Felix Gall hätte auf der Königsetappe der Tour de France ein ganz großes Feuerwerk abbrennen können. So wie er es 2023 auf dem Col de la Loze tat, als er siegte. Hätte, denn es fehlten nur Kleinigkeiten und der exquisite Plan des Teams „Decathlon“ wäre voll aufgegangen. Er scheiterte vor dem letzten Anstieg auch am „Unwillen“ von Tadej Pogačar (UAE) und Jonas Vingegaard (Visma), das Tempo in einer kleinen Gruppe hochzuhalten.
Doch dem „Roadbook“ nach: Gall gestaltete die Königsetappe sehr offensiv, fuhr eine Attacke von Primož Roglič (Red Bull) bereits am Col du Glandon mit. Da waren noch 128 Kilometer und samt dieses Berges der höchsten Kategorie noch zwei weitere zu fahren. Auf dem Col de la Madeleine schlossen dann die zwei Topstars auf, mit denen Gall über den Gipfel und ins Tal rollte. Einige direkte Konkurrenten des Osttirolers waren in der Gruppe dahinter. Doch dann entschieden sich die zwei Superstars dazu, auf ihre Teamkameraden zu warten. Ben O‘Connor (Jayco) setzte sich mit Einer Rubio (Movistar) ab, der das Tempo nicht halten konnte. Gall „sprang“ dieses Mal nicht mit. „Ich habe alles versucht und das doch etwas offensiver, als ursprünglich geplant“, sagt Gall, „es hat zwischenzeitlich auch sehr gut ausgesehen. Aber es war im Tal dann eine neue Rennsituation und ich habe diese Attacke verpasst. Es war dann etwas frustrierend, dass wir eingeholt worden sind.“.
Bitter, denn die Flucht war erfolgreich. Der Australier fuhr auf dem Col de la Loze solo zum Sieg. Damit schloss sich auf diesem Berg ein Kreis: Vor zwei Jahren war er der letzte Mann an der Seite von Gall, als er auf diesem Giganten die Königsetappe für sich entschieden hatte. Ben O‘Connor opferte sich damals bis zur Verausgabung für den Osttiroler auf und dieses Mal wurde er gefeiert.
Gall überholte Vauquelin im Gesamtklassement
Gall wurde am Ende des Teilstücks Sechster und überholte damit Kévin Vauquelin (Arkéa) in der Gesamtwertung. „Ich hatte doch etwas Angst, dass ich am Schlussanstieg Probleme bekommen“, sagte Gall, „aber schlussendlich bin ich sehr, sehr zufrieden und habe ein gutes Rennen gezeigt.“
Der Kampf um das Gesamtklassement ist mit der Königsetappe aber nicht beendet, denn schon am Freitag müssen die Berufsradfahrer wieder ihre Kletterqualitäten unter Beweis stellen. Die letzte Hochgebirgsetappe führt von Albertville über vier Bergwertungen hinauf zur Bergankunft in La Plagne. „Wie ich es in den letzten Tagen gesagt habe: Wenn ich als Siebenter in Paris einfahre, bin ich sehr zufrieden. Nun habe ich einen Platz gewonnen, das ist natürlich noch besser. Aber wir haben noch einen extrem schweren Tag und es kann viel passieren. Aber es sieht gut aus“, sagt der Achte der Tour von 2023.