Nicht allzu munter blickte Österreichs Skisprung-Garde bei der Pressekonferenz am WM-Ruhetag drein. Am Vorabend gab es in der Havd Bakeri & Pizzeria den Medaillenempfang für die Bronzenen Lisa Hirner und Jan Hörl sowie die versilberten Skisprung-Damen. Ob Daniel Tschofenig nach dem enttäuschenden 21. Platz im Normalschanzenbewerb aus Frust über das Ergebnis oder aus Freude für Freund Hörl anstieß, blieb das Geheimnis des Kärntners. Doch betonte der 22-Jährige: „Nach so einem Tag hat es geholfen, dass Jan die Bronzene gewonnen hat. Das hat einen Boost in die richtige Richtung gegeben.“

Warum es am kleinen Bakken für den achtfachen Saisonsieger nicht klappen wollte, konnte Tschofenig nicht wirklich beantworten. „Irgendetwas hat nicht zusammengepasst, die Sprünge waren nicht auf Topniveau. Und dann geht es auf einer Normalschanze sehr schnell.“ Nervös wäre der Gesamtweltcupführende nicht gewesen: „Ich habe keinen großen Druck verspürt. Es gibt aber eben leider auch Tage wie diese.“

Das Aus für den kleinen Bakken?

Auch wenn die Normalschanze für diese WM abgehakt ist, bleibt sie nach wie vor Thema. So stellt sich die Frage, ob die Männer nicht wieder öfter im Weltcup auf Kleinschanzen abheben sollten. Denn in der heurigen Saison fand bis auf die WM kein einziger Bewerb auf der „Kleinen“ statt. Zudem plant die FIS, ab 2026 Frauen und Männer nur noch zur selben Zeit an denselben Weltcuporten springen zu lassen. Damit droht der Normalschanze das endgültige Aus – und damit auch Weltcuporten wie Villach und Hinzenbach.

„Ich finde, man könnte die Normalschanze wieder öfter einbauen. Es war hier bei der WM wieder ein sehr spannender Bewerb. Alles ist eng beieinander und man muss alles können. Es braucht eine präzisere und feinere Art des Skispringens“, ist der WM-Sechste Stefan Kraft ein Befürworter. Eva Pinkelnig geht noch einen Schritt weiter: „Bei den Männern müssen es ja nicht Klein-Kleinschanzen wie in Hinzenbach oder Ljubno sein, aber es gibt genügend Normalschanzen wie hier in Trondheim, Lillehammer oder Planica, wo es über 100 Meter geht. Außerdem könnte man für die Normalschanzen eine eigene Disziplinenkugel wie für das Skifliegen einführen. Denn die Leute wollen über Zwischenstände und Wertungen diskutieren. Die Zeit, wo es die Leute unglaublich interessiert hat, 50 Mal zu schauen, wie da jemand runterspringt, ist vorbei.“ Zudem drohe laut der Vorarlbergerin die Gefahr, dass man die Normalschanzenbewerbe bei Olympia verlieren würde: „Und das finde ich nicht geschickt, wenn man Bewerbe bei Olympia hergibt, wo andere Sportarten um mehr Bewerbe oder sogar die Aufnahme kämpfen.“

Ein G‘riss um die Plätze

Ein Thema, das noch viele Fragen offen lässt, doch richtet sich der Fokus der ÖSV-Athleten nun auf die Großschanze. Am Mittwoch steht in Trondheim mit dem Mixed-Team-Bewerb der erste Wettkampf an. Wer Rot-Weiß-Rot vertreten wird, werden die Trainer erst nach dem heutigen Training entscheiden. Das G‘riss um die vier freien Plätze ist auf alle Fälle groß, brennen doch alle darauf, für Österreich das erste Gold bei dieser WM einzufliegen.