Mit vier Medaillen in der Tasche hat Mario Stecher am Ruhetag der Nordischen WM in Trondheim ein positives Zwischenfazit gezogen. Der ÖSV-Sportdirektor ist optimistisch, dass sein Team in der zweiten Woche noch zulegen kann. Schließlich geht es mit der Großschanze weiter, auf der man sich sowohl im Skispringen als auch in der Kombination mehr ausrechnen darf.
„Vier Medaillen, das ist schon schön. Wir haben es auf der Normalschanze gesehen, wie knapp alles beisammen liegt. Bei dem hohen Niveau eine Medaille zu erringen, ist schon sehr, sehr gut. Das kann man nicht genug wertschätzen“, sagte Stecher am Montag im Rückblick auf die Bronzemedaille von Jan Hörl und hob auch die gute Leistung von Stefan Kraft (6.) hervor.
ÖSV-Phalanx bröckelt
Dass die Springermannschaft um den beim Auftakt glücklosen Daniel Tschofenig nicht mehr so dominant auftrete, kommt für Stecher nicht wirklich überraschend. „Andere Nationen haben sich in den letzten Wochen nach der Tournee um einiges verbessert und sind uns näher gekommen. Es war uns allen klar, dass es nicht immer so weitergehen kann mit Dreifachsiegen“, sagte Stecher im APA-Gespräch. Seine Truppe sei aber immer noch in der glücklichen Lage, mit drei Leuten ganz vorne auftreten zu können.
Und der Wechsel auf die Großschanze steigert Stechers Zuversicht. „Die Große müsste uns normalerweise besser liegen, die Karten werden neu gemischt“, sagte der Ex-Kombinierer, der aber harte Gegenwehr erwartet. „Alle anderen werden alles dafür geben, dass sie die Phalanx der Österreicher durchbrechen.“
Großschanze als Erfolgsfaktor
In der Kombination der Männer ortet er noch Luft nach oben, angesichts der nicht so überzeugenden Vorleistungen von Johannes Lamparter und Co. sei auch das wenig verwunderlich. „Es ist deutlich mehr Konkurrenz entstanden, wie die Deutschen, und die Norweger sind einfach nach wie vor sehr, sehr gut.“ Ex-Weltmeister Lamparter habe sich im Weltcup nach Problemen aber gut gesteigert und könne zum Glück bei der WM in den Kampf um Edelmetall eingreifen.
Auch für die Kombinierer sieht er in der zweiten Woche bessere Chancen. „Es geht darum, dass man die Lockerheit auf der großen Schanze wiederfindet, dass man befreit aufspringen kann. Dann werden wir sicher auch dort wieder um Medaillen mitkämpfen.“ Unerwartet, aber umso erfreulicher sei die Bronzene der seit Monaten mit Gesundheitsproblemen kämpfenden Lisa Hirner zum Abschluss der Frauenbewerbe gekommen. „Sie hat die Leistung auf den Punkt gebracht, das ist bei einer WM nicht selbstverständlich und schon sehr stark.“
Langlauf-Topduo mit Steigerungsbedarf
Weniger stark als erhofft verliefen die Skiathlons der Langlauf-Hoffnungsträger Teresa Stadlober und Mika Vermeulen. Stecher führte den Druck und die gestiegene Erwartungshaltung nach den starken Weltcupleistungen als mögliche Ursache an. „Die Ausgangslage hat sich dahingehend geändert, dass man Chancen auf Medaillen hätte, da wird es vom Druck her schwieriger, weil von allen und ihnen selber erwartet wird, dass sie ganz vorne mitkämpfen. Das ist am Tag X eben nicht ganz so einfach.“
Die Langläufer sind es auch, die bei der WM mit Zehntausenden Fans im Stadion und an den Strecken die beste Stimmung erleben dürfen. „Was sich da wieder abgespielt hat in den Wäldern, wie sie den Nordischen Sport leben, ist toll zu beobachten.“ Dem norwegischen Publikum könne auch das weiterhin sehr schlecht prognostizierte Wetter nichts anhaben. Und auch sonst erlebt Stecher die Titelkämpfe als erfreulich. „Das Konzept ist insgesamt sehr gut gelungen. Auch der Verkehr funktioniert, die Wege sind kurz, ich sehe keine Probleme, auch für die Athleten haut alles hin.“