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Gandler muss gehenSchröcksnadel poltert: Aus für Langlauf-"Trottln" im ÖSV

Nach der Doping-Razzia bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld am Mittwoch hat sich jetzt auch ÖSV-Präsident Schröcksnadel zu Wort gemeldet - und er poltert.

NORDISCHE SKI WM 2019 IN SEEFELD: OeSV-PRAeSIDENT SCHROeCKSNADEL
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel © APA/GEORG HOCHMUTH
 

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat mit großer Verärgerung auf den Dopingskandal bei der Heim-WM in Seefeld reagiert. Im Verband gebe es eine "Null-Toleranz gegenüber Doping", betonte der langjährige Chef des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) und kündigte eine Neuorganisation der Langlaufsparte nach der Saison an.

"Nichts ist niederträchtiger als das Erkaufen von besseren Resultaten durch illegale leistungssteigernde Methoden. Ich bin zutiefst verärgert, dass einzelne Athleten scheinbar nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Im ÖSV gilt Null-Toleranz gegenüber Doping", wurde Schröcksnadel in einer Aussendung zitiert. Der 77-jährige Tiroler war auch schon bei Dopingskandalen der ÖSV-Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Spielen 2002, 2006 sowie 2014 beim EPO-Fall von Johannes Dürr im Amt.

Gandler muss gehen

Wie bereits nach dem Dopingskandal von Turin will Schröcksnadel den Langlauf-Spitzensport nicht mehr im Verband angesiedelt sehen. Das und die Trennung vom langjährigen Spartenchef Markus Gandler nach Saisonende kündigte der Präsident des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) am Mittwoch nach dem Bekanntwerden der Festnahme der Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke an.

Der Dopingverdacht gegen das ÖSV-Duo werfe einen Schatten auf die eigentlich sehr erfolgreiche WM. "Das tut sehr weh. Leider ist die Freude über die heutige Medaille getrübt, weil diese Dopinggeschichte schwer wiegt. Vor allem, wenn man weiß, dass es die Vorgeschichte mit Dürr und Turin gegeben hat", sagte Schröcksnadel im ORF-Fernsehinterview. Nach der folgenschweren Turin-Razzia hatte er die Absonderung des Langlaufs aus dem ÖSV erwogen, die Idee wurde damals aber nicht umgesetzt.

Scharfe Konsequenzen

Diesmal werde es aber scharfe Konsequenzen geben. "Ich werde mich sicher nicht mehr dafür starkmachen, dass für den Spitzensport im Langlauf in Österreich Geld ausgegeben wird. Ich habe keine Lust, jedes Mal Angst haben zu müssen, dass jemand aus dem Bereich etwas tut, für das ich dann geradestehen muss", polterte der ÖSV-Langzeitchef und kündigte personelle Konsequenzen an. "Nach der Saison wird der Langlauf neu aufgestellt, ich will diese Leute alle nicht mehr in dieser Form."

Es gebe zwar keine Hinweise auf eine Doping-Beteiligung von ÖSV-Betreuern, Gandler müsse als Sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon aber trotzdem nach diesem Winter gehen. "Schade, dass wir als Skiverband betroffen sind, wir sind aber keine Täter. Wir werden uns dennoch trennen, er wird die WM fertigmachen. Das ist keine Schuldzuweisung, er ist sicher nicht Täter", so Schröcksnadel über den seit 2003 amtierenden Spartenchef, der wie er auch schon bei mehreren früheren Skandalen im Amt gewesen war. Gandler selbst hatte bereits vor dem Ausbruch des neuerlichen Skandals Absichten seines baldigen Rückzug angedeutet.

Nun habe sich das ohnehin erledigt, sagte Gandler und zeigte Verständnis für die Maßnahme von Schröcksnadel. "Es sind im Langlauf zu oft Sachen passiert und jetzt sind die Konsequenzen gezogen worden. Vielleicht hätte er es früher tun sollen, oder auch ich", meinte Gandler. Er habe jedenfalls stets nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet. "Das heißt nicht, dass das ein Schuldeingeständnis ist. Aber irgendwann ist das Vertrauen aufgebraucht", so der Ex-Langläufer. Die WM werde er noch so gut es geht mit der Mannschaft fertig machen.

Das ÖSV-Langlaufbetreuerteam müsse sich laut Schröcksnadel aber schon die Frage stellen, ob gut genug aufgepasst worden sei. Das Ertappen von Einzeltätern sei aber auch schwierig, ergänzte er und verglich die Situation mit dem rechtzeitigen Erkennen von Drogen nehmenden Kindern. "Es geht nicht. Wie verhindern sie es, wenn ein Kind Drogen nimmt. Das wächst im Geheimen. Die Eltern erfahren es als Letzte."

Baldauf und Hauke sind "Trottln"

Baldauf und Hauke, die seit vielen Jahren eine Freundschaft verbindet, bezeichnete er als "Trottln", die gedankenlos großen Schaden anrichten würden. "Soviel Dummheit wie diese zwei Burschen darfst du gar nicht haben, das gehört verboten. Zwei solche Trottln, die so etwas machen. Ich habe keine Worte, der lügt alle an, was sind das für Menschen." Für 20. Plätze zu betrügen, sei völlig unverständlich. "Sie richten einen riesigen Schaden an, bei einer WM, die wir für viel Geld ausrichten wollen. Ich verurteile das total, weil er die Mannschaftskollegen in den Schmutz zieht."

Der Vorwurf, dass man im ÖSV etwas mitbekommen hätte müssen und sich hinter der Einzeltätertheorie verstecke, sei ungerechtfertigt. Langläufer Johannes Dürr warf er vor, zu spät mit Informationen über Blutdoping herausgerückt zu sein. "Wenn Dürr nach 2014 schon ausgesagt hätte, dann wären wir heute nicht da. Darum ist der Vorwurf ungerechtfertigt."

Frage nach dem Dopingring

Der ÖSV-Chef verwies auch darauf, dass das Dopingnetzwerk international sei. "Es werden sicher auch größere Länder mit dabei sein. Wenn es ein Drogenring ist, kann man nicht den ÖSV schuldig sprechen."

Auch Gandler sagte, man müsse nun unbedingt allen Beteiligten samt Hintermännern aus allen Sportarten zur Rechenschaft zu ziehen. "Das System in Deutschland gab es ja nicht nur für ein paar Langläufer, man muss schauen, dass das nicht unter den Tisch gekehrt wird." Von Baldauf und Hauke erwartet er sich, dass sie im Gegensatz zu Dürr sofort reinen Tisch machen und alle Hintergründe aufklären.

 

Kommentare (14)

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sl71
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Langlauf-"Trottln"

Als begeisterter Freizeitlangläufer finde ich die Einstellung des ÖSV Chefs zum Langlauf nicht in Ordnung. Der alpine Schilauf hat seinen Stellenwert, das ist völlig richtig. Aber es ist kein Wunder, so wenig Jugend auf der Loipe zu sehen. Den Langlaufsport kann man scheinbar nicht gut verkaufen und damit Geld verdienen, das sollte überdacht werden. Dabei sollte, wenn richtig in den Medien präsentiert, die Jugend zu dieser gesunden und finanziell wesentlich günstigeren Sportart motiviert werden. Das Lieblingskind des ÖSV Chefs ist schon mal der alpine Schisport, da wird schon jedes Training vom Training mit Interviews (oft zu Lasten der Sportler) im ORF übertragen, und das im Hauptprogramm. P.S : Für was gibts eigentlich Sport +?

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Kormoran
1
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Das mit gandler

War im Vorfeld schon klar, er hat selbst gesagt er macht nach der Saison nicht mehr weiter.

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Urban67
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Zitat Schröcksnadel

"Für 20. Plätze zu betrügen, sei völlig unverständlich".
Bei einem Stockerlplatz ist's okay?

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sugarless
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Nichts wissen

Zum dritten Mal weiß keiner was, wir glauben ja auch noch alle an den Osterhasen

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zyni
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Schröcksnadel weiss

wieder einmal von nichts. Er soll endlich in Pension gehen.
Ich erinnere mich auch an das Interview von Kristoffersen nach der Niederlage in Kittbühel oder Schladming gegen Hirscher. Er glaubt zu wissen, warum Hirscher physisch so stark ist. Möchte sich aber nicht mit Verbänden und der FIS anlegen. Was hat er damit gemeint?

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dude
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So faszinierend Weltklassespitzensport ist,

... so schmutzig ist dieses Geschäft! Das war immer so und so wird es immer bleiben. Glaubt irgendwer, daß die Mulitmillionen, die diverse Mäzene oder Oligarchen in den Sport stecken sauber verdientes Geld sind? Glaubt irgendwer, daß wahnwitzige Leistungen (die selbstverständlich attraktiv sind und von uns Zusehern erwartet werden) mit Müsli, Isostar und einem anständigen Training alleine möglich sind? Manchmal müssen Superstars dran glauben (Lance Armstrong, Ben Johnson, Florence Griffith Joyner, oder auch die gestrige Weltmeisterin Therese Johaug). Meistens erwischt es aber ein paar No-Names wie unsere Österreicher jetzt. Aber sind die nicht erwischten alle sauber? Nach dem Gesetz ja. Aber glaubt irgendwer, daß ein vielfacher Olympiasieger Björn Daehlie, die vielfachen Tour de France-Sieger Bernard Hinault, Miguel Indurain oder die Legende Eddy Merckx, das Sprintwunder Usain Bolt und die vielen, vielen Nichterwischten sauberer waren, als manche ihrer erwischten Kollegen? Ich nicht! Es ist einfach ein schmutziges Spiel, das aber Milliarden Menschen fasziniert!

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henry2
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Wieder einmal Gelegenheit

...für alle Schröcksi-Feinde, sich zu äußern, denn wenn es Siege zu feiern gibt, da hört man von denen nix. So einen Posten wie einen ÖSV-Präse kann man nicht so einfach vergeben. In solchen Positionen braucht es Leute, die die ganze Szene (alpin und nordisch, dazu viel Kaufmännisches, Public Relation, Merchantising) kennen und genauso durchtrieben sind wie die auf der Gegenseite, wenn es um Verträge und damit Finanzen geht. Gutgläubigkeit, auf Treu und Glauben - das kann man alles vergessen. Natürlich wird Schröcksi nicht ewig bleiben, aber wer ist wirklich die Alternative? Es gibt alle paar Jahre Neuwahlen - wenn der Schröcksi wirklich so schlecht wäre, müsste er schon längst weg vom Fenster sein. Übrigens: Gut ist sicher der Vorschlag, Amtszeiten zu limitieren.
Und an alle Schröcksi-Feinde, die da schreiben, "er kann nix wg. des Dopings dafür" - was würden Sie sagen, wenn man sie irgendwo hinauskanzeln würde, obwohl Sie nix dafür können?

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GuentAIR
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Die Unschuldsvermutung ...

... gilt für den ÖSV offenbar nur, wenn es um Sexualdelikte geht, in allen anderen Fällen „hau drauf“. Bravo!! :-(

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gm72
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Ist er nicht Präsident?

Sollte er da nicht schön langsam selbst abdanken? Welche Verantwortung trägt er eigentlich, wenn er jetzt poltert und auf andere abschiebt? Das ist in SEINEM Verband passiert. In der Vergangenheit zu Langlauf-Maier's Zeiten und jetzt auch. Also bitte Verantwortung übernehmen und selbst den Platz räumen!

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Nixalsverdruss
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Wie wäre es mit Alois Stadelober ...

... als neuen ÖSV-Präsidenten???
Ich glaube, dass er für die nächsten 6 Jahre dieses Amt ausüben sollte, mit der Chance auf eine Wiederwahl für weitere 6 Jahre!
So wäre automatisch dann nach 12 Jahren Schluss!
Es wäre ein gutes Zeichen und eine wirklich mehr als nur symbolhafte Entscheidung!!!

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zyni
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Das kann wohl nicht

Ihr Ernst sein. Welche symbolhafte Entscheidung meinen Sie?
Überlegen Sie, Österreich wurde Langlaufweltmeister in der Staffel.... 😂
Ich traue diesen Sportlern schon lange nicht mehr.

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Nixalsverdruss
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Schröcksnadel ...

... ist wohl der Einzige, der vier Dopingskandale überstanden hat.
Obwohl er keine Schuld hat, sollte er ein Zeichen setzen!
Ab durch die Mitte ...!

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schaerdinand
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herr schröcksnadel

bitte hut nehmen und gleich mit abdanken.
frischer (junger) wind im ösv ist notwendig! die kahr, schranz, schröcksnadel und sailer zeit ist endgültig vorüber.

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fon2024
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Andaman

So einen Blödsinn liest man selten , kann man gar nicht glauben.

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