Zu Beginn des neuen Jahres gleich zwei erfreuliche Nachrichten – zumindest aus Sicht der Tournee-Veranstalter: Nach dem Auftakt in Oberstdorf (25.500) vermeldete auch das Neujahrsspringen in Garmisch mit 22.000 Fans ein ausverkauftes Haus. Und ebenfalls bereits fix: Schon jetzt sind sämtliche 21.125 Tickets für die Bergisel-Konkurrenz am 4. Jänner vergriffen. Ja, die alljährliche Weitenjagd rund um den Jahreswechsel elektrisiert auch bei ihrer 74. Auflage – auch wenn der Gesamtsieger wohl schon nach der zweiten von vier Stationen festzustehen scheint.
Und der trägt den Namen Domen Prevc. Der „Domenator“ ließ sich nach seinem überragenden Auftaktsieg in Oberstdorf auch auf dem Garmischer Bakken nicht lumpen und den Rest der Skisprungwelt erneut hinter sich. „Domen Prevc, der Albtraum der Schwerkraft“ hatte ein weiblicher Fan im Auslauf der Olympiaschanze eine Tafel in die Höhe gehalten und damit das derzeitige Skisprung-Niveau des Slowenen auf den Punkt gebracht. Diesmal siegte der 26-Jährige mit 15,4 Punkten Vorsprung auf Österreichs „Adler“ Jan Hörl, Platz drei schnappte sich ÖSV-Küken Stephan Embacher (-16,0).
Wie das Endresultat in Garmisch lautet auch der Tournee-Zwischenstand, ehe es am Samstag mit der Qualifikation am Bergisel (14.30 Uhr, ORF 1 live) weitergeht: Prevc führt mit sagenhaften 35,0 Punkten Vorsprung auf Hörl (das sind rund 19 Meter) und 41,5 Zähler vor Embacher. Der Gesamtsieg ist dem Slowenen damit wohl nicht mehr zu nehmen, es stellt sich nur noch die Frage, ob Prevc als vierter Springer nach Sven Hannawald, Kamil Stoch und Ryoyu Kobayashi bei allen vier Stationen triumphieren kann.
Kommentar zum Neujahrsspringen
Am ehesten könnte die Konkurrenz dem Weitenjäger aus Kranj noch in Innsbruck ein Bein stellen – der Bergisel-Bakken ist der kleinste der vier Tournee-Schanzen, dort kommt es vor allem auf den Absprung an. Möglicherweise ein Handicap für Flieger Prevc. „Ich bin super-happy und hoffe, dass ich den erfolgreichen Weg fortführen kann“, sagte der Slowene, der noch nicht an den möglichen Grand Slam denken will: „Ich denke nur an den nächsten Sprung und will meine Konstanz beibehalten.“
Hörl haderte mit Bedingungen
Verfolger Hörl haderte trotz Platz zwei mit den Bedingungen: „Bei meinem zweiten Sprung war es leider nicht fair“, spielte der Bischofshofener auf den verkürzten Anlauf und den gleichzeitig einsetzenden Rückenwind an. „Aber der zweite Platz ist natürlich megacool und ich freue mich auch für Stephan und seinen dritten Platz. Die Jungen im Team pushen uns mit ihren Leistungen und wir müssen uns extrem strecken. Diese Kombination funktioniert ganz gut.“ Und Embacher selbst? „Der strahlte über sein allererstes Tournee-Podium über beide Ohren: „Es war ein Megatag. Der Abstand von Domen ist zwar schon groß, aber wir werden ihn nicht verschnaufen lassen.“
Zu den Verlierern des Tages gehörte neben Stefan Kraft (26./„Es war ein Tag zum Vergessen“) auch Daniel Tschofenig, der als Neunter in der Gesamtwertung als Achter den Anschluss an die Spitze eingebüßt hat: „Meine Sprünge waren heute nicht gut, deswegen darf ich mich über das Ergebnis nicht wundern. Es ist momentan etwas verzwickt: In Oberstdorf hat es funktioniert, hier in Garmisch nicht – und ich weiß nicht warum.“
Rote Karte für Zajc
Keine Lehren aus seiner Disqualifikation in Oberstdorf, wo er als Tageszweiter aufgrund eines um drei Millimeter zu kurzen Anzugs nachträglich aus dem Bewerb genommen wurde, hat Timi Zajc gezogen. So war der Anzug des Slowenen auch in Garmisch zu kurz, diesmal um vier Millimeter. Nach der gelben Karte in Oberstdorf gab es nun rot in Garmisch – damit ist Zajc für die nächsten beiden Bewerbe in Innsbruck und Bischofshofen gesperrt.