Uneinholbar schien Max Verstappen zum Saisonstart 2024 in seinem RB20 zu sein. Nach vier Siegen in den ersten fünf Rennen sahen den Niederländer schon viele als fixen Weltmeister, zu dominant waren die Auftritte des 27-Jährigen in Bahrain, Japan und Co. Die Frage war nur noch wann Verstappen zum vierten Mal die Krone aufsetzt, nicht ob. Der weitere Saisonverlauf war dann aber alles andere als königlich, sondern der wohl härteste WM-Kampf in der Karriere des vierfachen Champions. Oftmals saß er gegen Saisonende nicht einmal mehr im drittschnellsten Auto, was umso mehr die Ausnahmeleistung Verstappens unterstrich.

Der unerklärliche Leistungsabfall des Autos bei Red Bull Racing im Vorjahr sollte auch eine Warnung an alle McLaren-Fans sein, die ihr Team bereits vor dem Saisonstart als Weltmeister ausgerufen haben. Schon bei den Testtagen waren die Rennsimulationen des britischen Traditionsrennstalls beeindruckend. Dieser Trend setzte sich in Australien in Training und Qualifying fort – mit einer für die Konkurrenz erschreckenden Konstanz. „Wenn du zu Beginn des Jahres sechs Zehntel Vorsprung hast, überwindet niemand diese sechs Zehntel im Laufe des Jahres. McLaren ist momentan in einer Spitzenposition für jetzt und die Zukunft“, resignierte Mercedes-Mann George Russell in Melbourne schon fast. „Sie könnten die Entwicklung jetzt schon stoppen und sich voll auf das Auto für 2026 konzentrieren und es wäre trotzdem schwierig, den Rückstand aufzuholen.“

McLaren überall stark

Logischerweise ist das Hochjubeln der Konkurrenz in der Motorsport-Königsklasse ein häufig genutztes Manöver, um den Druck auf andere zu erhöhen, während man sich selbst gerne in die Außenseiterrolle packt. Doch ist es auch ein Fakt, dass der MCL-39 in trockenen Verhältnissen zumindest derzeit der stärkste Wagen der Formel 1 ist. „Das ist ein unglaubliches Auto“, schwärmte auch Lando Norris im Albert Park über das eigene Arbeitsmaterial. Zumindest auf der Strecke in Melbourne ist McLaren eine Macht. Ein Trend, der sich aufgrund der speziellen Charakteristik des Kurses nicht unbedingt auf anderen Strecken fortsetzen muss. Der Große Preis von Australien war schon immer ein Platz für Überraschungen.

Die großen Stärken des Autos liegen vor allem im schonenden Umgang mit den oft verhaltensauffälligen Pirelli-Reifen und der Balance, die Mechaniker beim MCL-39 nicht lange suchen müssen. „McLaren hat ein Auto, das überall schnell ist und nahezu keine Schwächen hat. Genau das war auch einmal unsere Stärke“, weiß auch Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko über die Stärken des WM-Konkurrenten Bescheid. Doch der Grazer erfuhr im Vorjahr selbst, wie schnell so ein uneinholbar scheinender Vorsprung schmilzt, wenn die Entwicklung plötzlich in die andere Richtung geht. Eine Gefahr, die so auch für McLaren besteht.