirtschaft und im Gewerbe sei die Lage indes weiterhin „sehr verhalten“.

Zuletzt hat sich etwa rund um den Konkurs der Möbelhandelskette kika/Leiner gezeigt, dass zahlreiche Unternehmen – von der Post über Handelsketten wie u. a. Ikea und Hofer bis hin zu den Lagerhäusern und der Schnellrestaurant-Kette McDonald‘s – den rund 1350 Betroffenen umgehend Jobangebote unterbreitet haben.

„Auf diesem Weg mehr als 2000 Bewerbungen bekommen“

In dieser Rolle sehen sich auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). In einer „von Insolvenzen und Wirtschaftsflaute“ geprägten Zeit biete man krisensichere Zukunftsjobs, wird seitens des Staatskonzerns betont. „Um die besten Lösungen für Menschen zu finden, gehen die ÖBB auch aktiv auf Unternehmen zu, die in wirtschaftliche Schieflage geraten sind, oder Gefahr laufen, in eine solche zu schlittern.“ ÖBB-Chef Andreas Matthä unterstreicht: „Hier gehen gesellschaftliche Verantwortung und unternehmerische Notwendigkeit Hand in Hand und es entsteht eine echte Win-Win-Situation: Wir unterstützen Menschen in schwierigen Phasen und stärken unser Unternehmen mit neuen Fachkräften.“ Man wolle Perspektiven bieten, „gerade auch für Menschen, die ihren Arbeitsplatz aufgrund der Wirtschaftsflaute bereits verloren haben oder darum bangen“. Das gelte auch für aktuelle Fälle wie etwa bei KTM oder Kika-Leiner, wird auf Anfrage bestätigt: „Ja. Auch auf diese Unternehmen gehen die ÖBB aktiv zu mit dem Ziel, frühzeitig zu informieren, zu unterstützen und Perspektiven aufzuzeigen.“ Das habe man auch in den vergangenen Jahren „bereits sehr erfolgreich gemacht und auf diesem Weg mehr als 2000 Bewerbungen bekommen“. Dabei sollen gerade auch Quereinsteigerinnen und -einsteiger adressiert werden.

Die ÖBB wollen pro Jahr 3400 neue Beschäftigte einstellen, allein heuer sollen 640 neue Lokführerinnen und Lokführer hinzukommen
Die ÖBB wollen pro Jahr 3400 neue Beschäftigte einstellen, allein heuer sollen 640 neue Lokführerinnen und Lokführer hinzukommen © ÖBB/ROBERT DEOPITO

Pro Jahr werden rund 3400 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht. Der Handlungsdruck ergibt sich auf mehreren Ebenen: „Von 2025 bis 2030 gehen rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand“, wird auf Anfrage der Kleinen Zeitung betont. Die Pensionierungswellen bei geburtenstarken Jahrgängen setzten sich also fort. Hinzu kommt, dass die Fahrgastzahlen sukzessive steigen, das Angebot sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr ausgebaut wird – auch damit geht ein wachsender Personalbedarf einher. Allein 2024 sei es zu rund 7000 Neubesetzungen gekommen, wobei der Frauenanteil bei rund 25 Prozent lag, „damit übererfüllen wir unser Ziel, 20 Prozent bei den Neuaufnahmen bis 2026, bereits“, teilen die ÖBB mit.

„Den Großteil der neuen Kolleginnen und Kollegen suchen wir in den klassischen Eisenbahnberufen.“ Das sind beispielsweise Lokführerinnen und Lokführer, Zugbegleiter, Verschieber und Fahrdienstleiter. Auch Lenker für die ÖBB-Busflotte werden gesucht. Allein im Jahr 2025 wolle man rund 640 neue Lokführer einstellen. Immer gefragt seien zudem IT- und Technik-Spezialistinnen und -Spezialisten. In der Steiermark wollen die ÖBB bis zum Jahr 2029 rund 1690 neue Mitarbeiter einstellen, in Kärnten sollen es mehr als 860 sein.