Die DTM geht in die heiße Phase und der Titel ist umkämpfter denn je. Der Champion von 2023, Thomas Preining, hat vor dem Heim-Spektakel in Spielberg (12. bis 14. September) als Fünfter lediglich 15 Punkte Rückstand auf den aktuellen Spitzenreiter Lucas Auer. Ein anderer hingegen hat in dieser Saison zu kämpfen – und das ist niemand Geringerer als Titelverteidiger Mirko Bortolotti im ABT Sportsline Lamborghini im Red-Bull-Design. An den letzten drei deutschen DTM-Schauplätzen gab es für ihn insgesamt nur magere vier Punkte.

„Dieses Jahr ist der beste Beweis, dass im Motorsport nichts von den Bäumen fällt, sondern alles extrem harte Arbeit ist. Und es zeigt, wie hoch der Wert eines Titels und eines Vize-Titels in den Jahren davor ist. Mir ist klar geworden, dass man nichts für selbstverständlich halten sollte“, verdeutlicht der 35-Jährige und versichert, dass er sich seiner Qualitäten bewusst sei:

„Zwei Testtage sind nicht genug“

Dass es dieses Jahr nicht läuft, habe andere Gründe, wie Bortolotti klarstellt: „Wir hatten eine Vorbereitung, die nicht dem entspricht, was du bei einem Markenwechsel als Team brauchst. Zwei Testtage sind nicht genug, um zu performen. Vor allem, wenn du gegen Mannschaften fährst, die jedes Wochenende in anderen Serien mit den gleichen Pirelli-Reifen unterwegs sind und sich weiterentwickeln. Du fängst mit einem Rückstand an, der wird dann sukzessive größer.“ Zudem sei es durch die limitierten Testtage – in der DTM gilt die Regelung, dass nur fünf Team-Testtage pro Saison zur Verfügung stehen – nahezu unmöglich, diese Lücke zu schließen.

Aber Bortolotti wäre nicht Bortolotti, wenn sein „Mindset“ vor Spielberg nicht augenscheinlich definiert wäre. „Für mich gibt es auch bei den nächsten vier Rennen hundert Prozent.“ Auch, wenn die Ausgangslage alles andere als einfach ist: „Wir haben hier keine Tests, andere schon. Deshalb werden wir wieder ins kalte Wasser springen müssen, mit einer schlechteren Vorbereitung als die direkte Konkurrenz.“

„Das würde mir unnötige Energie rauben“

Spielberg ist für Bortolotti immer ein besonderes Pflaster, aber eben schwierig. Doch der aktuell Gesamt-14. weiß auch, dass „der Red Bull Ring für Überraschungen gut ist. Mal schauen, was das Wetter macht und welche externen Faktoren eine Rolle spielen. Wir haben letztes Jahr hier gewonnen, aber auch das hatte seine Gründe. Man darf nicht immer nur aufs Ergebnis schauen, sondern muss analysieren, warum Dinge passiert sind. Ich glaube, dass Spielberg am Papier nicht unsere Strecke ist, eher die schlechteste im ganzen Jahr. Aber ich freue mich auf das Wochenende wie auf kein anderes: Hier gibt es immer eine spezielle Kulisse“, konkretisiert der „Italo-Wiener“ und Sprössling einer bekannten Wiener Eis-Familie, der zweifelsfrei polarisiert.

Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten und niemand, der einen Filter braucht. Wenn er etwas zu sagen hat, steht er dazu. „Das ist meine größte Charaktereigenschaft, da mir Ehrlichkeit wichtig ist. So gehe ich durchs Leben“, sagt Bortolotti, der sich Gedanken über viele Dinge macht, die ihm wichtig sind. Aber: „Ich bin auch sehr gut darin, mir überhaupt keine Gedanken über komplett irrelevantes Zeug zu machen. Das würde mir unnötig Energie rauben.“