Bei der Tankstelle Mol in Gornja Radgona, nur rund zwei Kilometer von der österreichisch-slowenischen Grenze bei Bad Radkersburg entfernt, herrscht am Montag um die Mittagszeit reges Treiben. Es vergeht keine Minute, in der sich nicht ein neues Auto in die Schlangen zu einer der sechs Zapfsäulen einreiht – darunter auch zahlreiche mit österreichischem Kennzeichen.

Wenig überraschend: Bekommt man einen Liter Diesel in Slowenien am Montag um 1,46 Euro, muss man nur wenige Kilometer über die Grenze in der Südoststeiermark teils sogar 2,03 Euro hinlegen.

Regelmäßig „Tanktourist“

„Da ist der Preis für das Tanken noch gerecht. Das, was sie bei uns aufführen, ist eine Frechheit“, ärgert sich Peter Kovac. Der Bad Radkersburger fährt regelmäßig fürs Tanken über die Grenze. Dieser Tage tankt er aber erst recht in Slowenien: „Weil es günstiger ist, das muss man ausnutzen.“ Gerade tankt er das Auto seiner Frau voll, später wird er mit seinem Wagen kommen. „Bei uns macht die Politik was sie will, das ist eine Augenauswischerei“, findet Kovac. Für ihn ist es auch völlig in Ordnung, fürs Tanken über die Grenze zu fahren: „Wenn es in Österreich günstiger ist, kommen die Slowenen ja auch zu uns“, schildert er seine Beobachtungen.

Peter Kovac aus Bad Radkersburg tankte am Montag nicht nur sein Auto, sondern auch jenes seiner Frau voll. Sein Standpunkt: „Das muss man ausnutzen.“
Peter Kovac aus Bad Radkersburg tankte am Montag nicht nur sein Auto, sondern auch jenes seiner Frau voll. Sein Standpunkt: „Das muss man ausnutzen.“ © KLZ / Julia Schuster

Plafond erreicht

Hingegen ist das Tanken in Slowenien für Martha Weiß aus Mureck eine Seltenheit: „Ich tanke sonst immer in Österreich, aber jetzt ist es mir zu viel. Der Unterschied ist gravierend. Ich bin eine Österreich-Einkäuferin, aber irgendwann ist der Plafond erreicht.“ Weiß engagiert sich in ihrer Pension ehrenamtlich: Sie fährt für Lebensmittelausgaben und Deutschkurse, die sie hält, dreimal in der Woche von Mureck nach Bad Radkersburg und für Kurse des Öfteren nach Graz, erzählt sie, während sie mit ihrem Auto in der Schlange wartet.

Martha Weiß aus Mureck ist aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auf das Auto angewiesen. Sie kauft zwar viel in Österreich ein, bei den Preisen hat sie nun aber auch einmal in Slowenien vollgetankt
Martha Weiß aus Mureck ist aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auf das Auto angewiesen. Sie kauft zwar viel in Österreich ein, bei den Preisen hat sie nun aber auch einmal in Slowenien vollgetankt © KLZ / Julia Schuster

Als Pendlerin vergleicht Patrizia Schwarzbauer die Spritkosten ganz genau: „Ich wohne in Bad Radkersburg und fahre nach Graz in die Arbeit. In Slowenien ist das Tanken meistens günstiger.“ Dass ein Liter Diesel in Österreich teils rund 50 Cent mehr kostet als im Nachbarland Slowenien erschließe sich ihr nicht ganz, gesteht Schwarzbauer, „weil im Einkauf kostet der Diesel ja auch nicht so viel“, argumentiert sie.

Als Pendlerin vergleicht Patrizia Schwarzbauer aus Bad Radkersburg die Spritpreise ganz genau. Meistens tankt sie in Slowenien
Als Pendlerin vergleicht Patrizia Schwarzbauer aus Bad Radkersburg die Spritpreise ganz genau. Meistens tankt sie in Slowenien © KLZ / Julia Schuster

9 von 10 Tankkunden aus Österreich

Den Eindruck, dass seit der Spritpreis-Explosion als Folge des Krieges im Iran vermehrt Österreicher in Slowenien tanken, kann eine Mitarbeiterin an der Tankstelle Mol bestätigen: „Von zehn Autos, die bei uns jetzt vollgetankt werden, sind neun sicher aus Österreich.“ Manche würden nicht nur nacheinander mit mehreren Autos aus der Familie kommen, sondern zusätzlich noch Kanister volltanken. Auch in Nicht-Krisenzeiten würden rund 100 Österreicherinnen und Österreicher pro Tag sich an ihrer Tankstelle Benzin und Diesel holen.

Preise in Slowenien alle 14 Tage neu

Wie es sein kann, dass zwischen den österreichischen und den slowenischen Spritpreisen teils mehr als 50 Cent Unterschied liegen? Das weiß Dominik Graf, zuständig für Verkehrswirtschaft beim Öamtc: „In Slowenien wird der Preis für Diesel und Benzin nur alle 14 Tage neu festgelegt.“ Das nächste Mal passiert das am Dienstag, 10. März. Der Tanktourismus dürfte damit ein jähes Ende finden, prognostiziert er.

Graf weiß aufgrund der Rückmeldungen der Öamtc-Mitglieder, dass nicht nur das Tanken in Slowenien derzeit Thema ist: „Es kommen auch zahlreiche Deutsche beispielsweise nach Salzburg, um günstig zu tanken.“

Dominik Graf, zuständig für Verkehrswirtschaft beim Öamtc
Dominik Graf, zuständig für Verkehrswirtschaft beim Öamtc © Barbara Wirl

Gehen Preise weiter nach oben?

Wie sich der Tanktourismus weiterentwickeln wird, ist aktuell noch unklar: „Es kann durchaus sein, dass es preislich noch nach oben geht. Mit dem Tempo, wie in der vergangenen Woche, mit Preissprüngen von plus 30 Cent, kann es nicht weitergehen.“ Graf betont, dass die Bundesregierung baldige Lösungen finden müsse. Eine kurzzeitige Aussetzung der CO2-Bepreisung könne eine Option sein.