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Hüsler-Studie für Graz"Die Straßenbahn ist zukunftsfit, die Metro hat Defizite"

Die Verkehrsplanung Graz legt Straßenbahn-Stresstest vor. Der Schweizer Studienautor schlägt ergänzend einen S-Bahn-Tunnel vor, die U-Bahn will er noch analysieren.

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Verkehrsplaner Willi Hüsler orientiert sich bei den Planungen für Graz an Vorbild-Städten Zürich und Bern
Verkehrsplaner Willi Hüsler orientiert sich bei den Planungen für Graz an Vorbild-Städten Zürich und Bern © Hecke
 

Lange erwartet, aber noch nicht ganz fertig, haben die Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ) und die städtische Verkehrsplanung Graz am heutigen Mittwoch einen Zwischenbericht der großen Öffi-Studie vorgestellt, die im Vorjahr in Auftrag gegeben worden ist. Das Fazit: Die Tram habe als System den Stresstest für die Zukunft bestanden und noch viel Luft nach oben, auch die S-Bahn könnte den grenzüberschreitenden Verkehr noch viel besser bedienen.

Die Varianten für die S-Bahn-Offensive reichen von einer Verdichtung des innerstädtischen Angebots um 11 Haltestellen bis zu zwei Szenarien für eine Tunnelführungen der Schiene vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof, die auch das Zentrum - oder sogar Uni, LKH und Wirtschaftskammer anschließen.

Die Tram-Perspektive

Das Fazit der Studie von Peter König (Prime Mobility) und Willi Hüsler (IBV Zürich): Setzt die Stadt das Ausbauprogramm 2024+ um - dazu zählen die Linien Südwest (Webling) und Nordwest (Gösting) unter Anbindung von Gries- und Lendplatz, sowie die Linie 2 vom Hauptbahnhof über Geidorf und Uni zum LKH  - gibt es erhebliches Potenzial. Schafft die Stadt zusätzlich noch längere Garnituren an (36 statt 27 Metern) läge das Potenzial für die Kapazitätserhöhung sogar bei 100 Prozent. Die Innenstadtentflechtung und die Linien zur Smart City und Reininghaus sind ja bis 2024 schon realisiert. Die Tram könne auch in Zukunft die wachsende Stadt großflächig erschließen und für rund 190.000 Einwohner eine Haltestelle im 300-Meter-Umkreis bieten.

Die S-Bahn-Pläne

Die zweite Chance für Graz, die Hüsler herausstreicht: Die S-Bahn könnte bei der Einbindung des Umlandes Großes leisten. Das Beispiel Zürich, wo die S-Bahn forciert und über zwei städtische Tunnel stärker ans Zentrum angebunden und besser mit der Tram verknüpft worden ist, zeigt das Potenzial. Dort hatte die S-Bahn im Jahr 2000 rund 160.000 tägliche Fahrgäste und 2019 bereits 514.000.

Beim Modal-Split, dem Mix der Mobilitätsnutzungen in der Stadt - ist der Anteil der mit den Öffis zurückgelegten Wege von 30 Prozent auf 41 Prozent angestiegen, der Autoanteil ist von 40 auf 25 Prozent gesunken.

Die Defizite der Metro

Die U-Bahn-Pläne haben die Experten nicht bewertet, sich aber natürlich angesehen, sagt Hüsler: "Wir werden das jetzt auch noch genau analysieren." Schon jetzt aber geben ihm gewisse Defizite zu denken: "Die Metro nach diesem Konzept kann Graz niemals so großflächig erschließen, wie die Tram. Da gibt es große Lücken im Stadtgebiet." Der zweite Haken: Für die Haltestellen der Metro ist der Einzugsbereich mit 600 Metern angesetzt, statt den 300 Metern bei der Straßenbahn. "Und bei dieser Distanz verliert man schon sehr viele Nutzer, die diese Distanz nicht gehen können oder wollen", sagt Hüsler.

Alle Detailzahlen und Bewertungen gibt es im Herbst

Die Bewertungen aller Varianten wird das Expertenteam im Spätherbst vorlegen. Für Verkehrsstadträtin Elke Kahr ist klar, dass damit eine politische Mehrheitsfindung für eine große Verkehrslösung noch länger brauchen wird müssen. Sie verhehlt auch nicht, "dass für mich, aber auch für die KPÖ die Straßenbahn und die S-Bahn die Antwort auf die Zukunftsfragen ist und nicht eine U-Bahn."

Grüne und Neos sehen sich bestätigt

Grünen-Klubchef Karl Dreisiebner zieht klare Schlüsse aus der Studie: "Das heute im Ausschuss für Verkehr präsentierte Modell des Schweizer Verkehrsplaners Willi Hüsler bestätigt die Konzepte all jener, die auf den Ausbau der S-Bahn kombiniert mit einem beschleunigten Ausbau des Straßenbahnnetzes setzen." Was die Grünen mit dem S-Bahn-Ring ja tun. “Am City-Tunnel für die S-Bahn führt kein Weg vorbei, möchte man das beste Kosten-Nutzen-Projekt realisieren”, sieht sich auch Neos-Gemeinderätin Sabine Reininghaus durch den Schweizer Verkehrsexperten bestätigt.

Kommentare (9)
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Hr.Professor
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Die Abstände der unterirdischen Bahnhöfe :

S-Bahnhöfe brauchen wahrscheinlich noch längere Bahnsteige als U-Bahnhöfe. Daher sollte man ihre Anzahl sorgfältig abwägen, auch wegen der Kosten.

Beim kurzen Innenstadttunnel ( Hüsler ) erscheint mir aber die einzige Station "Zentrum" als zu wenig.
Am besten wäre Hbhf. - Lendplatz - Jakominiplatz . - Messe - Ostbhf.

Zum Vergleich : Die Stationen der Berliner S-Bahn im Bereich zwischen Friedrichstraße u. Anhalter Bahnhof liegen nur 600 - 800m auseinander.

Hr.Professor
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Auf jeden sollte der kurze S-Bahn Innenstadttunnelder Favorit sein ...

als direkte Ost - Westverbindung Gleisdorf - Köflach .

Moveit
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Ja, aber die Uni und das LKH auszulassen, wäre auch ein Fehler

Immerhin gilt vor allem das LKH als einer der größten Verkehrserreger in Graz. Es sollten beide Varianten geprüft werden. Natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle.

Hr.Professor
0
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das grosse Verkehrsaufkommen um das LKH und die UNI

müssen die Verkehrsexperten rechnen. Zukünftig sollen ja zwei Straßenbahnlinien zum LKH fahren.

Zum kurzen Innenstadttunnel Hbhf. - Ostbhf. würde bei Erfordernis auch eine S-Bahn Stichlinie vom Lendplatz geradeaus unter dem Schloßberg hindurch zur UNI - ( Reiterkaserne ? ) - LKH passen.

Church-Hill
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Das einzige Defizit der U-Bahn ist,

dass sie noch nicht existiert.

Moveit
0
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Nein, da gibt es genug andere Defizite

1. Die Metrolinie M2 verläuft fast zur Gänze entlang geplanter Straßenbahntrassen, die in einem Bruchteil der Zeit und zu einem Bruchteil der Kosten errichtet werden könnten.

2. Alle Endstationen der Metro liegen im Stadtgebiet. Für Einpendler bedeutet das wieder: Umsteigen.

3. Um 3,3 Mrd. Euro könnte man den S-Bahn-Tunnel und mindestens 100 km Straßenbahn bauen.

und und und...

Hosemann
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S-Bahn Tunnel + Straßenbahnausbau

Leistbar, setzt auf bestehende Systeme und bindet auch vernünftig das Umland ein. Eindeutig die smarteste Verkehrslösung!

stprei
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UBahn

Der S-Bahntunnel ist auch ein Tunnel der unter der Stadt gebohrt werden muss und (nach dem was man bisher mitbekommen hat) noch aufwändiger als die U-Bahn.

Das Umland wird in beiden Konzepten nur über die S-Bahn eingebunden.

Gerade von den S-Bahn-Umsteigepunkten weg fehlt ein leistungsfähiges Transportsystem.

Die Bim ist - gerade für längere Strecken in Graz - langsam und zu Spitzenzeiten überlastet.

Der Bim-Ausbau kommt ja trotzdem.

Moveit
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Die S-Bahn-Stammstrecke bietet umsteigefreie Verbindungen aus der ganzen Steiermark

...ins Grazer Zentrum. Die Metro fährt nur in der Innenstadt und das weitgehend auf Strecken, wo entweder eine Straßenbahn fährt oder eine geplant ist. Und wie Hüsler ja festgestellt hat, lässt sich die Kapazität der Tram in Graz noch verdoppeln. Da ist also viel Luft nach oben. Und ob der Bimausbau trotzdem kommt, darf angezweifelt werden. Da ist die Metro-Studie der MUM auch sehr deutlich: ein Gebiet mit Straßenbahn und Metro parallel zu bedienen lohnt sich in Graz nicht.