Der Amoklauf in Graz hat eine tiefe Wunde hinterlassen – sowohl bei den direkt Beteiligten als auch in der gesamten Stadt. Viele Kinder und Jugendliche sind daher auf der Suche nach Unterstützung, um ihre Gefühle, Ängste und oftmals Trauer einzuordnen. LebensGroß und Rainbows versuchen die Kinder und Jugendlichen hier aufzufangen und ihnen mit unterschiedlichen Angeboten Orientierung zu geben.

„Wir erwarten nach einem bestimmten Zeitraum schon, dass sich eventuell die Geschwister melden, die ihren Bruder oder ihre Schwester bei dem Amoklauf verloren haben. Da werden wir sicher auch Trauerbegleitungen anbieten“, sagt Dagmar Bojdunyk-Rack, Geschäftsführerin von Rainbows Österreich. Der Fokus des Vereins liegt sowohl in der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen nach einem Todesfall als auch nach einer Scheidung. Im Moment landen bei ihnen vor allem Anfragen von Pädagoginnen und Schulsozialarbeiterinnen, die um Rat bitten, wie sie mit den Kindern nach dem Amoklauf am besten umgehen sollen.

Dagmar Bojdunyk-Rack ist Geschäftsführerin von Rainbows Österreich
Dagmar Bojdunyk-Rack ist Geschäftsführerin von Rainbows Österreich © Kanizaj Marija

Beratung in einfacher Sprache

Haben Kinder aktuell Angst in die Schule zu gehen, kann es auch helfen, sie einmal zu begleiten oder abzuholen. „Wichtig ist, den Kindern klarzumachen, dass bei allem, was passiert ist, wir in einer sicheren Umgebung leben“, sagt Michaela Marl aus der Beratungsstelle von LebensGroß, die bereits seit 30 Jahren besteht. Eine Besonderheit: Da die Beratungsstelle ursprünglich für Menschen mit Behinderung entstanden ist, können alle Beraterinnen in einfacher Sprache beraten. Das sei auch für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund wichtig.

Zudem gibt es keine langen Wartezeiten, innerhalb einer Woche findet zumindest ein Erstgespräch statt. Während die Anfragen aktuell noch sehr stark in Richtung Einzelgespräche gehen, ist man flexibel und könnte zukünftig auch ein Gruppensetting anbieten, sollten mehrere Jugendliche das Bedürfnis äußern, sich begleitet mit anderen auszutauschen.

Michaela Marl ist in der Beratungsstelle von LebensGroß tätig
Michaela Marl ist in der Beratungsstelle von LebensGroß tätig © LebensGroß/Harry Schiffer

In der Trauerbegleitung bei Rainbows geht es hingegen zunächst einmal um den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Jugendlichen und der Trauerbegleiterin. Danach geht es daran, den Tod zu thematisieren und Worte dafür zu finden. In einem weiteren Schritt können die Kinder und Jugendlichen ihren Gefühlen Ausdruck verleihen – kreativ, mit Bewegung oder im Spiel. Zudem sollen sie lernen, den Fokus auf ihre Ressourcen zu legen.

Balance zwischen Trauer und regulärem Leben

Das können ganz banale Dinge wie Atemübungen oder Laufen sein. Bei alledem darf aber nie die Balance fehlen: „Das ist wie ein Ruderboot, ein Ruder ist die Trauer und eines das reguläre Leben, ich brauche beide, um mich nicht im Kreis zu drehen“, sagt Bojdunyk-Rack.