„Noch zu arbeiten bedeutet für mich einfach eine Wertschätzung zu erfahren. Es ist schön noch gebraucht zu werden“, erklärt Elisabeth Kniewallner. Obwohl sie mit November 2025 ihre Pension angetreten hat, arbeitet sie immer noch. Die Vorstellung von einem Tag auf den anderen zu hundert Prozent zuhause zu sein, gefiel ihr nicht, weshalb sie sich nach einer kleinen Stelle umschaute.
Arbeiten in der Pension
So wie Kniewallner geht es vielen Menschen kurz vor und nach dem Pensionsantritt. Doch die richtigen Jobs zu finden, sei nicht immer leicht, betont Dietmar Fuchs, Geschäftsführer der Qualifizierungsagentur Qua. Deshalb hat er mit seinem Team die Jobplattform seniorjobs.at ins Leben gerufen, die arbeitswillige Senioren mit regionalen Unternehmen verbinden soll. Elisabeth Kniewallner ist bereits davor fündig geworden und geringfügig beim Genusshotel Riegersburg angestellt. Bei der Ausarbeitung der Plattform brachten sie und Genusshotel-Geschäftsführer Florian Jaspers wertvolle Erfahrung ein.
Hauptverantwortlich für seniorjobs.at ist Sophie Halbedl von der Qualifizierungsagentur. Das Projekt ist Teil des EU-geförderten Interreg-Projekts „Arbeitsmodelle für die Generation 60+ – Elderly-4-Society“ und richtet sich entsprechend vorerst an die südliche und östliche Steiermark sowie das angrenzende Slowenien.
Suche nach Erfahrung und Flexibilität
Konkretes Ziel ist es, „Angebot und Nachfrage transparent zusammenzuführen und eine niederschwellige, verlässliche Anlaufstelle für beide Seiten bereitzustellen“, so Halbedl. Denn die Nachfrage sei hoch, das merkte das Qua-Team bereits bei ersten Info-Veranstaltungen in Bad Blumau zum Thema Verdienst in der Pension, bei denen sich zahlreiche Personen über 60 anmeldeten.
Aber auch auf unternehmerischer Seite gibt es eine starke Nachfrage. Nicht nur weil allgemein Fachkräfte gesucht werden, sondern weil in gewissen Branchen die Wünsche der Pensionisten (Geringfügigkeit und Abwechslung) mit den Anforderungen der Betriebe (Flexibilität und Erfahrung) gut zusammenpassen. Gerade im Tourismus sei das häufig der Fall, denn man habe immer wieder Hochphasen, sagt Jaspers und ergänzt: „Das ist einmal eine Hochzeit oder auch ein Frühstücksservice. Oft brauche ich da eine Unterstützung nur für wenige Stunden.“
Beratung und Fortbildung über seniorjobs.at
Die Geringfügigkeit ist unter anderem deshalb so beliebt, weil sich Arbeitnehmer in der Pension gewisse Abgaben sparen. Genau über diese gesetzlichen Bestimmungen klärt man auf der Website seniorjobs.at auf, bietet allerdings in Vorträgen detailliertere Infos. „Wir haben einfach gemerkt, wie wichtig die persönliche Beratung in der Zielgruppe 60+ ist“, so Halbedl. Es werden auch Fortbildungen angeboten.
Erfolgsgeschichte beim Genusshotel Riegersburg
Denn der Einstieg ist nicht immer leicht. So wusste Kniewallner zwar, dass sie auch in der Pension noch arbeiten will, aber bei ihrem Arbeitgeber im Textilhandel war kein Bedarf. „Ich will unter Leuten sein und weil ich das Genusshotel vom Frühstücken her kenne, dachte ich mir, das wär doch was“, so die Quereinsteigerin. Neben der neuen und abwechslungsreichen Tätigkeit schätzt sie vor allem die Arbeit mit jungen Kollegen: „Sie lernen von mir und ich von ihnen“, sagt Kniewallner schmunzelnd.
Auch für Jaspers ist klar, die Erfahrung und Ruhe, die seine neue Mitarbeiterin in das Team einbringt, ist ein großer Mehrwert. So gehe es in der Region einigen Unternehmen, betont Halbedl und führt aus: „Die Tischlerei Knaus beschäftigt auch jemanden über den Pensionsantritt hinaus. Der kann Sachen, die Jüngere nicht kennen und bekommt deshalb viel ‚Spezialaufträge‘.“
Interessierte Betriebe können seit März 2026 Stellen bei seniorjobs.at inserieren und arbeitswillige Pensionisten finden dort mit etwas Glück eine neue Berufung.