Mit großen Vorsätzen ist Stefan Kraft in die Saison 2025/26 abgehoben, spätestens nach den Olympischen Spielen in Mailand Cortina aber am harten Boden der Realität aufgeschlagen. Mit den Plätzen 27 und 36 wurde der 46-fache Weltcupsieger seinen Ansprüchen alles andere als gerecht, doch spiegelte das enttäuschende Abschneiden in Predazzo den bisherigen Saisonverlauf ein wenig wider. Nachdem der 32-Jährige Ende November in Falun noch über einen Sieg jubeln durfte, schlichen sich in weiterer Folge mehrere kleine Fehler in das System des Pongauers ein, zuletzt haderte er vor allem mit der Anlaufposition. Zwar steckte Kraft den Kopf nicht in den Schnee („Ich habe gekämpft wie ein Löwe, dass ich es irgendwie hinkriege oder ein Gefühl aufbaue“), doch konnte er bis dato nicht den Weg zurück in die gewohnte Erfolgsspur finden.

Möglicherweise kommt für den Salzburger daher das Fliegen auf dem Kulm nun zur rechten Zeit. Die Erinnerungen an den mächtigen Bakken in Bad Mitterndorf sind für Kraft äußerst gute, krönte er sich hier doch 2024 zum Weltmeister. Dass der Salzburger das Fliegen im Blut hat, ist kein Geheimnis, konnte er doch bereits neun Weltcups auf einer der vier großen Schanzen (Kulm, Oberstdorf, Vikersund und Planica) gewinnen und hielt mit 253,5 Metern auch acht Jahre lang den Weltrekord, ehe er 2025 in Planica von Domen Prevc um einen Meter überflügelt wurde.

Kraft: „Ich bin im Kopf nicht ganz frei“

Keine Frage, Kraft ist ein geborener Langstreckenflieger, will seine Stärken am Kulm ausspielen und so das nötige Selbstvertrauen für die restliche Saison (es folgen noch die Stationen Lahti, Oslo, Vikersund und Planica) zurückgewinnen. Allerdings lief es für Österreichs vierfachen Einzel-Weltmeister in der Qualifikation am Freitag nicht nach Wunsch. Nach einem verpatzten Hupfer setzte Kraft bereits bei 188 Metern auf und rutschte nur in die für Samstag startberechtigten Top 40, weil Anze Lanisek qualifiziert wurde und Ren Nikaido nicht antreten konnte. „Noch einmal Glück gehabt, aber diese Verwarnung wird mir eine Lehre sein. Im ersten Trainingssprung habe ich gezeigt, dass ich es kann – aber ich bin im Kopf nicht ganz frei“, gibt der Pongauer zu. „Vor allem in der Hocke passt es nicht und das brennt sich dann ins Gehirn ein. Man beginnt zu grübeln, bekommt einen Brainfuck und verkrampft.“

Weit besser lief es für Teamkollegen Stephan Embacher, der die Qualifikation und den 5000-Franken-Siegerscheck gewinnen konnte: „Ich war nach Olympia in der Schule, habe viele Freunde getroffen und Kraft getankt“, sagt der Super-Team-Olympiasieger, der am Samstag voll attackieren will. „Ich habe nichts zu verlieren. Domen Prevc ist weiter der große Gejagte.“ Ebenfalls stark in der Qualifikation: Daniel Tschofenig (4.), Maximilian Ortner (5.) und Jonas Schuster (8.). Clemens Aigner landete auf Platz 31, nur Manuel Fettner (44.) ist morgen zum Zuschauen verdammt.