Johanna Färber klettert seit 20 Jahren. Die 27-jährige Grazerin wird auch nicht damit aufhören. Aber die Karriere als Sportkletterin ist vorbei. „Nach langem Überlegen“, sagt Färber. „Das ist ja nix, was man von heute auf morgen entscheidet.“ Viele Verletzungen in den letzten Monaten und Jahren haben dann aber den Ausschlag gegeben, sich für den Schritt zu entscheiden. „Ich bin in dem Sport mit 27 Jahren ja schon ein alter Hase“, sagt Färber. Mit 30 wäre sowieso Schluss gewesen, die Besten der Welt sind mittlerweile 18 oder 19 Jahre alt.

Mit Färbers Erwartungen an sich selbst war das eben nicht mehr kompatibel. „Ich weiß, wo ich im Weltcup mitmischen möchte. Das wäre sich nicht mehr ausgegangen.“ Drei Mal war die Steirerin im Weltcup in einem Finale, durfte sich Boulder-Staatsmeisterin nennen. „Ich bin mit meiner Karriere sehr zufrieden“, sagt sie. „Ich weiß aber, dass es nicht mehr besser wird.“ Das hat dann eben auch den Ausschlag gegeben, unter der Karriere einen Schlussstrich zu ziehen. „Ich habe wirklich schon lange mit dem Gedanken gespielt und mit unterschiedlichen Leuten darüber gesprochen. Das ist ja dann doch eine krasse Entscheidung, ich habe jetzt 20 Jahre nichts anderes gemacht.“

Auch nach der Karriere keine, die auf der Couch liegt

Am Trainingsplan der Steirerin hat sich noch nicht viel geändert. „Ich liebe den Sport, er wird immer ein Teil meines Lebens bleiben“, sagt sie. „Es fällt mir schwer, nicht zu klettern.“ Außerdem: Ihr Erwachsenen-Leben lang hat Färber nach einem Trainingsplan gelebt. „Ich bin sehr ehrgeizig und schaue, dass ich das auch jetzt durchziehe“, sagt sie. „Ich bin keine, die einfach auf der Couch liegen bleibt, weil sie darf. Das muss ich vielleicht erst lernen.“

Lernen wird überhaupt in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen. Dass Färber nach ihrer Karriere sich in Richtung Physiotherapie spezialisieren will, steht für sie schon länger fest. Ohne große Erwartungen hat sie jetzt die Aufnahmeprüfung für das Studium an der FH Joanneum gemacht – und wurde angenommen. „Das war immer so geplant. Dass das jetzt so nahtlos funktioniert, ist natürlich großartig“, sagt sie.

Zuletzt hauchdünn am Staatsmeistertitel vorbei

Durchaus vorstellbar, dass sie in Zukunft als Kletter-Trainerin tätig ist. „Der Sport wird in meinem Leben bleiben.“ Den Weltcup in Bern hat sie sich im Stream angeschaut, in Innsbruck wird sie live dabei sein. Bei all den Höhen und Tiefen in der Karriere bleiben „viele coole Erinnerungen“. Ein Wermutstropfen? Vor wenigen Wochen hat die 27-Jährige hauchdünn einen weiteren Staatsmeistertitel im Bouldern verpasst. „Das ist schade, weil viel hat nicht gefehlt.“