Der neue Bildungslandesrat in der Steiermark heißt Stefan Hermann, 39 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern. Er war zuvor Bildungssprecher seiner Partei. In einem aktuellen Interview mit der APA betont er seine Vorhaben bzw. Wünsche für die nächsten Jahre.
Sonderschule, Vorschule, Deutsch in der Pause
Wie er schon der Kleinen Zeitung im Interview erklärt hatte, will er Sonderschulen wieder einführen und stellt sich damit gegen die Kritik von Behindertenvertretern. Seit der Schließung zahlreicher Sonderschulen seien „weiße Flecken“ auf der Landkarte entstanden, meint Hermann. „Wir haben Gemeinden, die keinem Sonderschulsprengel mehr angehören. Da bin ich von Wahlfreiheit weit weg, wenn ich mein Kind dort nicht einmal hingeben darf“, sagt er aktuell. Behindertenvertreter sehen aber eine Gefahr für die Inklusion und einen Bruch der UN-Konvention. Ein anderer Punkt ist eine verpflichtende Vorschule für jene Kinder, die zu wenig Deutsch können.
Weiters will der Landesrat, wie berichtet, verpflichtend Deutsch auf Pausenhöfen einführen. Rechtlich ließe sich das aber nur über einen Erlass der Bildungsdirektion regeln, die Schulen hätten eine rechtliche Basis, durch die Schulautonomie könnten sie entscheiden, ob sie den Punkt in die Hausordnung aufnehmen (ähnliches gilt für das bevorstehende Handyverbot). Steirische Lehrkräfte bekräftigten bereits vor Weihnachten gegenüber der Kleinen Zeitung, dass Sprache definitiv ein Thema an Schulen sei, Integration und eine Kontrolle in der Pause aber nicht die Lösung sein könne.
Kinder daheim betreuen nach Salzburger Vorbild
Ein Punkt, auf den Hermann auch erneut pocht, ist Geld für Familien, die ihre Kinder bis zum drittem Lebensjahr zu Hause betreuen. Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung berief er sich noch auf den Begriff Fördermodell, wie er im Regierungsübereinkommen steht. Nun ist von einer „Wertprämie“ die Rede, Hermann verwehrt sich strikt gegen den Begriff Herdprämie. „Warum soll eine Mutter, ein Vater, die sich der Kinderbetreuung widmen, weniger erhalten als Empfänger von Sozialunterstützung?“, meinte er zur Kleinen Zeitung.
Gegenüber der APA betont er nun: „Meine Vorstellung wäre, dass eine Mutter oder ein Vater, der sich dazu entscheidet, bis zum dritten Lebensjahr bei den Kindern zu bleiben, ungefähr das verdient, was man in der Sozialunterstützung auch bekommt.“ Als Vorlage soll das „Berndorfer Modell“ aus Salzburg dienen. So soll Kinderbetreuungsgeld bis zum dritten Lebensjahr auf die Höhe des Mindestsicherungssatzes angehoben wird, wenn das Kind familienintern betreut wird. „Da geht es um Anerkennung“, sagt Hermann. In seiner Heimatgemeinde Feldkirchen bei Graz wird seit 2021 eine derartige finanzielle Unterstützung ausbezahlt.
Knapp 190 Eltern hätten das Modell bisher angenommen, 226.000 Euro wurden ausbezahlt. Pro Monat erhalten die Eltern bis zu 150 Euro. „Und weil immer der Vorwurf kommt, man hält dann die Frauen vom Erwerbsleben ab: Ich glaube nicht, dass beispielsweise 300 Euro oder noch weniger jemanden vom Erwerbsleben abhält“, sagt Hermann.
Wovon Kritikerinnen und Kritiker aber immer sprechen, ist von pensionsrechtlichen Absicherungen und Kündigungsschutz – hier müsse man noch nachziehen, so Hermann. AK- und WK-Vertreterinnen weisen darauf hin, dass Frauen nach vielen Jahren daheim schwerer einen Job finden würden und so in eine finanzielle Abhängigkeit rutschen könnten. Hermann: „Ich höre, dass diese Wertprämie auch auf Bundesebene diskutiert wird.“
Nikolo statt Dragqueen
Wogegen sich Hermann auch – erneut – strikt wehrt, sind Dragqueens im Kindergarten. Nikolo statt Dragqueen lautet die Ansage. Damit spielt er auf Kinderbuchlesungen in Wien und Graz von Dragqueens vor ein paar Jahren an, die für Proteste sorgten. Und mit Nikolo ist gemeint, dass Bräuche im Kindergarten gelebt werden sollen. Kindergartenbetreiber betonen, dass dies eigentlich überall der Fall sei.
Wunsch: Krippe mit Kosten, Kindergarten ohne
Und Hermann wäre für einen gratis Kindergarten und eine kostenpflichtige Kinderkrippe, „wenn man träumen darf“. Denn die finanzielle Situation in Land und Bund sei ihm bewusst. Aber: „Man müsste vereinheitlichen, weil es ist nicht einzusehen, wieso in Kärnten der Kindergarten gratis ist und in der Steiermark und anderen Bundesländern nicht.“