Er lächelte im Vorhinein, als ob Manthey-Porsche-Pilot Thomas Preining wüsste, welche Frage ihm im Vorfeld des Heimspektakels gestellt wird. War das Schützenhilfe für ihren Landsmann Lucas Auer, als Sie am Sachsenring den Führenden Jack Aitken „abgeräumt“ haben? „Aber ungewollt“, verriet der Linzer, der bei diesem Manöver selbst einige Punkte liegen ließ. Wer den DTM-Champion von 2023 kennt, weiß, dass der Blick nach vorne gerichtet ist. Vier Rennen vor Schluss hat Preining als Fünfter gerade einmal 15 Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Auer.
„Es ist alles andere als besorgniserregend. Der Sachsenring hat gezeigt, wie schnell 15 Punkte kommen und gehen. Es ist enger denn je, alles möglich, aber wir müssen liefern.“ Generell sei er froh, nach wie vor im Titelkampf mitzumischen, „denn die Saison war zäh und es ist alles daneben gegangen, was daneben gehen kann. War herausfordernd für mich, wobei ich Challenges ja mit offenen Armen empfange“, hat sich Preining zuletzt schnell von gesundheitlichen Problemen erholt.
„Im Endeffekt ändert sich nichts“
Angesprochen auf seinen Titelgewinn 2023, meint er gewohnt souverän: „Einerseits ist so ein Titel etwas Beruhigendes, da du ewig auf etwas hinarbeitest und es dann tatsächlich schaffst. Wenn ich theoretisch morgen aufhöre, muss ich mich für nichts schämen, sondern kann stolz sein. Andererseits denke ich noch nicht ans Karriereende, sondern ich hätte gern mehr von solch schönen Gefühlen.“ Schließlich habe sich das Bewusstsein über so einen Triumph geändert, „da ich nicht wusste, was ich erwarten soll beziehungsweise verändert, aber im Endeffekt ändert sich nichts.“ Man habe zwar einen gewissen Status erreicht und sich Respekt erarbeitet, wobei ihm persönlich wichtig ist, was er selbst über sich denkt. „Du willst immer mehr erreichen, strebst neue Ziele an, von dem her ist alles beim Alten“, verdeutlicht Preining, ein akribischer Perfektionist, der in den Segmenten Risikomanagement und Bewerten von Rennsituationen noch eine Schippe drauflegen kann.
Spielberg gibt dieses Wochenende den Ton an. Die Spitzkehre am Berg ist übrigens Preinings absolute Lieblingsstelle. „Es ist eine der spektakulärsten Kurven im gesamten Kalender“, sagt der 27-Jährige, dessen Karriere einst am seidenen Faden hing. 2015 stieg er in die Formel 4 auf. „Nach nur zwei Rennen ist mein Sponsor in Konkurs gegangen. Da dachte ich, dass sich meine Karriere erledigt hat.“ Er verlor den Glauben an sich aber nicht, blieb weiter dran. Die richtige Entscheidung, wie sich herausgestellt hat. Ohne Familie Lechner wäre er aber nicht da, wo er ist.
„Ich bin hungrig“
Am Papier ist der Red Bull Ring nicht Porsches Paradestrecke, doch der historische Sieg 2022 hat demonstriert, was möglich sein kann. Das Wetter ist ihm ziemlich egal (“das ist das Schönste, wenn man nicht bei jedem Regentropfen zu zittern anfangen muss“). Er hegt Ambitionen, legt sich die Latte daher gerne hoch und „ich bin hungrig. Wenn wir zwei normale Wochenenden ohne irgendwelche unglücklichen Situationen haben, habe ich keine Bedenken. Ich will nach Hockenheim wieder ganz oben stehen. Ich weiß, wie ein Titel schmeckt, das macht süchtig“, sagt Preining, der auf eine gesunde Kombi aus „Risikobereitschaft, Ruhe und Hirn“ baut.