Sie ist fünf bis sieben Millimeter groß, hat lange, gestreifte Beine und potenziell gefährliche Krankmacher im Gepäck: Die tropische Riesenzecke (Hyalomma marginatum) wird seit dem Jahr 2018 immer wieder in Österreich gefunden. Das erste Exemplar des Jahres 2025 wurde laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) in der Steiermark abgegeben: Es handelt sich dabei um ein unfreiwilliges „Urlaubsmitbringsel“, das Reisende aus dem Kroatien-Urlaub mitgebracht haben. „Der Fund bedeutet nicht, dass die Riesenzecke bei uns aufgetaucht ist, sie wurde von Urlaubern aus Kroatien mitgebracht“, unterstreicht der Sprecher der Ages. Diesen Transportweg der tropischen Riesenzecke haben der Parasitologe Georg Duscher (Ages) und Kollegen im letzten Jahr das erste Mal wissenschaftlich beschrieben.

So gab es auch im Vorjahr nach den Osterferien eine gehäufte Meldung von Riesenzecken-Sichtungen in Österreich. „Diese Zecken kamen mit den Urlaubsrückkehrern ins Land“, erklärt Duscher. In den typischen mediterranen Urlaubsländern der Österreicher, wie in Kroatien, sind die Riesenzecken nämlich bereits heimisch: Versteckt in Badesachen oder Wanderkleidung wurden die Zecken so ins Land gebracht.

Riesenzecke kann gefährliche Viren im Gepäck haben

Hierzulande werden die Riesenzecken bisher nur punktuell gefunden – hier sind die Zecken-Forscher auf Sichtungen und Berichte aus der Bevölkerung angewiesen. Dazu wurde auch ein sogenanntes „Citizen-Science-Projekt“ ins Leben gerufen. „Am meisten freuen wir uns, wenn wir noch lebende Riesenzecken in einem ausbruchssicheren Gefäß bekommen“, sagt Duscher. Allerdings geht Duscher davon aus, dass die tropische Riesenzecke in naher Zukunft auch bei uns heimisch werden wird – die milden Temperaturen im Winter machen das möglich.

Was die tropische Riesenzecke so gefährlich macht, ist, dass sie potenziell hochgefährliche Krankheitserreger mit ins Land bringen kann. Sie kann das Krim-Kongo-Virus übertragen, das ein hämorrhagisches Fieber mit schweren Blutungen auslösen kann. „In Österreich haben wir noch keine Riesenzecken gefunden, die das Virus in sich tragen – in Italien und Frankreich allerdings sind bereits solche infizierten Zecken aufgetaucht“, erklärt Experte Duscher. Allerdings sind nur sehr wenige der Riesenzecken tatsächlich mit diesen Viren infiziert: „Der Anteil der Zecken, die infiziert sind, bewegt sich im Promillebereich“, sagt Duscher. Allerdings ist ein Drittel bis die Hälfte der neuartigen Zecken mit Bakterien (sogenannten Rickettsien) infiziert, die den Borrelien ähnlich sind. „Diese Bakterien können wir behandeln, aber muss daran denken, dass es sie gibt“, sagt Duscher.

Der Blutsauger, der in der Steiermark gefunden wurde, wurde zwar negativ auf das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Virus getestet, jedoch positiv auf Rickettsien.