Beim Saisonauftakt in Melbourne war er die große Sensation: Rookie Arvid Lindblad im Racing Bull. Gerade einmal 18 Jahre alt, Brite mit schwedisch-indischen Wurzeln – und bei seinem Debüt gleich im dritten und letzten Qualifying-Abschnitt, dazu mit Platz acht gleich vier wichtige Punkte für das Team geholt. Und: er war sofort zumindest auf dem Level seines erfahreneren Teamkollegen Liam Lawson.
Mehrere internationale Fachmagazine setzten Lindblad in ihrem Fahrer-Ranking nach Australien unter die Top 3, auch teamintern gab es sehr viel Lob für den langjährigen Schützling von Helmut Marko, der Lindblad einst als 13-Jährigen ins Red-Bull-Junior-Programm geholt hatte.
Der Liveticker zum Sprint und zum Qualifying:
Mit dem Motorsport kam Lindblad schon sehr früh in Kontakt. Bereits mit drei Jahren setzte ihn sein Vater auf ein kleines Motocross-Bike. Das fand die Mama allerdings zu gefährlich, also wurde bald ein Kart daraus. Als Lindblad mit fünf Jahren zusammen mit seinem Vater Formel-1-Rennen im Fernsehen anschaute, entschied er für sich: Da will ich auch einmal hin. „Ich weiß nicht genau, woher das kam“, sagt er heute. „Aber irgendwie war ich fest entschlossen, dass da mein Ziel ist, dass ich unbedingt einmal Formel 1 fahren will. Und ich habe immer gefragt, was ich tun müsse, um das zu schaffen.“
Jetzt, nachdem er es geschafft hat, konnte er in Melbourne seinen starken Einstand erst einmal gar nicht fassen: „Ich glaube, ich muss mich erst noch ein paar Mal zwicken, um das wirklich zu realisieren.“ Dass er direkt nach dem Start sogar kurz auf Rang drei lag, „hätte ich nie erwartet. Aber trotzdem darf ich nicht zu euphorisch werden, es war schließlich nur ein Rennen.“
Ein bisschen Euphorie kam freilich vom eigenen Team: „Ganz ehrlich, ich freue mich extrem für Arvid“, sagt Racing-Bulls-Geschäftsführer Peter Bayer. „Er kam mit viel Lob von Helmut zu uns, der immer gesagt hat: Dieser Junge ist auf dem Level von Isack Hadjar.“ Das habe sich bestätigt: „Er hat absolut geliefert. Die Ingenieure lieben ihn. Er ist sehr fokussiert. Er arbeitet hart. Er setzt sich hin und lernt das ganze Motor-Thema, die Schalter, die Modi.“ Das sei „sehr beeindruckend, gerade für einen 18-Jährigen.“
Extrem anpassungsfähig ist er offensichtlich auch – wichtig in einer Phase, in der alle angesichts des neuen Reglements noch ständig dazulernen. Erst während des Rennens in Melbourne habe man herausgefunden, dass wir bis zu zwei Sekunden gewinnen können, wenn Arvid seine Art ändert, wie er die verschiedenen Modi nutzt, einsetzt und abruft“, verriet Bayer, „das wusste vorher niemand.“ Wobei der Youngster die Anweisungen seiner Ingenieure offenbar perfekt umsetzen konnte.
Der Auftakt an diesem Wochenende in Shanghai verlief nicht besonders glücklich: Ein Chassis-Defekt stoppte ihn schon nach sechs Runden im freien Training – und das auf einer für ihn komplett neuen Strecke. Besonders ärgerlich natürlich an einem Sprint-Wochenende: Lindblad musste so mit minimaler Vorbereitung ins Sprint-Qualifying, behielt aber die Nerven und schaffte es zumindest ins Q2, obwohl er mit dem Set-up seines Autos nicht besonders zufrieden war.
„Ich hatte ziemlich wenig Grip, das Auto war beim Einlenken in die Kurven ziemlich instabil und ich bekam Untersteuern.“ Startplatz 14 ist keine ideale Ausgangsposition für Punkte im Sprint, „aber der Fokus liegt jetzt darauf, da so viel wie möglich zu lernen und dann im Qualifying für das Hauptrennen besser auszusehen.“ Mit dem Ziel, dann am Sonntag doch wieder in die Punkte kommen zu können.
Um sich dann vielleicht erneut Glückwünsche von Dr. Helmut Marko abholen zu können – so wie nach Melbourne, als sein langjähriger Förderer sich prompt bei ihm meldete. „Ich habe mit ihm gesprochen. Er hat mich am Montag angerufen“, erzählte Lindblad jetzt in Shanghai. „Ich habe eine sehr spezielle Beziehung zu Helmut. Schließlich hat er mich ins Red-Bull-Programm geholt, als ich 13 war.“ Der Grazer sei eine der wichtigsten Personen in seiner Karriere gewesen. „Ich bin ihm sehr dankbar für alles, was er für mich getan hat. Er ist ein entscheidender Grund dafür, warum ich dieses Jahr diese Chance bekommen habe. Ich finde es schade, dass er nicht mehr im Paddock ist.“