Louis van Gaal wird also mit seinen 71 Jahren noch zum Schmusetiger. Sowohl der bei Inter Mailand unter Vertrag stehende Denzel Dumfries als auch Starstürmer Memphis Depay bekamen bei Pressekonferenzen jeweils eine Liebeserklärung vom Bondscoach. Nicht ohne Grund, um ehrlich zu sein.

"Love is in the air" lautet offenbar die Devise des ältesten Trainers bei dieser WM für das Turnier. Bisher gab sich sein Team keine Blöße. Obwohl die USA im Achtelfinale in allen Statistiken besser waren, hatten Virgil van Dijk & Co die Kontrolle über das Spielgeschehen. Van Dijk koordiniert als umsichtiger Dirigent in der Abwehrzentrale die von Louis van Gaal implementierte Fünferkette, mit der dieser mit der langen Tradition des "orangen 4-3-3" brach. Hinten steht man sicher, vorne vertraut man auf den formstarken Shootingstar Cody Gakpo.

Ob das gegen den zweifachen Weltmeister Argentinien genügt? Das Spiel gegen den Ball gibt den Holländern Selbstvertrauen, das Spiel mit dem Ball muss aber besser werden, um im Umschaltspiel gefährliche Akzente setzen zu können.

Die "Albiceleste" hat den Faktor Messi im Talon, der auch eine gut organisierte Fünferkette im Alleingang knacken kann. Wenn die holländische Mauer den Angriffswirbel der Südamerikaner anfangs übersteht, steigen mit Fortdauer des Spiels die Aufstiegschancen. Van Gaal ist sicher von der argentinischen Statistik gewarnt, laut der das Team von Lionel Scaloni heuer in 11 von 13 Spielen schon zur Halbzeit führte. Einziger "Schönheitsfehler" war der Lapsus gegen Saudi-Arabien. Aus diesem Fehler hat Argentinien aber gelernt, die Restverteidigung ist seitdem hellwach. Ein Schlüsselduell wird jenes zwischen den Manchester-City-Teamkollegen Nathan Ake und Julian Alvarez. Aber wer sollte besser als Ake wissen, wie man seinen Kumpel stoppt? Trotzdem lautet mein Tipp für heute: Südamerika steht mit zwei Teams im Halbfinale – und Europa geht leer aus.

 

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