Sie war die große Unbekannte bei dieser WM – die Normalschanze. Kein einziges Mal wurde und wird in dieser Saison im Weltcup auf dem kleinen Bakken gesprungen, dennoch ist die Schanze bei Großereignissen (zumindest vorerst) nicht wegzudenken. Im österreichischen Lager sprachen sich auch alle Athleten und Trainer für einen Verbleib der „Kleinen“ aus – allen voran Daniel Tschofenig, der betonte, „dass ich im Sommer eigentlich nur auf Normalschanzen trainiere“.
Die Normalschanze, die mehr dem athletischen Springer denn dem Fliegertypen entgegenkommt, ist auch immer für Ergebnisse, die sich nicht an die Papierform halten, gut, und servierte in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Überraschungs-Weltmeister. So auch in Trondheim. Denn keiner der in dieser Saison so dominanten Österreicher sprang im norwegischen Regen zu Gold, sondern Lokalmatador Marius Lindvik, der heuer noch keinen Weltcupsieg errungen hat. Silber ging an den nicht weniger überraschenden Deutschen Andreas Wellinger, Jan Hörl „rettete“ die ÖSV-Springer-Ehre mit Bronze.
Hörl ist „hungrig auf mehr“
„Ich bin megahappy mit dem dritten Platz – es ist meine erste Einzel-Medaille, das ist etwas ganz Besonderes. Davon habe ich schon als kleiner Bub geträumt“, jubelte der Pongauer über seinen Podestplatz und blickte gleich in Richtung Großschanzenbewerbe: „Jetzt bin ich hungrig auf mehr!“ Bei aller Freude um die Bronzene des Salzburgers war die Stimmung im „Adlerhorst“ dennoch ein wenig getrübt., konnte man der haushohen Favoritenrolle doch nicht ganz gerecht werden.
Ganz bitter verlief der Abend für Tschofenig: Dass der Bakken in Trondheim ausgerechnet den Kärntner im ersten Durchgang abwarf (Platz 28), sorgte nicht nur beim achtfachen Saisonsieger und Führenden im Gesamtweltcup für einen regelrechten Schock. Dieser verwandelte sich wenig später in Ärger. Zwar befand sich der Wind beim Sprung des 23-Jährigen im Korridor, doch waren die Verhältnisse dennoch hart an der Grenze. Hätte die Jury mehr Fingerspitzengefühl bewiesen, hätte man noch ein wenig zuwarten können. „Geil war es heute nicht. Aber so ist das Leben, die WM hat bekanntlich ihre eigenen Gesetze. Natürlich bin ich angefressen, aber es warten ja hier noch weitere Chancen auf eine Medaille“, sagte der frustrierte Kärntner, der sich einen Kommentar in Richtung Jury nur schwer verbeißen konnte.
Zum Jubeln war auch Stefan Kraft, der auf Platz sechs aufsetzte, nicht zumute: „Natürlich wollte ich eine Medaille, die Sprünge waren auch nicht schlecht. Ich habe alles probiert, doch die anderen waren heute besser. Jetzt freue ich mich auf die Großschanze“, resümierte der dreifache Einzel-Weltmeister. Positiver sah es Cheftrainer Andreas Widhölzl: „Es war ein hartes Stück Arbeit. Es ist nicht einfach gelaufen, die Verhältnisse waren schwierig. Daher glänzt die Bronzene richtig gut, damit fällt beim ganzen Team eine große Last ab.“