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Ärzte zur Kassenreform"Regierung irrt: Diese Reform bringt nicht mehr Zeit für Patienten"

Die Zusammenlegung der Krankenkassen erspare den Ärzten viel Verwaltungsaufwand. So bleibe mehr Zeit für Patienten, sagt die Gesundheitsministerin. Der steirische Kurien-Vizeobmann der niedergelassenen Ärzte, Christoph Schweighofer, widerspricht vehement.

Mehr Zeit für Patienten? Nicht durch die Kassenreform, sagen niedergelassene Ärzte.
Mehr Zeit für Patienten? Nicht durch die Kassenreform, sagen niedergelassene Ärzte. © Gina Sanders - Fotolia
 

Es war eine der Kernaussagen in der gestrigen Präsentation der Kassenreform durch die Regierungsspitze mit Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und  Vize Heinz-Christian Strache sowie Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (beide FPÖ): Da man aus 21 Kassen fünf mache, falle in den Ordinationen ein immenser Verwaltungsaufwand bei der Abrechnung der Leistungen weg. Damit bleibe mehr Zeit für die Patienten und man könne Öffnungszeiten ausweiten, hieß es sinngemäß.

Der stellvertretende Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der Steiermark, Christoph Schweighofer, widerspricht dieser Darstellung vehement: "Die Regierung zeichnet hier ein Bild unserer Praxen, das aus dem vorigen Jahrhundert stammt." In der Realität stecke man die E-Card ins Lesegerät, die Software erkennt die Kasse, die Leistungsabrechnung erfolge monatlich, oder eben im Quartal über die EDV automatisch: "Mit einem Knopfdruck mache ich dann die Abrechnung, die über eine sichere Datenleitung direkt an die jeweiligen Kassen übermittelt wird und dort erledigt wird."

Christoph Schweighofer, Vize-Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte
Christoph Schweighofer, Vize-Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte Foto © Ärztekammer Steiermark

Die Abrechnung erfolge auch jetzt schon nur über vier Kassen: "Weil die meisten Abrechnungen schon jetzt über die steirische GKK abgewickelt werden." Die gewerbliche Wirtschaft, die PVA und die Eisenbahner-Versicherung seien die drei anderen Träger, mit denen ein Arzt - dank EDV - quasi automatisch abrechne. "Also gibt es hier keine Erleichterung, die mehr Zeit für Patienten zur Folge haben könnte", sagt Schweighofer.

Positiv: Prämien gegen Landärztemangel

Prinzipiell stehe man einer Zusammenlegung und Reform des Kassensystems natürlich positiv gegenüber, betont der Allgemeinmediziner mit Praxis in Kapfenberg: "Auch ein Prämiensystem, dass Mediziner motivieren soll auch in entlegenen Gegenden eine Praxis zu eröffnen, kann im Kampf gegen den Landärztemangel funktionieren." In Ostdeutschland habe ein Prämiensystem Erfolg gehabt.

Doch eigentlich gehe es vor allem darum, die Rahmenbedingungen für Allgemeinmediziner zu verbessern, damit der Beruf wieder attraktiv werde: "Man muss erstens den Leistungskatalog anpassen und uns auch etwa ein EKG oder ein Bauch-Ultraschall im Kassenvertrag erlauben. Diese Ärzte kommen aus dem Turnus und haben Spitzenmedizin gesehen, dürfen aber dann in der Ordination ein Drittel von dem, was sie können, nicht anbieten."

Forderung: "Keine Verpflichtung mehr zu Wochenenddiensten"

Das könne man im Zuge der notwendigen Vereinheitlichung der Leistungskataloge gleich erledigen. Auch sei es an der Zeit die Dienstverpflichtungen für Wochenend- und Feiertagsdienste abzuschaffen - und diese Notversorgung anders, etwa über einen Ärztepool, zu organisieren. Schweighofer: "Bei mir in Kapfenberg sind wir 13 Ärzte, die diese Dienste im Radl erledigen, dadurch kommt man nur einen Tag im Monat dran, aber Kollegen in Regionen mit weniger Ärztedichte kommen jedes zweite oder dritte Wochenende dran. Das hält viele Junge davon ab, sich in den niedergelassenen Bereich zu begeben.

Auch müsse endlich mehr Flexibilität ins System kommen: "Es muss möglich sein, geteilte Ordinationen zu führen, es braucht Job-Sharing, geteilte Kassenverträge und angepasste Honorare, damit wir den Ärztemangel in den Griff bekommen."

Kommentare (1)

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SoundofThunder
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Nur ein Vorschlag

Wenn die Regierung dafür sorgen würde dass es endlich mehrere Ärzte gibt sodass man nicht mehrere Tage (auch Wochen!) sich vorher einen Termin ausmacht und trotzdem Stundenlang im Wartesaal warten muss wäre eine gute Reform. Alles andere ist Müll! Bildet endlich genügend Ärzte aus (Denkt an die bevorstehende Pensionswelle!) und sorgt dafür das die Landflucht der Ärzte in die Großstädte endet. Hört mit der Chefarztpflicht für manche Medikamente auf und lässt den Ärzten etwas Spielraum. Kein Arzt will sich ständig bei der GKK rechtfertigen müssen nur weil er einem Patienten ein Original Medikament statt einer Generika verschrieben hat.

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