Angespannt. Beinahe bis zum Zerreißen angespannt. So war die Stimmung im weiten Rund der Planai im zweiten Lauf, als ein Österreicher nach dem anderen an dem vom Deutschen Stefan Kogler durchaus ambitioniert ausgeflaggten Kurs scheiterte. Ein Kurs, der auch dem Halbzeitführenden Linus Straßer zum Verhängnis wurde, der den dritten Schladming-Sieg in Serie verpasste; als Vierter ins Ziel kam. Davor: Marco Schwarz? Ausgefallen. Johannes Strolz? Ausgeschieden. Und als Fabio Gstrein im drehenden Steilhang gegen das Aus kämpfte, wurde von manchen schon der Gedanke eines Fluchs laut, der über Österreichs Slalom-Herren liegt. Gäbe es einen, er wäre besiegt.
Denn letztlich gab es zwar auch im 30. Rennen in Serie keinen Sieg, doch durften die 22.500 Fans endlich die ersten Podestplätze der Saison für Österreichs Slalom-Artisten bejubeln, nur den Sieg, den holte sich der Norweger Timon Haugan, der sich so für die Enttäuschung in Kitzbühel rehabilitierte, seinen zweiten Saisonsieg einfuhr. Aber dahinter feierte Manuel Feller die Rückkehr aufs Stockerl beinah wie einen Sieg und Fabio Gstrein war überhaupt die Seligkeit in Person. Im 66. Weltcuprennen fuhr der Ötztaler endlich aufs Podest – die Party war garantiert.
„Ja, es ist Zeit geworden“, meinte da ein erleichterter Feller, „aber man kann es halt nicht erzwingen.“ Der 26. Podestplatz seiner Karriere war besonders hart erkämpft: „Es war heute wirklich sehr zäh, in so einem Lauf. Gott sei Dank hat es funktioniert.“ Und dann sprudelte es wieder aus dem 32-Jährigen heraus: „Natürlich ist das in gewisser Hinsicht ein Befreiungsschlag. Und wir werden versuchen, den Aufschwung mitzunehmen. Aber die Pause bis zum Slalom ist lang.“ Eine Pause, in der er sich aber auch den Druck vor Augen führen kann, dem er standgehalten hat: „Ich wollte wirklich ins Ziel kommen.“ Und er wusste auch, als der Halbzeitführende Linus Straßer als Vierter im Ziel abschwang, dass er das Podest mit Teamkollege Gstrein teilen durfte, für den war das eine Premiere: „Endlich hat er seine Trainingsleistung im Rennen abgeliefert, weil da paniert er mich immer.“
Gstrein lachte da mit, auch er hatte sich gegen einen Ausfall gestemmt – und bewiesen, dass er doch attackieren kann, auch über zwei Läufe. „Aber ich habe es immer wieder probiert, es ist ja auch zuletzt ständig bergauf gegangen, Schritt für Schritt. Dass es sich heute ausgeht, hätte ich aber fast nicht mehr geglaubt“, meinte der 27-Jährige, dessen Spitzname „Ötzi“ ist, kopfschüttelnd.
Auch im Trainerteam war die Erleichterung groß: „Endlich haben die Burschen gezeigt, was sie können“, sagte Martin Kroisleitner. Es ist ja auch nicht immer leicht, wenn wir sagen müssen, dass sie schnell sind und wir sehen es nicht auf dem Papier. Es war eine schwierige Zeit, aber wir haben zusammengehalten. So aber kann man in eine WM gehen.“
Aus dem Top-Trio aber behielt Haugan die Nerven. Er war zuletzt in Kitzbühel als Führender ausgeschieden. „Der Tag nach Kitzbühel war richtig hart. Es war hart zu akzeptieren, dass das passiert war. Es hat dann sehr geholfen, dass wir gestern gleich wieder ein Rennen gehabt haben.“ Straßer verpasste das Schladming-Triple nach den Siegen 2022 und 2024 und haderte: „Das, wo ich den anderen überlegen bin, konnte ich im zweiten Lauf nicht mehr ausspielen.“.