Es ist freilich nur purer Zufall, soll hier aber dennoch Erwähnung finden: So erblickte Filip Misolic an einem 8. August (und zwar im Jahr 2001) das Licht der Welt und feiert somit am selben Tag Geburtstag wie die Herren Roger Federer (1981) und Felix Auger-Aliassime (2000). Die beiden Letztgenannten haben in der großen Welt des Tennis-Zirkus zwar weit mehr Erfolge als der Grazer verbucht, doch was noch nicht ist, kann aus Sicht des Steirers ja noch werden. Bei den derzeit laufenden French Open in Paris hat „Miso“ auf alle Fälle nun mit seinem 7:6, 7:6, 4:6, 4:6, 6:3-Zweitrundensieg über den weit höher gereihten Denis Shapovalov (ATP-Nr. 31) ein lautes Rufzeichen gesetzt und neben seinem überraschenden Finaleinzug in Kitzbühel (2022) seinen bisher größten Triumph fixiert.
Der kommt nicht von irgendwo, hat Misolic heuer doch bereits eine tolle Aufwärtstendenz serviert. Als Nummer 315 in die Saison gestartet wird der Steirer nach aktuellem Stand nach Paris zumindest auf Position 140 aufscheinen und ist damit nur noch 14 Plätze von seinem bisherigen Karriere-Hoch (126 im April 2023) entfernt. Ob es für den Schützling von Ante Andric und Lorenz Fink in der „Stadt der Liebe“ noch weiter nach oben geht, entscheidet sich am Samstag, wenn der Österreicher in der dritten Runde auf den erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten trifft: Novak Djokovic.
Natürlich schlägt Misolic, der erst vor wenigen Wochen in Prag seinen dritten Challenger-Titel dingfest gemacht hat, als krasser Außenseiter in die Partie auf, doch kann er in der Rolle des „David“ mit dem gewonnenen Selbstvertrauen und dem Wissen, nichts verlieren zu können, gegen den Tennis-Goliath munter drauflos spielen. Zudem ist der „Djoker“ für Misolic kein völlig unbeschriebenes Blatt, hat der 24-fache Grand-Slam-Sieger im Vorjahr den Grazer doch zu einer sechstägigen Trainingssession nach Montenegro eingeladen. Hinzu kommt die Tatsache, dass Djokovic zwar erst in der Vorwoche in Genf seinen 100. Turniersieg geholt hat, aber nicht mehr als völlig unantastbar gilt.
Vieles wird davon abhängen, wie gut Misolic den 4:18-Stunden-Krimi gegen Shapovalov körperlich verdauen kann. „Es war das bisher längste Match meiner Karriere und es war mental und physisch sehr anstrengend. Heute fühle ich mich etwas müde, aber ich werde mich noch zweimal vom Turnier-Physio behandeln lassen und nur eine Trainingseinheit absolvieren“, erzählt der Steirer, der unzählige Gratulationen und Interview-Anfragen erhalten hat. „Das Handy klingelt in einer Tour, ich konnte noch nicht allen antworten“, lächelt das bescheidene Tennis-Ass, das seinen Erfolg erst langsam realisiert. „Nach und nach wird es mir bewusster. Nach dem Sieg über Shapovalov war ich noch voller Adrenalin. Jetzt freue ich mich einfach, noch im Bewerb zu stehen.“
Wie er es gegen Djokovic anlegen will? „Wir spielen vor einer Riesenkulisse, da werde ich am Anfang bestimmt etwas nervös sein. Aber ich habe nichts zu verlieren und werde versuchen, wie in jedes andere Match reinzugehen und mich ganz auf mich fokussieren. Es wird ein schwieriger Kampf, aber ich freue mich auf die Chance und werde sehen, wo ich aktuell stehe.“ Neben Coach Andric wird Misolic heute auch von einem Großteil seiner Familie in Paris unterstützt werden. „Mein Bruder, mein Papa und mein Onkel fliegen extra hierher. Das freut mich riesig.“ Nicht dabei ist Touring-Coach Lorenz Fink. „Er hatte zuletzt noch andere Projekte zu betreuen und hat gerade geheiratet. Aber ich hoffe, dass wir für die Zukunft eine gute Lösung finden.“