„Träume ändern & Ziele entwickeln sich - meine haben sich davon entfernt, Rennen gewinnen zu wollen und alles zu geben, um ganz oben zu stehen.“ In einem Satz brachte Daniela Ulbing alles auf den Punkt: Die Kärntnerin, 2017 mit nur 19 Jahren Weltmeisterin im Parallel-Slalom und in Peking auch Olympiamedaillengewinnerin, beendet ihre Karriere. Die 27-Jährige, die sich in der abgelaufenen Saison schon eine „Auszeit“ genommen hatte, fand einfach die Lust am Spitzensport nicht mehr. „Ich habe auch nach meiner Auszeit keine leistungsbezogenen Ziele mehr definieren können, und darunter hat natürlich die Motivation gelitten. Es fehlen einfach ein paar Prozent, um in der Vorbereitung alles zu geben, damit ich im Winter wieder um Siege und Podestplätze mitfahren kann. Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um neue Prioritäten zu setzen“, sagte Ulbing in einer Aussendung des österreichischen Skiverbandes.

WM-Gold gleich bei ihrem ersten Antreten bei dieser Großveranstaltung war 2017 in der Sierra Nevada eine Sensation gewesen, danach aber etablierte sich Ulbing in der Weltspitze, erweiterte ihre Medaillensammlung mit Olympia-Silber 2022 in Peking sowie WM-Silber in Bakuriani/Georgien 2023, jeweils im Parallel-RTL. Dazu fuhr sie elf Weltcupsiege (fünf Einzel, sechs im Mixed-Team) ein und sammelte drei kleine Kristallkugeln (Parallelslalom 2016/17, Mixed-Team 2018/19 mit Benjamin Karl und 2022/23 mit Andreas Prommegger) sowie 2018 auch Gold bei der Junioren-WM ein.

„Ich habe das Gefühl, viel erreicht zu haben, daher blicke ich auch mit Stolz auf meine Karriere zurück. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und viele wertvolle Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte“, sagte die ausgebildete Polizistin, die aktuell auch ihr Master-Studium in Applied Economics (Angewandte Wirtschaftswissenschaften) an der Uni Wien absolviert. Und: Ulbing kann sich vorstellen, dem Sport auch trotz Rücktritts erhalten zu bleiben: „Ich möchte dem Sport etwas zurückgeben und kann mir gut vorstellen, meine Erfahrungen an den Snowboard-Nachwuchs weiterzugeben.“ Privat ist Ulbing mit dem Kärntner Kanuten und Olympia-Starter Felix Oschmautz liiert.

Im Verband bedauert man naturgemäß die Entscheidung: „Wir haben gehofft, dass Daniela Ulbing nach ihrer Pause wieder in unser Team zurückkehrt, aber ich verstehe und respektiere natürlich ihre Entscheidung. Dank ihres Talents und harter Arbeit hat sie bei Großereignissen drei Medaillen geholt und auch im Weltcup beachtliche Erfolge gefeiert. Ich habe Dani als zielstrebige Athletin und Teamplayerin geschätzt und wünsche ihr für ihre private und berufliche Zukunft alles Gute“, sagte der Steirer Christian Galler, Sportlicher Leiter der Snowboarder.