Vincent Kriechmayr schüttelte den Kopf: „Der vierte Platz tut mir weniger weh als die Fahrt, so viel muss ich gestehen. 1,2 Sekunden Rückstand, das ist ja, als ob ich zu Fuß runtergegangen wäre“, ging der 33-Jährige wie immer sehr hart mit sich ins Gericht. „Es war fehlerhaft, oben zu gerade, unten zu rund, einfach nicht gut – kein Timing, kein Fluss. Auch wenn es mich freut, dass Raphael (Haaser, Anm.) heute mit Silber gestochen hat, auch er hat bei Weitem nicht gezeigt, was er drauf hat.“ Um dann doch eines zuzugestehen: „Ein großes Kompliment an Marco Odermatt, den besten Athlet der Gegenwart. Seine Fahrt muss unglaublich gewesen sein. Meine war es leider nicht.“ Da dachte er auch nicht lange darüber nach, dass die fehlenden fünf Hundertstelsekunden auf Bronzemedaillengewinner Adrian Smiseth Sejersted aus Norwegen leicht zu finden gewesen wären: „Ja, ein Fehler weniger hätte gereicht. Aber ich habe ja schon so oft Glück gehabt – und es wird wiederkommen.“

Nun gelte es, das Knie wieder in den Griff zu bekommen, „denn das habe ich schon betäubt. Nicht die Muskulatur, aber das Rundherum, damit der stechende Schmerz nicht so schlimm ist“, sagte der Oberösterreicher. Das Lob, das er sich selbst vorenthielt, kam dafür von Trainer Sepp Brunner: „Er ist ein Großer, das hat er bewiesen, weil er mit dieser Verletzung gefahren ist. Ich hoffe, sein Knie beruhigt sich bis Sonntag, denn nach dem ersten Training ist es ihm nicht gut gegangen.“ Der Murtaler war sichtlich stolz auf seine Mannschaft, denn: „Alle vier sind um eine Medaille gefahren, vier Mann sind in den Top elf. Auch wenn wir nicht alles perfekt erwischt haben, sonst wären wir näher an Marco dran gewesen.“

Brunner lobte natürlich Haaser, von dem „ich immer gewusst habe., dass er einer der besten Skifahrer ist, einen schnellen Schwung hat. Aber er ist auch im Kopf reifer geworden. Momentan aber überraschte er sogar mich, wie gut er drauf ist.“ Sein steirischer Landsmann Stefan Babinsky verfehlte als Sechster das Podest ebenso nur knapp, „aber die zwei Zehntel hat er gleich beim ersten Tor verloren“, meinte Brunner. Babinsky selbst war trotzdem zufrieden: „Ich habe alles reingehaut, was ich gehabt habe, ich kann mir nichts vorwerfen“, meinte er und konnte auch darüber schmunzeln, dass Saalbach die erste WM ist, bei der nur die Top drei zur Siegerehrung dürfen: „Die Verantwortlichen werden schon wissen, wie sie entscheiden.“

Der einzige ÖSV-Athlet, der wirklich nicht zufrieden war, war Raphael Haaser: „Ich habe Odi oben gesehen. Er hat diesen unglaublichen Willen gezeigt, du hast gesehen: Diesen Sieg will er unbedingt. Das habe ich heute leider nicht geschafft.“