Mit zwei Schanzenrekorden innerhalb von zwei Wochen und starken Leistungen bei der Vierschanzentournee erobert Stephan Embacher derzeit den Skisprung-Weltcup. „Wenn‘s laft, dann laft‘s“, sagte der 19-jährige Tiroler nach seinem dritten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen zufrieden. Auch bei seinen ÖSV-Kollegen hat der Shootingstar schon Eindruck hinterlassen. „Hut ab! Er hat jetzt einen neuen Spitznamen, von Bambi zu Mr. Schanzenrekord“, sagte Stefan Kraft.
„Ich bin das Bambi vom Team“, erzählte auch Embacher. „Aber das heißt nur, dass ich der Jüngste bin.“ Bei seiner zweiten Tournee springt der Senkrechtstarter bereits in der Weltspitze mit, zuvor hatte er mit einem zweiten Platz in Falun sowie einem Schanzenrekord kurz vor Weihnachten in Engelberg aufgezeigt. Er müsse derzeit nicht viel nachdenken, erklärte Embacher nach dem Traumstart ins neue Jahr. „Daher will ich es so lange genießen, wie es geht.“
Bekannter Mentor an der Seite
Ein Mitgrund für die jüngsten Erfolge sind die Tipps von Mentor Gregor Schlierenzauer (35). Der Weltcup-Rekordsieger hatte nach Embachers Doppel-Gold beim Europäischen Olympischen Jugendfestival im Frühjahr 2023 den Kontakt zum Teenager aufgenommen. Dieser wurde vom Vorarlberger Werner Schuster - ehemaliger Skispringer, deutscher Cheftrainer und Vater von Jonas Schuster - aufgestellt.
„Das hat mich voll überrascht, weil er immer mein Idol war. Beim Mittagessen mit ihm war ich fast nervöser als zum Beispiel beim Skifliegen“, gab Embacher im APA-Gespräch mit Blick auf die ersten Treffen mit Schlierenzauer zu. Die Zusammenarbeit sei nach wie vor sehr eng, erklärte er, mittlerweile sei auch eine Freundschaft daraus entstanden. „Ich bin dankbar für alles, was er mir gibt und sagt.“ Nach dem Auftaktspringen in Oberstdorf hatte sich Schlierenzauer gemeldet und ihm zum gelungenen Start mit Rang sieben gratuliert. Er habe auch geschrieben, dass es dazugehört, „wenn man bei der ersten Tournee, bei der man mithalten kann, ein bisschen nervös ist“.
Die Nervosität ist bei Embacher aber kaum zu spüren, seine Sprünge zieht der Youngster eiskalt durch. „Mein Sprung bleibt der gleiche, egal, wie die Bedingungen sind. Einfach ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen“, erklärte er. Emotionale Jubelgesten im Auslauf sind bei Embacher eine Seltenheit. Er freue sich lieber innerlich, betonte das Talent des Kitzbüheler SC. „Er ist ja noch jung, das ist uncool“, sagte Jan Hörl und lachte. Embacher bringe einen „jungen Wind“ ins ÖSV-Team. „Er pusht die Alten, die sich langsam strecken müssen. Es ist gerade eine coole Mischung.“
Cheftrainer Andreas Widhölzl attestierte Embacher, der parallel zum Skispringen in diesem Jahr noch im Schulstress ist, einen guten Schmäh. „Er ist noch jünger, hat es aber auch schon faustdick hinter den Ohren. Er kann schon ein bissi ein Strizzi sein, im positiven Sinn“, sagte der Tiroler. Am Freitag stapfte Embacher beim Medientermin in Mutters mit Adiletten durch den Schnee. „Vielleicht meint er das. Das war jetzt nicht die beste Aktion“, sagte Embacher und grinste.
Sich selbst beschreibt Embacher als „sehr ehrgeizige und reflektierte“ Person, die beim Skispringen ein sehr gutes Gefühl für den Körper und die Luft hat. Nach seinem Schanzenrekord in Garmisch-Partenkirchen am Silvestertag gab es auch von seinem Zimmerkollegen Jonas Schuster Anerkennung. „Der Stephan ist ein brutaler Springer und da hat er wieder einen rausgehaut“, sagte der 22-Jährige. Große Feierlichkeiten im Hotel gab es dann freilich keine, es blieb bei einem Schulterklopfer. „Der Stephan ist jetzt auch nicht der Über-drüber-Emotionalste, was das angeht“, betonte Schuster grinsend.
In der Tournee-Freizeit schaut das Duo die Netflix-Serie „Stranger Things“ oder wirft ein Auge auf die Darts-WM. „Es ist immer sehr entspannt. Runterkommen, ruhige Gespräche, ein bissl witzeln und fernsehen“, beschrieb Embacher die gemeinsamen Aktivitäten im Hotelzimmer.
Auf das Heimspringen in Innsbruck am Sonntag (13.30 Uhr/live ORF 1) vor ausverkaufter Kulisse freut sich Embacher besonders. „Ein Danke an alle. Es ist cool, daheim vor so vielen Leuten zu springen“, sagte der Schüler des Skigymnasiums Stams. Vor zwei Jahren war er bei seinem Weltcup-Debüt am Bergisel direkt auf dem 13. Platz gelandet. Ob es zum Abschluss der Tournee noch einmal einen Schanzenrekord von ihm geben wird? „Mal schauen, ich werde mein Bestes geben und wieder ein paar coole Sprünge reinklopfen.“