Die Verschnaufpause war eine kurze, die Umstellung ist eine große – vor allem für Johannes Lamparter sowie die Rettenegger-Brüder Stefan und Thomas, die vergangene Woche noch bei den Olympischen Spielen in Predazzo erfolgreich Medaillen gesammelt haben und ab heute (12 Uhr) am Kulm beim provisorischen Wettkampfsprung erstmals in der Geschichte der Nordischen Kombination Bekanntschaft mit einer Flugschanze machen werden. Anders die Ausgangssituation für Franz-Josef Rehrl, der die Wettkämpfe unter den fünf Ringen nur als TV-Zuschauer verfolgen konnte. Und: „Das war absolut in Ordnung, weil meine Form im Jänner zu schlecht war, um bei den Spielen dabeisein zu dürfen.“

Jetzt aber sind die Karten neu gemischt und der Ramsauer präsentiert sich voll motiviert. Mit dem Kompakt-Bewerb am Freitag (11 Uhr Springen, 16 Uhr 7,5 Kilometer Langlauf) feiern die Kombinierer in Bad Mitterndorf eine Weltpremiere – und da will der Topspringer bei der Vergabe der Podestplätze freilich ein gewichtiges Wort mitreden. „Ich bin zwar noch nie geflogen, aber auch nicht nervös. Zu vorsichtig darf man es sowieso nicht angehen, sondern muss aktiv springen“, weiß Rehrl, der hofft, „dass sie uns genügend Anlauf geben, sonst wird das Ganze eher traurig werden.“ Zugleich ist dem Steirer aber bewusst, dass die FIS viel Fingerspitzengefühl beweisen muss: „Einerseits soll der Bewerb attraktiv sein, andererseits soll es aber nicht zu gefährlich werden.“

Rehrl selbst sieht sich auf großen Bakken ohnehin besser aufgehoben, konnte zuletzt auf der Großschanze in Planica gut trainieren und hat auch gleich die allgemeine Skisprung-Erfolgsformel parat: „Man muss immer der Chef vom Ski sein.“ Das bedeutet? „Dass man über dem Ski sein und es unter der Bindung drücken muss. Drückt es hingegen auf die Ski-Schaufel, verliert man den nötigen Speed.“ Macht er alles richtig, soll es zumindest über den K-Punkt (der liegt am Kulm bei 200 Metern) gehen. „Fliegen wir Richtung Hillsize (Anm.: 235 Meter), würde es richtig Spaß machen.“

Tiefe Spur zu erwarten

Beim Kompakt-Bewerb steht ein Sprung auf dem Programm, daraus errechnet sich der Rückstand in der Loipe. Gelaufen werden in Bad Mitterndorf 7,5 Kilometer – auf einer 1,2 Kilometer langen Loipe mit Start und Ziel im Schanzen-Areal. „Die Strecke an sich ist nicht so schwer, doch wird die Spur aufgrund der warmen Temperaturen tief sein“, vermutet Rehrl, der dem neuen Bewerb positiv gegenübersteht: „Es ist etwas Neues, wobei in der Vergangenheit schon öfter darüber gesprochen wurde und die Premiere schon einmal für Oberstdorf geplant war. Ich bin auf alle Fälle gespannt, wie es wird, denn sportlich ist der Wettkampf noch schwierig einzuschätzen.“

Ebenfalls bereits am Freitag sind die Spezialisten am Kulm im Einsatz: Um 13.30 Uhr steigt die Qualifikation für den Skiflug-Weltcup am Samstag (13.30 Uhr), am Sonntag (13.30 Uhr) folgt eine zweite Weltcup-Weitenjagd. Nicht dabeisein wird Super-Team-Olympiasieger Jan Hörl, der an Rückenbeschwerden laboriert.