Was hilft es einem, wenn man in Doha in der feinen Kabine eines Kreuzfahrtschiffes residiert, wenn man darin gleichsam „gefangen“ ist? Wenn an einem Tag vor dem Bullauge drei Kriegsschiffe in den Hafen einfahren, man Raketeneinschläge hört und zittert, ob nicht auch das eigene Schiff im Krieg getroffen wird? Für das Kalsdorfer Ehepaar Anita und Rene Oblak war die Magie der Kreuzfahrt zum Zauber des Orients mit Ende Februar vorbei: „Wir sind noch mit dem Flieger gestartet, aber dann nach Doha umgekehrt und zurück zum Schiff gebracht worden.“

Israel und die USA hatten die Angriffe auf den Iran gestartet, der Luftraum wurde gesperrt, Teheran antwortete mit Raketenangriffen in der Golfregion. Die Oblaks saßen tagelang fest und fühlten sich vom Außenministerium einigermaßen im Stich gelassen: „Wir haben uns beim Außenamt sofort registriert, aber lange nichts gehört.“ Schließlich habe es drei Mal eine E-Mail gegeben, man könne vor der italienischen Botschaft in einen Bus nach Riad einsteigen und von dort retour: „Doch das kam immer so kurzfristig, dass wir das organisatorisch in so wenig Zeit nicht geschafft haben.“ Gegen Mitte der letzten Woche haben sie die Rückkehr über den Reiseveranstalter doch noch geschafft. „Wir möchten TUI ausdrücklich lobend erwähnen, man hat sich vorbildlich um uns gekümmert“, ist das Paar erleichtert.

Das Ehepaar Oblak freute sich zunächst noch über den Zauber des Orients
Das Ehepaar Oblak freute sich zunächst noch über den Zauber des Orients © privat

Elf Tage wegen Krieg in Indien festgesessen

Doch nicht nur Steirer direkt im Kriegsgebiet strandeten in ihrem Urlaub. Hannes (74) und Karin Moscher (54) aus Leoben hingen nach zwei Wochen Kulturreise in Indien gleich elf weitere Tage in einem Hotel an der Peripherie von Delhi fest und fühlten sich auch einigermaßen alleingelassen: „Die Informationspolitik unseres deutschen Veranstalters war mehr als dürftig.“ Dessen Empfehlung, man möge doch seinen Extraurlaub genießen, kam nicht gut an.

Karin und Hannes Moscher aus Leoben erlebten nach der Traumreise durch Indien, in einem Hotel bei Delhi gestrandet, elf Tage in Ungewissheit
Karin und Hannes Moscher aus Leoben erlebten nach der Traumreise durch Indien, in einem Hotel bei Delhi gestrandet, elf Tage in Ungewissheit © Privat

Am Freitag landeten sie schließlich wohlbehalten: „Mit dem Dienstgeber meiner Frau ließ sich das Gott sei Dank unkompliziert regeln. Die Mehrkosten muss nun der Veranstalter tragen.“

Heimflug aus Singapur kostete über 3000 Euro

Stefan Fritz (36) und einem Freund wiederum kam der Krieg im Nahen Osten beim Heimflugversuch in Singapur in die Quere: „Wir haben dort versucht Flüge über andere Routen zu buchen, aber die schnellten rasch auf bis zu 3000 Euro und mehr hinauf.

Für Stefan Fritz war es nach anfänglichem Ärger doch noch eine schöne Woche Extraurlaub in Hongkong und Shanghai
Für Stefan Fritz war es nach anfänglichem Ärger doch noch eine schöne Woche Extraurlaub in Hongkong und Shanghai © privat

Schließlich buchten sie ab Shanghai um 750 Euro, hängten eine Woche dran und schauten sich noch Hongkong und Shanghai an: „Wir hatten sicher jeweils Mehrkosten von 1500 Euro. Aber für uns war es auch ein Urlaub“, ist Fritz froh nun wieder bei seiner Arbeit im Café zu sein.

Ausweichroute vom Krieg: Ticket retour um saftige 3200 Euro

Ein Paar, das seine Odyssee von Sri Lanka nach Hause antreten musste, fand das weniger amüsant. Ist doch vor der Küste Sri Lankas von den USA auch ein iranisches Schiff versenkt worden. Sie wollten die Notrufnummer des Außenministeriums anrufen, doch die ist via Internet-Telefonie wie WhatsApp nicht erreichbar. Das gehöre rasch geändert, finden die Mittdreißiger aus Graz-Umgebung.

In den Flügen nach Frankfurt für Deutsche hätte es ausreichend Platz für die Steirer gegeben
In den Flügen nach Frankfurt für Deutsche hätte es ausreichend Platz für die Steirer gegeben © privat

Auch sonst sei der Support durch das Außenamt nicht besonders gewesen. Deutschland und Italien haben etwa ihre Bürger bei der Heimkehr unterstützt und Sonderflüge nach Rom oder Frankfurt organisiert. Das Paar hat sich schließlich selbst Tickets organisiert – zum Stückpreis von 3200 Euro. Der Hohn aus der WhatsApp-Gruppe der durch den Krieg Gestrandeten: Deutsche Staatsbürger haben von ihren Rückflügen die fast leeren Maschinen fotografiert. Es hätte ausreichend Platz für die Österreicher in Sri Lanka gegeben.

Außenministerium betreute 5650 individuelle Fälle

Clemens Mantl, der Sprecher von Beate Meinl-Reißingers (Neos) Außenministerium, weist die Kritik am Krisenmanagement zurück: In den ersten Kriegswochen im Iran haben sich in der Region zumindest 18.000 Österreicher aufgehalten: „Wir haben 5650 individuelle Fälle betreut und jeden Tag auch Busse organisiert, um Bürger etwa nach Riad zu bringen, wo Flüge starten konnten. Die ersten Österreicher hätte man schon am 1. März ausgeflogen. Für 800 Personen habe man Flüge aus dem Krieg organisiert, für 123 weitere mit europäischen Partnern die Ausreise unterstützt und Gestrandete über mehr als 130 Aussendungen am Laufenden gehalten.