Von den dominanten Zeiten, in denen die eigene „Bullenherde“ bereits beim ersten Grand Prix die Konkurrenz in Grund und Boden getrampelt hat, ist Red Bull Racing zum Saisonstart 2025 weit entfernt. Der große Gejagte ist mit McLaren klar ausgemacht, die Rolle des Jägers beim britisch-österreichischen Rennstall angenommen. Weltmeister Max Verstappen gab sich gewohnt bescheiden, stellte vor dem Saisonstart mehrmals fest, dass man relativ klar „nicht das schnellste Auto“ in den eigenen Reihen habe.
Und während solche Aussagen in der Vergangenheit kalkulierte Tiefstapelei waren, ist es mittlerweile knallharte Realität. Die gewisse Lockerheit ging nicht zuletzt mit der Causa um Teamchef Christian Horner im Vorjahr zusehends verloren, als in Folge auch Erfolgsgaranten wie Adrian Newey oder Jonathan Wheatley den Rennstall verließen. Red Bull Racing muss mehr denn je beinhart für den eigenen Erfolg kämpfen.
Suche nach perfekter Balance
Dieser Kampf beginnt am Sonntag (5 Uhr, ORF 1) auf den Straßen Melbournes, wenn Verstappen und dessen frischgebackener Teamkollege Liam Lawson durch den Albert Park jagen. In den Trainingssessions tat sich das Duo schwer, vor allem der Rookie aus Neuseeland hatte noch Probleme mit dem neuen RB21 und seiner Premiere auf der anspruchsvollen Strecke. „Wir vergleichen ihn mit Kimi Antonelli von Mercedes, der ist ja auch das erste Mal hier. Die beiden waren fast zeitgleich. Es ist also okay, aber da soll schon noch mehr kommen“, meinte Motorsportberater Helmut Marko.
Mehr kommen muss auch vom Auto selbst, das gegenüber der Testfahrten in Bahrain mit vielen Updates am Start steht. Die perfekte Abstimmung habe man in Milton Keynes noch nicht gefunden, die Richtung stimme aber. „Wir haben sicherlich eine Verbesserung erzielt, aber nicht alles Negative wegbekommen, wenn es um die Eigenschaften des Autos geht. Das war jetzt die erste Stufe an Veränderungen am Auto, deshalb würde ich mich nicht festlegen, dass es die ganze Saison so sein wird.“
Entscheidende Saison 2025
Red Bull Racing wäre jedenfalls gut beraten, dem besten Fahrer der Gegenwart auch das beste Auto der Gegenwart hinzustellen. Die Niederlage gegen McLaren in der Konstrukteurs-WM des Vorjahres schmerzte sehr, während Verstappens vierter Fahrertitel einzig und allein auf die Ausnahmeleistungen des Niederländers zurückzuführen war, der 2024 alles und noch mehr aus dem Boliden herausholte. Rennen für Rennen dürfen sich die Bullen das aber nicht vom 27-Jährigen erwarten.
Der vierfache Weltmeister will gewinnen, egal wann und zu welchem Preis. Ist das bei Red Bull nicht mehr regelmäßig möglich, ist ein Wechsel zur Konkurrenz, allen voran Aston Martin oder Mercedes, in Zukunft alles andere als Fantasie. Deshalb wäre ein Erfolgserlebnis zum Start in Melbourne wichtiger denn je. Trotz aller Schwierigkeiten und dem vermeintlich schnelleren Konkurrenten in Orange ist der Optimismus aber groß, vor allem nach einem Blick auf den Wetterbericht. „Es hat ja Regen angesagt“, schmunzelte Marko in Melbourne. „Dann ist sicher der Max-Faktor wieder da.“