Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in der Südsteiermark sind voll im Gange – und die nächste schlechte Nachricht tauchte auf: Am Mittwochnachmittag regnete es bereits wieder in der ganzen südlichen Steiermark. Die Prognosen prophezeiten ursprünglich für den Nachmittag eine Besserung, leider scheint diese aber erst ab Freitag einzusetzen.
"Mengenmäßig ist es nicht so viel, die Gewitter verlagern sich mehr Richtung Ungarn und ins Burgenland", heißt es bei der Geosphere-Austria-Zentrale gegen 16.15 Uhr. Regenschauer werden aber länger durchziehen, eben auch in der südlichen Steiermark. "In der letzten Stunde waren es so ein, zwei Liter Regen, was normal kein Thema ist, aber die Südsteiermark hat ja die Vorgeschichte der letzten Tage", so die Auskunft bei der Geosphere. Ursprünglich waren die Prognosen ganz anders gewesen. "Zum Glück regnete es nicht so viel wie befürchtet", so Harald Eitner, Leiter des Katastrophenschutzes in der Steiermark. "Wir hatten eben einen Rundruf. Nur in Mureck hat es geregnet, sonst hat es nur genieselt".
"Wir sehen der Prognose mit großer Sorge entgegen", musste er noch am Vormittag sagen. "Zum Teil steht das Wasser ja noch." Alle Behörden hatte man bereits gewarnt, die Einsatzkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Zwar sollte es nicht viel regnen, etwa 25 Millimeter pro Quadratmeter waren vorausgesagt, doch der Boden ist vom Hochwasser so übersättigt, dass jeder Regen zu viel ist. Erneut könnte es also lokal zu Überschwemmungen kommen. Auch weitere Hangrutschungen befürchtet Eitner. "Die Gefahr ist nicht vollständig gebannt, Rutschungen können bis zu 14 Tage später noch auftreten."
Der Zivilschutzverband hat Tipps zum Schutz vor Hochwasser für jede Einzelne und jeden Einzelnen parat: https://stzsv.at/selbstschutz-hochwasser.html. Das Kriseninterventionsteam unterstützt Hochwasseropfer unter 0 800 500 154.
Pflegeheim noch mal evakuiert
Das am Wochenende schon einmal evakuierte Pflegeheim in Kaindorf an der Sulm musste abermals evakuiert werden, da das Grundwasser wieder in den Keller eindrang und die dort installierten Maschinen für den Betrieb des Heims nicht aktiviert werden können. Rund 25 Bewohnerinnen und Bewohner sind betroffen.
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen berichtete auf Twitter, sie habe sich bei Bundeskanzler Karl Nehmanner (ÖVP) über die Lage in den Kärntner und steirischen Katastrophengebieten informiert. "Respekt vor den betroffenen Menschen und den nimmermüden Rettungskräften. Und ein großer Dank an Österreich für Hilfsangebote an seine ebenfalls betroffenen Nachbarn. Das ist europäische Solidarität!"
Das Ausmaß des Schadens zeigt sich in den Bildern eines Social-Media-Nutzers:
Wetterprognose
Auch am Donnerstag soll es noch einzelne Regenschauer geben. Denn: "Wir befinden uns im Randbereich zwischen einem Hoch über Spanien bis Italien und einem Tief über Skandinavien", erklärt Wölfelmaier.
Spätestens Donnerstagabend sollte sich die Lage aber beruhigen. Dann stehen mit Freitag, Samstag und Sonntag stabilere Tage mit Sonne am Programm. Man kann mit einem "Comeback des Sommers" rechnen. Die Temperaturen steigen auf 30 Grad und leicht darüber.
Neue Ausrüstung für die Feuerwehr
Generell am steirischen System des Katastrophenschutzes möchte Harald Eitner nichts ändern, "das hat wunderbar geklappt". Allerdings arbeitet man daran, die Feuerwehren besser auszurüsten. Spezialgeräte wie Teleskoplader mit Greifarmen und Rollcontainer sollen bald da sein. "Da sind die Beschaffungen im Gange", sagt Eitner.
Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfried sprach unlängst im Interview mit der Kleinen Zeitung über die laufende Ausrüstungsoffensive bei den steirischen Feuerwehren: "Wir haben über die letzten fünf Jahre in der ganzen Steiermark Gerätschaften und Fahrzeuge angekauft, um bei solchen Großschadensereignissen besser gerüstet zu sein. Es hat sich natürlich im Laufe der Jahre auch jede Feuerwehr selbst etwas zugekauft, aber wir schauen, dass wir jetzt ein Konzept über die ganze Steiermark drüber ziehen. Das hat sich bisher gut bewährt. Noch ist nicht alles da, die letzten Auslieferungen sind noch bis Ende des Jahres im Gange. Auch darüber hinaus müssen wir noch mehr Ausrüstung besorgen. Die Mannschaften sind ja da, darüber sind wir alle froh, aber wir müssen auch schauen, dass wir die entsprechende Ausrüstung für solche Unwetterereignisse zur Verfügung stellen."
Probleme bei Wasserversorgung
Zwar sind die Wasserleitungen alle intakt, doch nach wie vor gibt es Probleme bei der Wasserversorgung in einzelnen Orten in der Steiermark. Es handelt sich zum Beispiel um die vier Katastralgemeinden in der Gemeinde Straß (Lichendorf, Oberschwarza, Unterschwarza und Weitersfeld an der Mur). Dort werden die Bewohner nämlich normalerweise mithilfe von Hausbrunnen versorgt. Das Hochwasser vom Wochenende hat das Grundwasser verunreinigt, Heizöl und Oberflächenwasser hat sich mit dem Wasser in den Hausbrunnen vermischt. Statt auf Wasser aus der Leitung ist die Bevölkerung auf abgefülltes Trinkwasser angewiesen. Allein in Lichendorf sind 65 Haushalte betroffen. Neben den vier Ortschaften sind auch weitere Haushalte in der Steiermark von abgeschnittener Wasserversorgung betroffen, da geht es laut Eitner aber "um vereinzelte Fälle".
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Große Spendensumme
Das ganze Ausmaß des Schadens wird wohl erst Ende nächster Woche feststehen, heißt es vom Land Steiermark. Unzählige Steirerinnen und Steirer sind betroffen, haben große Schäden an ihrem Hab und Gut zu beklagen oder sogar alles verloren.
Unterstützung kommt aus dem ganzen Land und gibt Hoffnung darauf, dass vieles geht und sich zum Guten wenden kann, wenn Menschen zusammenhelfen: Innerhalb von drei Tagen sind 185.000 Euro an Spenden bei "Steirer helfen Steirern" zusammengekommen für jene Menschen, die vom Hochwasser betroffen sind.
Damit ist die Unterstützung der Leserinnen und Leser der Kleinen Zeitung für die Betroffenen der Naturkatastrophen in der Südoststeiermark schon jetzt riesengroß. Das Ergebnis ist ein mehr als deutliches Zeichen dafür, dass auch in so dunklen Stunden der soziale Gedanke nicht verloren geht.
Seitdem die Kleine Zeitung im Rahmen der Hilfsaktion "Steirer helfen Steirern" zu Spenden aufgerufen hat, haben sich zahlreiche Steirerinnen und Steirer gemeldet und gespendet.
Betroffene können sich melden
Das Team von "Steirer helfen Steirern" steht rund ums Jahr Menschen in Not mit Rat und Hilfe zur Seite. Rund ums Jahr und auch jetzt, nach diesem Extremwetterereignis.
Betroffene können sich ab sofort bei "Steirer helfen Steirern" melden. Voraussetzungen für eine Unterstützung im Rahmen der Hochwasserhilfe sind ein unmittelbarer Schaden durch das Naturereignis Hochwasser und Wohnsitz in der Steiermark. Wenden kann man sich entweder an steirerhelfen@kleinezeitung.at oder an die Telefonnummer (0316) 875 1391.
Gleichzeitig werden Spenden für die von den Wassermassen gebeutelten Landsleute erbeten – Details dazu finden Sie in der folgenden Infobox. Die Kleine Zeitung möchte sich heute bei all jenen bedanken, die helfen und ihre Großzügigkeit zeigen. Gemeinsam kann so schnell so viel erreicht werden – wie die aktuelle Spendensumme zeigt.