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Nach 31 Jahren Peter Schröcksnadel oder der Abschied des präsidialen Visionärs aus dem ÖSV

Am Samstag endet die "Ära Peter Schröcksnadel" im österreichischen Skiverband. Die Präsidenten-, gefolgt von der Länderkonferenz in Villach heute und morgen markieren das Ende seiner Amtszeit. Karl Schmidhofer wird ihm folgen - langweilig wird es Schröcksnadel aber trotzdem nicht.

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ALPINE SKIING - Marcel Hirscher, press conference
Peter Schröcksnadel: Nach 31 Jahren nimmt er Abschied als Präsident - aber nicht vom Skisport © 
 

31 Jahre war der Österreichische Skiverband ÖSV untrennbar mit seinem Namen verbunden. Und Stück um Stück hat Peter Schröcksnadel, der im Juli seinen 80. Geburtstag feiern wird, den Verband professionalisiert, ihn auf eine neue Ebene gehoben. Sportlich sowieso – Österreich war immer eine Skination, unter seiner Ägide aber war es der Skiverband, der für das Gros aller internationalen Erfolge und Medaillen bei Großereignissen verantwortlich war.

Hier geht es zu allen Infos rund um die Tagung in Villach

Stars kamen – und gingen. Hermann Maier, Renate Götschl, Anna Fenninger (Veith), Stephan Eberharter, Benjamin Raich, Gregor Schlierenzauer – die Liste ist lange. „Favoriten“ gab es für Schröcksnadel nie, er feierte die Erfolge, wie sie kamen. Näher gingen ihm da schon die Verluste, die Todesfälle von Rudi Nierlich, Ulli Maier, Peter Wirnsberger II und anderen. „Das war ein Zeitpunkt, wo ich aufhören wollte. An dem ich mich gefragt habe, warum ich einen Sport unterstütze, wo die Leute tödlich verunglücken.“ In solchen Situationen zeigt sich aber immer der „Kämpfer“ Schröcksnadel: „Ich habe meinen Professor-Titel ja für meine Arbeit im Sicherheitsbereich im Skisport erhalten, für die Forschung nach Unfallgefahren. Und dann habe ich mir gedacht: Schauen wir, dass es sicherer wird...“

Aufgeben, das war für den Tiroler nie eine Option, von frühester Jugend an. Die Jagd nach Erfolg, „seinen“ Athletinnen und Athleten die Basis für diese zu schaffen, das war sein Antrieb. Visionen zu entwickeln, an die Zukunft zu denken – so charakterisiert er sich selbst. Das soll jetzt zu Ende sein? „Der ÖSV“, sagt er, „ist gestaltet. Da ist nicht viel Neues zu machen. Ich war immer einer, der aufgebaut hat. Wenn es läuft, ist es halb so interessant. Aber ich habe neue Dinge, die ich machen will“, sagt er.

Im Skisport, nach wie vor. Schröcksnadel will sich im internationalen Skiverband (FIS) mit dem neuen Präsidenten Johan Eliasch um die Reform des Weltcups kümmern. Daher, so sagt er, ist die Wehmut, zu gehen, praktisch inexistent. „Was mir abgehen wird, sind die Athleten. Die Trainer. Und die Frau Trojan.“ Seine Sekretärin im Verband, Katharina Trojan, seit 30 Jahren an seiner Seite – und wohl die Einzige, die so viel Zeit mit ihm verbrachte, bei der das „Du“ aber kein Thema war und ist: „Weil wir Distanz haben müssen und wollen.“

Schröcksnadel-Sager: Die besten Schröcksnadel-Wuchteln

"Austria is a too small country to make good doping."  - Schröcksnadel bei einer Pressekonferenz vor internationalen Medienvertretern bei Olympia in Turin.

EPA

"Es ist halt im Sport so, dass du entweder einen Helden willst, oder du willst, dass der Held verliert. Das ist die Polarisierung im Sport ... Im Moment sucht der Skisport seine Helden." - Schröcksnadel in der Saison nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher.

APA/BARBARA GINDL

"Wie ich begonnen habe, 1991, war es die erste WM in Saalbach, jetzt kann ich damit aufhören - also die WM geholt zu haben." - Schröcksnadel nach dem Zuschlag für die Ausrichtung der WM 2025.

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"Nichts ist niederträchtiger als das Erkaufen von besseren Resultaten durch illegale leistungssteigernde Methoden." - Schröcksnadel über Doping.

"Mir ist irgendwann am Geist gegangen, dass wir so kariert umeinander fahren. Da kriegst ja einen Vogel, wenn du hinschaust vor lauter Karos." - Schröcksnadel über sein Engagement für die österreichischen WM-Anzüge in Rot-weiß-Rot bzw. im Retro-Look.

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"Du musst dir Killer erziehen, die im richtigen Moment da sind. Einen Psychologen braucht es dafür nicht, ich halte nichts von Psychologen. Ein Olympiasieger braucht keinen Psychologen, nur die in der Mitte (der Ergebnisliste, Anm) haben einen." - ÖOC-Vizepräsident Schröcksnadel in der "Tiroler Tageszeitung".

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"Skisport und die Wiener Philharmoniker - das passt noch besser zusammen als Lindsey Vonn und Tiger Woods." - Schröcksnadel zeigte vom Plan eines alpinen Ski-Weltcup-Rennens in Wien-Schönbrunn begeistert.

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"Der ÖSV hat von Beginn an stets korrekt gehandelt und sich nichts vorzuwerfen, dies steht nunmehr auch gerichtlich fest. Der Skiverband hat sich seit jeher vehement im Kampf gegen Doping engagiert", betonte Schröcksnadel in einer ÖSV-Aussendung.

Pietro von Hausen

"Im Ziel ist es besser für mich, Herztabletten zu nehmen, so aufregend ist das." - Schröcksnadel zitterte stets mit seinen Schützlingen mit.

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"Dass die Abfahrt die Königsdisziplin ist, behaupten die Medien, weil wir früher eine Abfahrtsnation waren. Aber dort ist auch die Konkurrenz am Geringsten!" - Schröcksnadel zur Situation, dass Österreichs Abfahrer sieglos zu Olympia fahren.

Gepa

"Bei uns ist es wie bei Real Madrid. Die sind zwar früh ausgeschieden, haben aber trotzdem eine sehr gute Mannschaft." - Schröcksnadel hielt seinem Team nach dem verpatzten Weltcup-Finale die Stange.

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"Der Gruber hat es immer vermasselt bei Großereignissen. Hätte er es nicht vermasselt, hätte er jetzt die Chance wohl bekommen." - Schröcksnadel nach der Entscheidung, Hermann Maier und nicht Christoph Gruber den letzten Abfahrts-Platz zuzusprechen.

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"Es kann nichts Schöneres geben. Wen man die Abfahrt gewinnt, hat man alles gewonnen". - Schröcksnadel nach der Olympia-Gold-Fahrt von Fritz Strobl.

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"Wofür lebe ich denn, wenn man die Enkel nicht mehr sehen und nirgends mehr hingehen darf? Dann sterbe ich lieber“, sagte Schröcksnadel, der mit den strengen Corona-Sicherheitsmaßnahmen nicht ganz glücklich war.

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"Ein herzliches Willkommen dem mächtigsten Sportverband Europas und seinem Napoleon." - Der steirische Landesrat Gerhard Hirschmann bei der Eröffnungsfeier der Snowboard-WM auf dem Kreischberg über den ÖSV und Schröcksnadel.

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"Er hat gesagt, wenn ich Olympiasieger werde, zahlt er mir einen Surftrip nach Hawaii. Jetzt geht sich vielleicht Ägypten aus." - Snowboard-Bronzegewinner Benjamin Karl über sein Streitgespräch mit Schröcksnadel bei Olympia in Sotschi.

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"Ich bin ein Gasthauskind, das ist also so angeboren. Aber so sprachlos wie in St. Moritz war ich noch nie. Zwar ist der Präsi zu mir gekommen und hat geglaubt, er kann jetzt blöd reden, aber es ist von mir nix zurückgekommen." - Nicole Schmidhofer nach Super-G-WM-Gold 2017 in St. Moritz.

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"Der Präsident wird wieder den Bademantel brauchen." - Stephanie Venier kündigte für die Feier ihrer Silbermedaille in der Abfahrt eine Wiederholung der feucht-fröhlichen Fete der Kombi-Dritten Michaela Kirchgasser an, als Schröcksnadel letztlich durchnässt in einen Bademantel schlüpfen musste.

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"Ich prophezei' vor jedem Großereignis sechs bis acht Medaillen. Und keinem ist aufgefallen, dass ich immer das selbe sag." - Schröcksnadel beim ÖSV-Heurigen im Oktober in Wien.

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"Meine Lebensphilosophie? Ich gebe das Lenkrad nie aus der Hand."

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Morgen soll sein Nachfolger perfekt gemacht werden, es ist mit Karl Schmidhofer nicht Schröcksnadels erste Wahl. Aber: „Ich kann ihn akzeptieren.“ Rumoren wird es im Verband aber wohl noch weiter ein wenig. Nicht zuletzt, weil Schröcksnadel weiter präsent sein wird; auf welche Art auch immer.

Zur Person

Peter Schröcksnadel, geboren am 30.7.1941 in Innsbruck.
Wohnort: Innsbruck
Ausbildung: HAK-Matura, Jus-Studium, Lawinensuchexperte
Hobbys: Skifahren, Fliegenfischen
Beruf: Unternehmer (1964 Sitour, 1978 Feratel), Geschäftsführer der ÖSV-Tochtergesellschaften, Sportfunktionär: Referent für allgemeinen Skilauf im ÖSV (1978 - 1990), ÖSV-Präsident (1990 - 2021), Council-Mitglied im Internationalen Skiverband (FIS), Präsident Europäischer Skiverband (2009 - 2012), Vizepräsident ÖOC, Besitzer mehrerer Skigebiete
Auszeichnungen/Erfolge (Auswahl): Professortitel (1992), Großes Ehrenzeichen der Republik (2011), Sportler des Jahres/Special Award für Lebenswerk (2013); 2001 Senioren-Weltmeister im Riesentorlauf

Klar ist in der Zwischenzeit: Michael Walchhofer, der als Kandidat nicht Schröcksnadels Gnade fand, will sich auch nicht mehr als Vizepräsident zur Verfügung stellen. „Ich hatte sehr gute Gespräche mit ihm“, sagte Karl Schmidhofer, der designierte neue Präsident, „aber ich verstehe, dass er nicht wollte. Und als OK-Chef von Zauchensee wird er mit seinem Wissen und seiner Expertise ja weiterhin dem Sport zur Verfügung stehen.“

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Danke für Ihr Verständnis.

seinerwe
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Verdienstvoll

Ein verdienstvoller Mann, der eine reibungslose Übergangszeit wollte. Das hat er aber schon vor Jahren versäumt. Trotzdem eine tolle Präsidentschaft....

Hapi67
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Vom verdienstvollen Visionär

zum beleidigten alten Sesselkleber mit Nachtrittgarantie.

Vielen Dank

fon2024
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Andaman

Bitte was war so schlecht von Schrecken.

Bodensee
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wie dieser Typ mit Walchhofer umgegangen ist.....

.......war unterste Schublade. Ich hoffe, dass Schröcksnadel medial nie mehr in Erscheinung treten wird.

Gandhi
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Danke für alles, Peter Sclröcksnadel!

Alles war perfekt!!

GustavoGans
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Eher wie Jogi Löw

Zur richtigen Zeit den Absprung verpasst.