Es ist nicht nur eine Wand, die morgen auf das Peloton zukommt, es sind derer gleich drei. Das Feld der Tour prallt auf die Alpen und die zeigen sogleich mit voller Wucht ihre Brutalität: Der Col du Glandon, der Col de Madeleine und die Bergankunft auf dem Col de la Loze werden morgen befahren und damit gleich drei Pässe der höchsten Kategorie – „Hors Catégorie“. Insgesamt warten 171 Kilometer und 5642 Höhenmeter. Es ist der Tag der Königsetappe und einer, an dem sich mit einem Schlag alles auf den Kopf stellen kann.
Während der Stern von Felix Gall mit dem Etappensieg am 19. Juli 2023 auf dem Col de la Loze richtig aufging, war dieser Tag eine der bittersten Niederlagen von Tadej Pogačar. „I‘m gone, I‘m dead – ich bin weg, ich bin tot“, sagte er damals in den Teamfunk, als er im Anstieg „explodierte“. Bis ins Ziel verlor er 5:45 Minuten auf Jonas Vingegaard und damit endgültig die Hoffnung auf den Gesamtsieg. Der Berg trägt den Beinamen „Bestie der Alpen“ und ist der Angstberg des Slowenen, der mutmaßt, diese Streckenwahl soll ihn sogar verunsichern. „Der Kurs wurde dieses Jahr geplant, um mich zu verunsichern, da bin ich mir fast sicher.“ Wiewohl er heuer erstmals in der Tourgeschichte von Osten via Courchevel befahren wird – Neuland für alle Fahrer. 26,5 Kilometer bei einer mittleren Steigung von 6,4 Prozent warten und Pogačar stellt klar: „Jetzt geht es mir nicht um Revanche, sondern einfach nur darum, gute Beine zu haben. Das ist einer der härtesten Berge, die ich je gefahren bin, aber ich freue mich darauf. Ich bin sehr optimistisch. Es wird intensiv sein, aber wir sind auf alles vorbereitet. Vor allem auf einen Kampf mit Jonas und Visma.“ Der Däne hat einen Rückstand von 4:15 Minuten auf den slowenischen Gesamtführenden. Gall (+14:50) geht als Siebenter in das 18. Teilstück. Am Freitag wartet mit der Etappe von Albertville nach La Plagne die drittschwerste Etappe dieser Austragung.
Auf der 17. Etappe verhielten sich die Kapitäne im Regen ruhig und rollten möglichst sicher in Richtung Ziel. Das, in Valence gelegen, wurde nach einer gestellten Fluchtgruppe zum Schauplatz eines schnellen gefährlichen Sprints. An der Flamme Rouge, der Markierung des letzten Kilometers, kamen einige Fahrer knapp hinter der Spitze zum Ziel. Jonathan Milan (Lidl Trek) setzte sich mit seinem zweiten Sieg bei dieser Tour auch in der Punktewertung ab.