Er hält Milchkühe, baut Braugerste an, betreibt eine Forstwirtschaft – und eine E-Ladestation. Einen Hypercharger mit einer Ladeleistung von 150 kW um genau zu sein und somit eine HPC-Ladestation für Elektrofahrzeuge, die man meist an viel frequentierten Orten findet. Und nicht „mitten in der Pampa“, wie Matthias Enzinger lacht. Genau befindet sich seine Ladestation im Weißkirchner Ortsteil Wöllmerdorf, der gerade einmal um die 70 Einwohner zählt.

„Stolz darauf“

Wie es dazu gekommen ist? „Wir haben unsere Dächer mit Photovoltaikanlagen verbaut“, so Enzinger. Und man könne genug Strom produzieren, um diese Ladesäule zu betreiben. Nicht nur die eigenen Autos werden mit Strom versorgt, sondern jeder kann hier sein Auto aufladen: „Das war mein Ziel. Ich bin stolz darauf“, freut sich Enzinger über steigende Frequenz. Bis zu 20 Autos machen in Wöllmerdorf an guten Tagen schon einmal „Lade“-Station.

Carina, Philipp, Karin, Baby Jana, Matthias und Jonas Enzinger
Carina, Philipp, Karin, Baby Jana, Matthias und Jonas Enzinger © KLZ / Michaela Egger

Vier Generationen am Hof

Matthias Enzinger ist keiner, der stehenbleiben will. Sein Blick ist nach vorne gerichtet. Investitionen stehen auf der Tagesordnung, auch oder vor allem für die Familie. Auf dem Hof im steirischen Bezirk Murtal leben vier Generationen, darunter der kleine Enkelsohn Jonas, der jetzt schon weiß: „Ich will Bauer werden!“ Zusammenhalt wird großgeschrieben bei den Enzingers. Seit fast 35 Jahren führen Matthias und Karin den Betrieb, die beiden sind stolze Eltern von drei Kindern. Philipp und Carina werden eines Tages den Hof übernehmen.

„Nach vorne schauen, vergrößern, modernisieren, immer ein bisschen etwas richten“: Das war und bleibt Enzingers Weg auf unterschiedlichen Ebenen. Dazu gehört auch die Photovoltaikanlage. Neben der 600 kWp-Anlage auf den Dächern wurde noch ein 200 kWh-Speicher errichtet. Um den Gästen das Laden rund um die Uhr zu ermöglichen, kommt noch ein Trafo der Stadtwerke Judenburg ins Spiel: „Aus dem holen wir bei Bedarf auch grünen Strom heraus.“

„Plötzlich steht da ein Schnelllader“

Die Installation der Ladesäule sei gut gefördert gewesen. Reaktionen gebe es viele: „Das Interesse ist groß“, erzählt Enzinger, der über sein Projekt gerne Auskunft gibt. Im Internet liest man Rezensionen wie: „Man fährt die Straße entlang und glaubt hier sind nur noch Bauernhof und Sackgasse. Plötzlich steht da ein Schnelllader.“

Für die Umsetzung hat Enzinger eine eigene Firma gegründet und Partnerfirmen ins Boot geholt. „Da braucht es schon Profis“, so der Landwirt. Gerade am Anfang war die ganze Familie extrem neugierig: Kommt überhaupt wer? Und wer kommt? Mittlerweile ist man es gewohnt, dass Autos aus ganz Österreich und darüber hinaus Richtung Hof abbiegen. Enzinger kann sich die Ladekurven seiner Kundinnen und Kunden genau ansehen: „Es sind Autos dabei, die kommen mit einem Prozent Akku daher. Das ist unvorstellbar.“

Enzinger erzählt im Video über sein Projekt

Getränke und Snacks

Nicht unvorstellbar ist, dass die Ladestation noch ausgebaut wird. Ein Dach ist bereits in Vorbereitung, ein Getränke- und Snackautomat sind ebenfalls in Planung. Und wer weiß, vielleicht kommt eines Tages eine weitere Ladesäule hinzu. Die Autoinsassen nutzen die Gelegenheit gerne, um während des Ladens einen Spaziergang zu machen. Vor allem Städter würden sich freuen, da sie selten so nah an einen landwirtschaftlichen Betrieb gekommen sind. „Da werden wir schon einmal gefragt, ob man die Milch von den Kühen auch trinken kann“, lacht der Landwirt.