Das Jahr 2026 ist erst wenige Stunden alt, da gibt es bereits den nächsten Aufreger in der Skisprungszene. Nachdem der Slowene Timi Zajc beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf wegen eines um drei Zentimeter zu kurzen Anzugs disqualifiziert worden war und zwei Tage später die norwegischen Medien bei Manuel Fettner einen Betrug bei seiner Bindung aufgedeckt haben wollten (die Vorwürfe erwiesen sich als völlig haltlos), ist nun Anna Odine Ström unfreiwillig ins Rampenlicht gerückt.

So wurde die Norwegerin, die beim Auftakt der Two Nights Tour in Garmisch auf Platz elf gelandet war, nachträglich disqualifiziert, weil bei ihr bei der Materialkontrolle eine Sohle im Socken gefunden worden war. Die habe allerdings gesundheitliche Gründe, wie nun der norwegische Skiverband verlautbarte. So leidet die Gesamtweltcup-Dritte und Trondheim-Weltmeisterin an einer Schiefstellung der Hüfte. Allerdings wurde kein dafür notwendiges medizinisches Attest bei der FIS eingereicht.

„Das war dumm“

„Das war dumm, dass wir das nicht gemacht haben“, gab Frauen-Cheftrainer Christian Meyer zu. „Wir haben es für selbstverständlich gehalten. Wir dachten, es sei in Ordnung, weil wir es aus medizinischen Gründen gemacht haben.“ FIS-Renndirektor Sandro Pertile betonte in Garmisch-Partenkirchen, dass ohne Attest nur eine Disqualifikation möglich sei. Die Norweger reichten das notwendige Attest erst nach der Kontrolle am Mittwoch ein, dieses liege nun beim Weltverband zur Begutachtung. „Ich versuche immer, positiv auf die Dinge zu schauen. Ich glaube nicht, dass sie absichtlich betrügen wollten“, sagte Pertile. Der Italiener ergänzte aber, dass Ende November in Falun alle Trainer informiert worden seien, dass zusätzliche technische Ausrüstung bei den Athleten bei der FIS deklariert und bestätigt werden muss.

Ex-Springer Evensen sieht Vorteil

Ström habe sich 2023 in Engelberg wegen ihrer Schiefstellung der Hüfte verletzt, sagte Meyer. Deshalb sei begonnen worden, diese auszugleichen. Am Silvestertag hatte die Gesamtweltcupdritte in Garmisch-Partenkirchen den elften Platz belegt. Eine positive Auswirkung auf ihre Leistung sah der frühere Skiflug-Weltrekordhalter Johan Remen Evensen. „Je höher man auf dem Schuh steht, desto tiefer kann man den Anzug tragen, und desto tiefer sitzt der Schritt. Ein Zentimeter weniger Schritt als üblich ist ein großer Vorteil“, sagte der norwegische NRK-Experte, der im Rahmen des Manipulationsskandals zugegeben hatte, während seiner Karriere betrogen zu haben. Ström hätte laut Evensen auch den anderen Fuß absenken können.

Ström gewann im laufenden Olympia-Winter bereits ein Springen in Wisla und stand vor der Two-Nights-Tour dreimal in Serie auf dem Podest. Bei der durch den norwegischen Anzug-Skandal überschatteten Heim-WM in Trondheim im Februar hatte sie im Team sowie Mixed-Team die Goldmedaille gewonnen und auf der Normalschanze Bronze geholt.