Eine Holzeisenbahn, viele Bilderbücher – dass in der kleinen Wohnung Kinder aus- und eingehen ist unübersehbar. In Begleitung einer Tagesmutter kommen sie im praktischen Bollerwagen gerade vom Spielplatz zurück. „Ich kann von meinem Bürofenster aus in den Garten schauen, wo die Kinder oft spielen. Das ist ein gutes Gefühl“, erzählt Theresa Leeb.
Leeb ist in der Steuerberatungskanzlei Grazer Treuhand in der Petersgasse für das Personal- und Prozessmanagement zuständig. Ihre eineinhalbjährigen Zwillinge werden im Nachbargebäude von einer Betriebstagesmutter betreut. Insgesamt fünf Kinder hat diese zu unterschiedlichen Zeiten unter ihren Fittichen, vier davon haben einen Elternteil, der im Unternehmen arbeitet. „Die Lösung ist flexibel. Wir können die Betreuungszeiten rasch anpassen“, unterstreicht Stefanie Schlögl, die als Partnerin im Unternehmen tätig ist.
Mitarbeiterbindung und Wettbewerbsvorteil
Was die beiden jungen Frauen schätzen, hat der Kanzlei bereits den Landespreis als familienfreundlichster Betrieb der Steiermark in der Kategorie 20 bis 100 Mitarbeiter eingebracht. Seit 2023 setzt das Unternehmen, das am Standort Graz rund 50 Beschäftigte hat, auf eine eigene Tagesmutter. „Der Vorteil des Modells liegt darin, dass qualifizierte Fachkräfte schnell wieder in den Betrieb zurückkehren“, bricht Leeb eine Lanze für das Modell, das man auch als Vorteil im Wettbewerb um die besten Köpfe versteht.
Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen hat sich verschärft
„Das Modell wäre in viel mehr Unternehmen möglich, aber viele wissen nicht, wie sie das angehen sollen“, ist sich Leeb sicher. Auch der Grazer Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) möchte diese Form der Kinderbetreuung stärker vor den Vorhang holen. Die Uni Graz oder XAL setzen bereits darauf, weitere Firmen möchte er dafür gewinnen – nicht zuletzt, weil sich die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen in der Stadt verschärft hat. „Graz wächst, der Versorgungsgrad bei den Betreuungsplätzen ist in Graz zuletzt leider gesunken“, bedauert Hohensinner. Beigetragen haben dazu die vom Land vorgegebene Senkung der Gruppengrößen ebenso wie knappe Budgets.
Ansprechpartner für Unternehmen
Was wenig bekannt ist: Der Aufwand, Betriebstageseltern zu installieren, ist überschaubar. „Im Mai kam die Anfrage von der Steuerberatung Grazer Treuhand, im September konnten wir starten“, erinnert sich Daniela Wohlmuth. Sie ist Geschäftsführerin vom Verein Tagesmütter*väter Steiermark, der Betriebe bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung unterstützt, bei Behördenschritten, der Auswahl einer Tagesmutter und der Vermittlung der Betreuungsplätze. „Es braucht zumindest zwei firmeninterne Kinder, ergänzend können externe Kinder aufgenommen werden. Die Lösung bietet sich also auch für kleinere Unternehmen an“, unterstreicht Wohlmuth. Für die Berechnung der einkommensabhängigen Elternbeiträge wird die Sozialstaffel herangezogen, die generell im Kinderbetreuungsbereich gilt.