Ideale gepaart mit Qualität, Know-how, Direktheit und jede Menge an Fingerspitzengefühl. Diese Attribute sind auf Lucas Auers Renningenieur Marius Avemarg maßgeschneidert. Seit der heurigen Saison arbeiten die beiden Perfektionisten zusammen und „es matcht auf allen Ebenen.“ Mit der neu formierten Landgraf-Truppe ist dem Kufsteiner gleich zum Saisonauftakt in Oschersleben der erste DTM-Triumph nach exakt 931 Tagen gelungen.

Doch wer ist das „Wunderwuzzi“ aus Düsseldorf, dem der 31-jährige Mercedespilot blind vertraut? „Ich habe schon als Zweijähriger viel Zeit an der Rennstrecke verbracht, da mein Vater früher historische Rennen gefahren ist.“ Und so zog es ihn als 16-Jährigen nach dem Kartsport schließlich für mehrere Jahre über den großen Teich nach Miami, „wo ich Rennen gefahren bin. Nur ist mir irgendwann klar geworden, dass ich lieber Geld verdienen würde, als es zu verbrauchen.“

Für Avemarg ist es seine dritte DTM-Saison, „insgesamt mache ich den Job seit 20 Jahren“. Unter der Woche in einer Doppelfunktion tätig, kümmert er sich um beide Landgraf-Boliden, „dass der technische Aufbau stimmt. Bei den Rennen bin ich für Lucas verantwortlich.“ Es gehe unter anderem um Planung, wie viele Reifen und Sprit benötigt werden, wie die Testpläne sowie das Set-up aussehen.

„Ein Null-Punkte-Rennen ist das Horrorszenario“

„Am Rennwochenende beginnen wir mit der Baseline vom Auto her. Wir schauen, das Auto performancemäßig weiterzubringen, schneller zu machen, etwaige Adaptierungen einzuplanen. Man arbeitet mit dem Feedback des Fahrers, bespricht Dinge, die er besser machen kann. Diese Daten sehen sich hauptsächlich Performanceingenieure an. Und man wirft Blicke auf die Witterungsverhältnisse“, erklärt der zweifache Familienvater und fügt hinzu: „Es gibt Personen, die mir zuarbeiten und ich muss am Ende die Entscheidung treffen, was gemacht wird.“ Aufgaben über Aufgaben, schließlich soll die Landgraf-Crew an 30 Leuten vernünftig zusammenarbeiten. „Wir sind ein eher kleines Team, haben aber die Hauptpositionen mit Top-Leuten besetzt“, sagt Avemarg, dessen Horrorszenario klar definiert ist: „Ein Null-Punkte-Rennen.“

Marius Avemarg, #22 MERCEDES, AUER Lucas, AUT, MERCEDES-AMG TEAM LANDGRAF,
Avemarg und Auer sind ein eingespieltes Team © Richard Purgstaller

Das Zusammenspiel mit dem aktuell Gesamtzweiten (zwei Punkte Rückstand auf Leader Rene Rast) gleicht beinahe einer Traumkonstellation: „Was wir denken, sprechen wir klar aus, egal ob es positiv oder negativ ist. Das macht vieles einfach, noch dazu haben wir beide viele Ideen. Er erzählt mir gelegentlich am Funk Sachen, die ich zu dem Zeitpunkt nicht ändern kann, andersrum kommuniziere ich etwas, das ihn vermutlich weniger interessiert. Ich könnte mir heuer keinen Besseren vorstellen.“

Angesprochen auf sein Familienleben erzählt der 37-Jährige, „dass mich meine Frau glücklicherweise im Motorsport kennengelernt hat. Wir sind jetzt 13 Jahre verheiratet, es funktioniert also. Und wenn ich daheim bin, verfolge ich den Motorsport nicht großartig, sondern da hat die Familie Priorität.“