Zum Schanzen-Kehraus des Kulm-Wochenendes bekamen die 7900 Fans in Bad Mitterndorf noch einmal Skiflug-Kost vom Allerfeinsten serviert. So schienen die Topspringer beim zweiten Teil der Fliegershow ein vorzeitiges Landen schlichtweg zu verweigern. Im ersten Durchgang segelte ÖSV-Küken Stephan Embacher bereits auf 240,5 Meter, doch zwang ihn sein Überlebenswille beim Aufsetzen zu einem Kacherl. Auf diesen mächtigen Satz reagierte die Jury einzig richtig – nämlich mit Vernunft, und ließ für Vortagessieger Domen Prevc den Anlauf gleich um zwei Luken verkürzen. Eine goldrichtige Entscheidung, ließ sich der Slowene von der Thermik dennoch auf 238 Meter tragen – Telemark inklusive!
Mit 12,8 Punkten Vorsprung hob der Olympiasieger, Skiflugweltmeister, Tournee-Triumphator und überlegene Gesamtweltcupführende dann ins „Grande Finale“ ab. Und da ließ sich Prevc den Sieg erwartungsgemäß nicht mehr nehmen. Und das in beeindruckender Manier: Mit 245,5 Metern stand der „Domenator“ den weitesten Sprung, den es am Kulm jemals gegeben hat, und löste seinen Bruder Peter (244 Meter im WM-Jahr 2016) als Schanzenrekordhalter ab. Am Ende hatte der 26-Jährige 24,8 Zähler Vorsprung auf den Tiroler Embacher, den dritten Stockerlplatz schnappte sich der Norweger Johann Andre Forfang. Damit gelang dem Branchen-Primus im Ausseerland der Doppelschlag: Es waren die Erfolge 12 und 13 für Prevc in diesem Winter. Die Bestmarke an Saisonsiegen hält übrigens ebenfalls Bruder Peter mit 15 aus der Saison 2015/16.
„Als ich Tomofumi sah, wie er 242,5 gesprungen ist und auch der Wind im Mittelteil günstig blies, habe ich daran geglaubt, einen neuen Schanzenrekord springen zu können. Das ist mir dann auch gelungen. Es war unglaublich und hätte kein besseres Ende für mich geben können“, schilderte der Überflieger den Moment des Wochenendes. Dass er bei der Landung tief in die Hocke gehen musste und einen Griff in den Schnee gerade noch vermeiden konnte, war noch ein kurzer Schockmoment: „Die Landung war nicht so schön. Aber die Knie haben nicht wehgetan, weil das Adrenalin zu hoch war“, grinste das Schanzen-Phänomen.
Wie bereits Tags zuvor reihte sich Embacher erneut hinter Prevc ein und muss nach dem dritten zweiten Platz in dieser Saison weiter auf seinen allerersten Sieg warten. „Beim Skifliegen nur von Domen geschlagen zu werden, über 240 Meter zu fliegen und zweimal Zweiter zu werden – da gibt es keinen Grund, sich zu ärgern. Es ist eben der Domen, da kann man nur den Hut ziehen. Es war ein Fliegen auf sehr hohem Niveau, ich kann den Kulm zufrieden verlassen“, bilanzierte der glückliche Brixentaler, der kommendes Wochenende in Lahti den nächsten Anlauf in Richtung oberster Podiumsplatz nehmen will.
Zweitbester Österreicher wurde Daniel Tschofenig als Elfter („Die Leistung war in Ordnung, aber leider nichts Außergewöhnliches. Es gibt noch einiges zu tun für mich“), Stefan Kraft, der vor zwei Jahren am Kulm noch zum WM-Titel geflogen war, kam über den enttäuschenden 29. Rang nicht hinaus: „Ich weiß, dass ich es drauf habe, aber ich bekomme es im Moment nicht hin. Es wartet noch viel Arbeit auf mich.“