Elf Millionen Euro forderte der Kaufhaus-Erpresser, der im Jahr 2017 den Bodenseeraum unsicher machte, indem er Produkte sabotierte, darunter – Babybrei. Statt Millionen am Konto gab es für ihn zwölfeinhalb Jahre Haft. Der Fall ist einer von vielen. Produkte von Unternehmen zu sabotieren, um Geld zu erpressen – das ist nicht neu.
Dagobert: Rücksichtslos und schlau
Der bekannteste aller Kaufhauserpresser ist aber Arno Funke, die meisten werden ihn als „Dagobert“ kennen. Zu seinem Spitznamen kam er, als 1992 beim Versuch, Karstadt zu erpressen, die Bereitschaft, zu bezahlen, in einer Annonce mit dem Text „Dagobert grüßt seine Neffen“ signalisiert werden sollte. 1988 hatte er bereits 500.000 DM vom KaDeWe (Kaufhaus des Westens) erpresst – mit einer detonierten Bombe.
Von 1992 bis 1994 erpresste er Karstadt mit Bomben, Brandbomben und einer sabotierten Sprinkleranlage. Populär wurde Dagobert durch ausgeklügelte Geldübergaben, bei denen es ihm immer wieder gelang, der Polizei zu entkommen – bis die Sonderkommission Dagobert ihn schließlich ausforschte und festnahm. Letztlich wurde der hochintelligente (IQ 145), aber erfolglose Grafiker wegen „schwerer räuberischer Erpressung“ zu neun Jahren Haft verurteilt. Heute arbeitet er wieder als Grafiker, Karikaturist und Autor und genießt gelegentliche Medien-Auftritte.
Produkterpressung gilt als Nachahmungsdelikt: Viele ließen sich von Dagobert und der Berichterstattung über bekannte Nachfolger inspirieren. Schätzungen gehen von jährlich 50 bis 400 Fällen allein in Deutschland aus, ohne große Öffentlichkeit. Der Zahltag kommt für die meisten: Nur drei Prozent der Erpressungen enden erfolgreich für den Täter. Großer Schwachpunkt ist – auch in Zeiten verschleierte Geldtransfers – die Geldübergabe. Und die Gerichte geben bei vergifteten Lebensmitteln keinen Rabatt.