Der letzte Versuch war im Herbst 2024 im Sand verlaufen. Der Entwurf für das Erneuerbare Gas Gesetz (EGG) der damaligen türkis-grünen Bundesregierung lag seit Monaten vor, wurde mehrfach angepasst, scheiterte am Ende aber doch an der Zweidrittelmehrheit im Nationalrat sowie auch an der massiven Kritik von Wirtschaft und Industrie innerhalb der ÖVP. Jetzt startet die schwarz-rot-pinke Regierung einen neuen Anlauf, doch für die Betreiber der heimischen Biogasanlagen drängt die Zeit.

Worum geht es? Zur Erreichung der Klimaziele hat Österreich gegenüber Brüssel zugesagt, bis 2030 knapp zehn Prozent seines Erdgasverbedarfs mit grünem Gas abzudecken. Ein Teil davon soll aus jenen heimischen Biogasanlagen kommen, die im Nahbereich der Erdgasleitungen liegen. Sie sollen künftig das produzierte Biogas nicht weiter zur Stromgewinnung verbrennen, sondern zu Biomethan aufbereiten und in die Leitungen einspeisen. 20 der insgesamt 37 steirischen Biogasanlagen bzw. 47 der bundesweit 260 Anlagen sollen mit Millionenbeträgen umgerüstet, weitere 50 sollen neu gebaut werden.

Warum die Zeit beim Biomethan drängt

Voraussetzung dafür ist allerdings das entsprechende Gesetz, das den Produzenten eine Abgeltung des (teureren) Biomethans garantiert und das die Regierungsparteien derzeit verhandeln. Vorgesehen ist im Gesetzesentwurf von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) ein Marktprämiensystem wie es etwa auch für die Förderung der Windkraft existiert. Ein Ansatz mit dem die Biogasbetreiber leben könnten, sagt Sprecher Hannes Hauptmann. „Allerdings brauchen wir rasch eine Lösung, weil die betroffenen Anlagen sonst bald ohne Fördergrundlage dastehen.“

Hannes Hauptmann vor einem Luftbild seiner Biogasanlage
Branchensprecher Hannes Hauptmann betreibt eine Biogasanlage in Bad Blumau © Montage: Privat

Hintergrund: Nachdem das Gesetz unter der letzten Regierung gescheitert war, wurde für die betroffenen Biogasanlagen eine 18-monatige Übergangsregelung geschaffen, damit die Betreiber vorerst die Stromproduktion weiter abgegolten bekommen. „Diese Frist läuft bald aus, betroffen ist auch meine eigene Anlage in Bad Blumau“, sagt Hauptmann.

Mehr als eine Milliarde Euro Investment ins Biogas

Zum Nulltarif gibt es die Umstellung freilich nicht. Hauptmann rechnet für die Umrüstung mit einem Investitionsbedarf von mindestens 3 bis 5 Millionen Euro pro Anlage. Inklusive der 50 neu zu bauenden Biogasanlagen sei von einem bundesweiten Gesamtinvestment von rund 1,5 Milliarden Euro auszugehen, 200 Millionen davon in der Steiermark. Im Gegenzug könnten die Anlagen dann ab 2030 jährlich 3 TWh grünes Gas in die Netze bringen. Die Abgeltung über die Marktprämie würde sich laut Hauptmann auf jährlich rund 300 Millionen Euro belaufen.

Alles andere als ein Pappenstiel in Zeiten angespannter Finanzen. „Das investierte Geld bleibt dann aber in Österreich und fließt nicht wie beim Erdgaskauf nach Russland und anderswohin ab“, argumentiert Christian Metschina, Leiter des Energiereferats der steirischen Landwirtschaftskammer. Zwar sei es nicht realistisch, mit den Biogasanlagen den gesamten Erdgasbedarf zu ersetzen. „Aber es wäre fahrlässig, das vorhandene Potenzial nicht zu nutzen“, sagt Metschina.