Lucas Auer, ein Typ von nebenan und allseits mit einem lockeren Spruch auf den Lippen, beweist, dass ein Rennfahrer nicht etwa arrogant oder ein Einzelgänger sein muss. Geschwindigkeit liegt ihm im Blut. Beruflich ein akribischer und ehrgeiziger Perfektionist mit einem unbändigen Willen, ist der Neffe des ehemaligen Formel-1-Piloten Gerhard Berger privat bodenständig und heimatverbunden.
Ein Blick in seine vier Wände im Elternhaus in Kufstein genügt, um zu wissen, dass sich sein Leben um den Motorsport dreht. Schnappschüsse, wohin man schaut – von Kindheitserinnerungen bis zu eindrucksvollen Rennszenen – Rennsimulator inklusive. Auf sein großes Idol, Ayrton Senna, angesprochen gerät „Luggi“ nur so ins Schwärmen: „Er ist in meinem Geburtsjahr verunglückt. Aber im Motorsport wirst du früher oder später mit ihm konfrontiert, weil er diese Legende ist. Dieser Mann hat eine Aura – das ist pure Faszination.“
Sein aktuelles Leben dreht sich um den DTM-Showdown am Wochenende in Hockenheim. Der Kampf um den Titel könnte nicht spannender und spektakulärer sein. Zwei Rennen vor Schluss liegen die ersten acht Fahrer gerade einmal 25 Punkte auseinander – ein Sieg bringt 25 Zähler. Dem 31-Jährigen dicht auf den Fersen ist Jordan Pepper im Grasser-Racing-Lamborghini – er hat sieben Punkte Rückstand. Der Linzer Thomas Preining rangiert auf Position acht.
„Ich hatte ziemliches Glück“
Selbstvertrauen tankte der Mercedes-Pilot zuletzt mit Rang drei in Spielberg – er feierte damit sein Premierenpodest am Red Bull Ring. Dass die letzten zwei Saisonen teilweise keine leichte Kost gewesen sind, ist mehr als nur nachvollziehbar. 2023 krachte er im Training für das 24-Stunden-Rennen in Daytona gegen die Boxenmauer und zog sich Frakturen der Lendenwirbelsäule zu. Erinnern konnte er sich an alles – „brutale Schmerzen“ inbegriffen. Während einer intensiven Reha halfen ihm primär seine Charaktereigenschaften. Gedanken, nicht mehr im Cockpit zu sitzen, kamen ihm nie.
„Es war meine bisher schwerste Verletzung, aber ich kann ehrlich sagen, dass mir vom ersten Moment an bewusst war, dass ich solange kämpfen werde, bis ich wieder in absoluter Topform bin. Ich weiß, dass ich ziemliches Glück hatte, aber die kleinen Ziele haben mir Mut gemacht. So habe ich mich über Wasser gehalten. Auch in enorm schwierigen Phasen habe ich stets versucht, das Licht am Ende des Tunnels zu suchen.“ Und dieser harte Kampf hat sich ausgezahlt, denn der Tiroler will nun seine Jubiläumssaison – es ist seine zehnte – mit der DTM-Trophäe krönen.
Der traditionsreiche Hockenheimring ist für Auer, der 2016 mit seinem Premierensieg auf dem Lausitzring rot-weiß-rote DTM-Geschichte geschrieben hat, ein gutes Pflaster, stand er hier dreimal ganz oben, zuletzt 2022. „Der DTM-Titel würde mir irrsinnig viel bedeuten.“