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Masterplan gefordert Bauboom in der Südsteiermark: Wenn der Charakter der Landschaft verloren geht

Vom Chaletdorf bis zur Bodenversiegelung: Wir verbauen unsere Landschaft und verändern so unwiderruflich ihren Charakter. Welche Auswirkungen das auf den Menschen hat und warum man hier gegensteuern muss. Am Dienstag um 18 Uhr lädt die Kleine Zeitung zur Live-Diskussion.

Die südsteirische Kulturlandschaft ist ein "Sehnsuchtsort"
Die südsteirische Kulturlandschaft ist ein "Sehnsuchtsort" ©  imago stock&people (imago stock&people)
 

Erwin Frohmann redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Wir haben ein Beziehungsproblem mit der Landschaft“, so der Landschaftsarchitekt und Biologe. An der Liebe generell liegt es nicht, aber wie so oft in Beziehungen ist die permanente Verfügbarkeit auch hier der Hinkefuß – irgendwann geht die Wertschätzung einfach flöten. Dabei können wir eigentlich von Landschaft gar nicht genug bekommen, was gerade Corona wieder gezeigt hat: Man strebt nicht nur vermehrt in die Natur, sondern will im besten Fall auch ein Stück davon besitzen, auch Zweitwohnsitze boomen. Das alles hat Folgen, massive sogar, analysiert Frohmann: „Wir haben einen sehr großen Flächenbedarf entwickelt, und das wird in der Landschaft auch sichtbar.“ Zersiedelung, Bodenfraß, Einkaufszentren auf der grünen Wiese und touristische Großprojekte in „Sehnsuchtslandschaften“, so Frohmann.

Eine dieser Landschaften hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten zum touristischen Hotspot entwickelt: die Südsteiermark mit ihrer Weinregion. Eine Gegend, die alles andere als unberührt ist, sondern erst im Zusammenspiel mit dem Menschen entsteht, so der Oststeirer, der an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien unterrichtet: „Das sind Regionen, wo man erkennt, dass der Mensch in einer beziehungsvollen Art und Weise mit der Landschaft wirtschaftet und so sinnstiftende Kulturlandschaftstypen erzeugt.“ Der Mensch prägt die Landschaft und auch umgekehrt. Kein Wunder also, dass touristische Großprojekte nicht nur Anrainer aufschrecken. Noch dazu, wenn ein architektonisches Schreckgespenst im Spiel ist: das Chalet. Ein typisches Holzhaus aus dem Alpenraum, das mit der Keuschen der Südsteiermark nur wenig zu tun hat. Wunderwaffe des gepflegten touristischen Siedlungsbaus. Ganze Dörfer auf grüner Wiese sind in den letzten Jahren schon in ganz Österreich entstanden.

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bebi
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Bebauungswahnsinn

Aktuell werden 13 Hektar!!! also 130.000 m2 täglich in Österreich an intaktem Boden verbaut. Und alle wundern sich, wenn im Sommer die Hitzewelle unerträglich wird oder Überschwemmungen nach Gewittern auftreten. Wir ruinieren unseren Lebensraum durch Neubauten von Straßen und Gebäuden. Bestehende Gebäude bleiben oft ungenutzt leerstehend. Warum weichen die politischen Verantwortungsträger dieser Problematik aus und lassen immer mehr Bauwerke auf den Äckern und Wiesen entstehen. Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein sieht anders aus.
Ach ja, und da ist ja noch eine wesentliche Sache, die niemand ansprechen will: Würde die Landwirtschaft für ihre Erzeugnisse ausreichend entlohnt werden, würde sich das Interesse der Bauern in Grenzen halten, ihre Grundstücke zu verkaufen. Doch wir Konsumenten machen das Überleben des Bauernstandes durch Kauf von billigen Lebensmitteln zunichte.

egubg
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Es sind die Gemeindepolitiker und deren Landespolitiker

die diese Zerstörung zulassen, es sind die eigenen Mitbürger in den "Gemeindestuben", fast möchte man glauben sie sind geistig und anderweitig korrumpiert, die den Ausverkauf zulassen und fördern.
Für Investoren wird, wie es sich anfühlt, die eigene Großmutter verkauft, wenn Geld fließt, um anderswo etwas anzukaufen, um so zu leben wie man es gewohnt war, - diese Gesellschaft ist wie es scheint kaputt!

Reipsi
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Muster Plan gefordert

ist nicht gut, weil dann holt der Muster seine Freunde in die Gegend und dann gibt es nur mehr Hobbyweingärtner mehr in dieser Gegend und dann machens bei allen Einfahrtsstrassen Schranken, dan hammas.

menatwork
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Die Chaletdörfer sind eine Geschmacksverwirrung sondergleichen

Sie passen auch in keinster Weise zum räumlichen Leitbild, was die Frage aufwirft mit welchen Hebeln es hier zu eine Genehmigung kommen konnte.

Die erste Instanz ist jedenfalls immer die Gemeinde und dort muss man auch die Verantwortlichen suchen. Aber natürlich auch bei der übergeordneten Raumordnung, die in der Steiermark generell handzahm bzw. zahnlos erscheint, wenn sog. "Investoren" auftauchen.

calcit
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Es geht ja nicht nur um den Toursimus oder Chaletdörfen...

...auch die sonstige Bautätigkeit bzw. Raumordnung der Bürgermeister ist ein Graus. Totale Zersiedelung, da ein Haus und dort ein Haus, keine Ortsstrukturen, keine Verdichtung und Konzentrierung - gerasde auch Einfamilienhäuser verbrauchen mehr Boden und Rohstoffe als andere kompaktere Wohnbauten und verteuern die Infrastrukturkosten im ländlichen Bereich enorm.

Patriot
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Es ist halt wie überall die Gier,

die alles zerstört! Nicht nur den Charakter der Menschen, sondern sogar die Landschaft! Erbärmlich!

Ragnar Lodbrok
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Es gibt Bebauungspläne für jede Gemeinde.

Blöd ist halt, wenn ein Investor Geschenke an die Gemeinderäte verteilt und sich die entsprechendenden Beschlüße erkauft. ẞ

Heinz-55
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Klimaschutz?

Die unendliche Gier der Menschen die boden verkaufen der korrupten Bürgermeister und der nie den hals voll bekommenen immobilienfirmen. Jetzt hat sich der bauboom in die sudsteiermark ausgeweitet fur die reichen zweithauslbesitzer! Aber es wird ja vonder Politik jedes bauansuchen und der flachenwidmungsplan bewilligt. Echt korrupt! Und das versteht sie unter klimaschutz?

blackpanther
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Peter Kraus

Warum er bei diesem Projekt mit macht, verstehe ich nicht! Was will er damit erreichen? Er wohnt in einer schönen Landschaft und könnte dort seine wohlverdiente Pension genießen, stattdessen will er Profite und hilft mit bei der Verschandelung der Landschaft! Schade

zweigerl
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Den Kuchen gleichzeitig haben und essen wollen

In Peter Kraus schlummert irgend so ein Verursachungsgen, das im Leben möglichst viele Spuren hinterlassen möchte. Da geht er auch in jede noch so kindische TV-Show und bricht sich die Schulter. Und zu den Bebauungsprojekten prinzipiell: Wir brauchen gar nicht mehr reden von der Achtsamkeit auf "sensible KOntexte": Die Landschaft ist vollgeräumt! Jedes Kind sieht, dass man den Kuchen nicht haben und gleichzeitig essen kann. Es ist absolut nicht einzusehen, warum sich wer seine Wohlfühlkiste mitten in eine Natur- und Weinkulturlandschaft hineinstelllen muss. Man kann ja Wanderungen dorthin unternehmen und dann wieder heimkehren in sein angestammtes Habitat. Für den Verdacht der Gemeinderatsbestechungen müssen endlich Beweise auf den Tisch. Das wäre natürlich der Gipfel, dass sich eh gut dotierte Weinbauern via kummale Posten noch einmal die dicke Brieftasche auf KOsten der Allkgemeinheit füllen.

Patriot
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@blackpanther: Die Gier kennt halt auch kein Alter!

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