Er war etwas turbulent, der Neusiedlersee-Marathon für den zweifachen Snowboard-Olympiasieger Benjamin Karl. Während die ersten 85 Kilometer nahezu „perfekt liefen“ – er fightete mit der Spitzengruppe mit – kam es anschließend zu kleinen Zwischenmanövern. Der Wahl-Lienzer konnte einen Beinahe-Sturz verhindern, nur das Handanlegen an der Kette kostete Zeit und somit verlor er den Anschluss an die vorderste Gruppe. 40 Kilometer war der 40-Jährige auf sich allein gestellt – das Warten an einem Bahnschranken inklusive.
Nach 125 Kilometern und 600 Höhenmetern kam der ehemalige Snowboard-Star schließlich unter 1400 Männern als 64. ins Ziel (“das Ergebnis sagt nach den kleinen Zwischenfällen de facto nichts über meine Leistung aus“) – und das zwei Tage nach seiner großen Olympiaparty in Wilhelmsburg. „Es war ein super Rennen mit durchgehend 300 Watt. Diese Quälerei am Rad macht plötzlich Sinn, was eine völlig neue Erfahrung für mich ist. Bisher habe ich gedacht, was ich als Boarder hier mache. Aber ich hatte echt Spaß, obwohl ich ganz knapp davor war, Blut zu spucken“, verdeutlicht Karl, der keine explizite Vorbereitung auf dieses Rennen hatte.
„Deshalb bin ich jetzt besser leise“
Auf die Frage, wie viele Kilos der Ausnahmeathlet in den letzten Wochen abgenommen hat, verriet der zweifache Familienvater: „Es sind derzeit zwei, aber sieben sollen noch purzeln, ich muss noch auf 80 runter. Aber ich habe gerade angefangen, lassen wir den Sommer mal kommen. Momentan bin ich rundum glücklich.“
Wohin ihn seine neue sportliche Karriere als Radprofi führen wird, soll demnächst in Stein gemeißelt sein oder wie er erklärt: „In zwei Monaten wissen alle mehr. Bevor kein Vertrag unterschrieben ist, sind die Radteams logischerweise allergisch auf solche Dinge und deshalb bin ich jetzt besser leise.“ Eines ist jedoch fix: „Übernächste Woche habe ich keinen Termin, da werde ich nur Rad fahren und so einen Leistungssprung machen, das wird außerordentlich sein.“