Im Gänsemarsch, los! Für den Prozessionsspinner ist sein Name Programm: Zwischen Februar und Mai sind die Raupen des Nachtfalters auf Wanderschaft. In kettenartigen Reihen, die an eine Prozession erinnern, sind die drei bis fünf Zentimeter langen Tierchen unterwegs. In Bäumen bauen sie ihre haarigen Nester (Gespinste). Aktuell findet man fast täglich in sozialen Netzwerken Warnungen vor dem Pinienprozessionsspinner. Diese stammen aus Mittelmeer-Ländern wie Italien, Spanien oder Albanien. Doch die Art befindet sich laut Experten auf Expansionskurs. Und fühlt sich mittlerweile auch in Kärnten ziemlich wohl.

Eine Folge des Klimawandels? „Eindeutig ja“, sagt Gernot Hoch vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) in Wien. Denn die Raupen des Prozessionsspinners gehen in den Wintermonaten in kein Ruhestadium. Sie sind darauf angewiesen, dass es ausreichend Phasen gibt, wo die Temperaturen hoch genug sind, damit sie fressen können. Hoch: „Erst die höheren Wintertemperaturen nach 2000 ermöglichen den Raupen, sich über den Winter hindurch zu entwickeln.“

Gernot Hoch vom Institut für Waldschutz beim BFW
Gernot Hoch vom Institut für Waldschutz beim BFW © Privat

Keine Überraschung

Seit etwa zehn Jahren ist eine Population an der Dobratsch-Südseite fest etabliert. Im Winter 2016/2017 wurde dort in der Schütt die erste Massenvermehrung mit Fraßschäden festgestellt. Zuvor gab es laut Hoch nur einzelne Funde von Faltern, etwa im Lesachtal und im Drautal. Der Experte ist sich sicher: Mit einer weiteren Verbreitung in Kärnten ist zu rechnen: „Die steigenden Temperaturen werden weitere Gebiete für eine dauerhafte Ansiedelung geeignet machen.“ Auch im benachbarten Friaul breitet sich der Pinienprozessionsspinner aus. Das Auftreten in Österreich sei daher nicht überraschend gekommen.

Die Raupen befallen verschiedene Kiefernarten. Aber auch die Nadeln von Zeder oder Douglasie werden nicht verschmäht. Hoch: „Bei uns bevorzugt der Pinienprozessionsspinner die Schwarzkiefer gegenüber der Weißkiefer.“ Die Fraßschäden würden, so der Experte, nur in seltenen Fällen zum Absterben der Bäume führen. Problematischer als die Wirkung auf den Wald sei die Wirkung der Raupen auf Menschen und Haustiere.

Das Nest eines Pinienprozessionsspinners
Das Nest eines Pinienprozessionsspinners © G. Hoch

Juckreiz, Ausschlag, asthmatische Anfälle

Egal ob Pinien-, Eichen- oder Kiefernprozessionsspinner - die Raupen aller drei Arten, welche nahe verwandt sind, besitzen winzige Gifthaare. Diese können laut Hoch auch aktiv abgegeben werden: „Bei Kontakt führen sie zu massivem Juckreiz, Hautausschlägen, Augenentzündungen bis hin zu asthmatischen Anfällen.“ Bei Spaziergängen im Frühjahr, wenn die Raupen ihre Prozessionen bilden, sollte man daher in betroffenen Gebieten vor allem auf Kinder und Hunde achtgeben. Auch herabfallende Nester sollte man keinesfalls angreifen.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter und in Europa weit verbreitet
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter und in Europa weit verbreitet © IMAGO/W. Willner